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Euer Hochwohlgeboren verzeihen mir das lange Behalten der mir durch Ihre Güte gewordenen Mittheilungen über die Sänger des Thurgaus, welche ich nach gemachtem Gebrauche hiebei dankbar zurücksende. Der Drang der landständischen Geschäfte hat mich bisher von der völligen Beendigung meiner Arbeit über Walther von der Vogelweide abgehalten, doch glaube ich solche in einigen Wochen zum Drucke geben zu können. Unter den hier zurückfolgenden Collektaneen findet sich ein Citat: „ Epist. ad Dnum de la Loubêre, regis Galliae apud Confeder: Helvet: Oratorem, Soloduri. " Ist diese epistola etwa von Goldast? Die Stelle über Walthers Grabstätte zu Würzburg habe ich in Gropp's Sammlungen, woraus solche entnommen ist, vergeblich gesucht. Kann ich diesen Sommer bessere Musse gewinnen, als bisher, so gedenke ich auf die Untersuchung andrer altdeutscher Sänger überzugehen, und zwar zunächst derjenigen, welche den Stil des Minnesangs an den des Nibelungenliedes anknüpfen. Ueber den von Kürenberg finde ich in Ihren Notizen, daß er aus dem Breisgau stamme. Wo mag man hierüber Näheres lesen? Gelingt es mir, den Sommer über in diesen Forschungen vorzuschreiten, so werde ich mich um so mehr gedrungen fühlen, gegen den Herbst hin eine neue Wanderung an den Bodensee und nach St. Gallen anzutreten, wo der Gesang so heimisch war und noch so Manches aus dem Alterthum sich erhalten hat. Sehr oft bin ich in Gedanken in jener schönen Gegend. Unter Wiederholung meines herzlichen Dankes verharre ich mit größter Hochachtung Euer Hochwohlgeboren Stuttgart, den 17. Mai 1821. unterthäniger Diener L. Uhland.