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Hochwohlgeborner Herr!
Indem ich Ihnen Bodmers
Ausgabe der Minnesånger📖 mit vielem Danke zurücksende, kann ich mich nicht
enthalten, Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre Gastfreundschaft nochmals
auszudrücken. Nauclers
Chronik📖 werde ich Ihnen, wenn sie für den Fußboten zu schwer sein sollte,
mit erster günstiger Gelegenheit übermachen. Für das thurgauische
Neujahrsblatt📖, besonders rücksichtlich der Erzählung der Erbauung Bischofszells, bitte ich um Nachsicht. Ungelehrten Lesern dürfte manches
noch zweifelhafte nicht als unzuverlässig dargeboten werden, und die
Hindeutungen auf den damaligen Zustand des Volkes hätten vielleicht entweder
ganz weggelassen oder mehr ausgeführt werden sollen. Ihre Belehrungen werden mir
höchst willkommen sein, und ich bitte Sie angelegentlichst darum. Schon zwei
Male habe ich Sie wegen der Klingenbergischen Chronik📖 zum Nachschlagen veranlaßt. Damit das nicht zum
dritten Male und wieder vergeblich geschehe, bemerke ich Ihnen folgende Notiz in
Tschudis
Chronik. Tom. I. p. 104📖. a. „Anno Domini 1206 im
Hornung haben die drei Waldstätte: Uri
, Schwyz
und Unterwalden
sich
10 Jahre lang zusammen verbunden, als Herr Johannes von
Klingenberg
, Ritter, der Alte us dem Turgöw
beschribt,
der anno 1240 und darnach gelebt hat, wie das bezügt sin Urenkel,
auch Herr Johannes von
Klingenberg
Ritter genannt, der zu Näfels
in Glarus
umkam, auch er und sin Sun, Johannes
genannt, Irer Ziten Geschichten beschriben habend." In Hallers
kritischem Verzeichnisse aller Schriften📖, welche die Schweiz
betreffen
(seine Bibliothek
der Schweizergeschichte📖 besitze ich nicht) heißt es Bd. IV; p. 158 und 160,
daß in J. Langhans:
Von Auf- und Abgang der Herzogen von Zähringen, ein Stück der Klingenbergischen, 1388 geschriebenen Chronik📖 vorkomme. Wo nun wohl diese Chronik sich
befinden möge? Von der Chronik
Heinrichs von Klingenberg📖 scheint sie bestimmt verschieden zu sein.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborner Herr! Indem ich Ihnen Bodmers Ausgabe der Minnesänger mit vielem Dank zurücksende, kann ich mich nicht enthalten, Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre Gastfreundschaft nochmals auszudrücken. Nauclers Chronik werde ich Ihnen, wenn sie für den Fußboten zu schwer sein sollte, mit erster günstiger Gelegenheit übermachen. Für das thurgauische Neujahrsblatt, besonders rücksichtlich der Erzählung der Erbauung Bischofszells, bitte ich um Nachsicht. Ungelehrten Lesern dürfte manches noch zweifelhafte nicht als unzuverlässig dargeboten werden, und die Hindeutungen auf den damaligen Zustand des Volkes hätten vielleicht entweder ganz weggelassen oder mehr ausgeführt werden sollen. Ihre Belehrungen werden mir höchst willkommen sein, und ich bitte Sie angelegentlichst darum. Schon zwei Male habe ich Sie wegen der Klingenbergischen Chronik zum Nachschlagen veranlasst. Damit das nicht zum dritten Male und wieder vergeblich geschehe, bemerke ich Ihnen folgende Notiz in Tschudis Chronik. Tom. I. p. 104. a. „Anno Domini 1206 im Hornung haben die drei Waldstätte: Uri, Schwyz und Unterwalden sich 10 Jahre lang zusammen verbunden, als Herr Johannes von Klingenberg, Ritter, der Alte aus dem Turgöw beschrieben, der anno 1240 und danach gelebt hat, wie das bezügt sin Urenkel, auch Herr Johannes von Klingenberg Ritter genannt, der zu Näfels in Glarus umkam, auch er und sin Sun, Johannes genannt, ihrer Ziten Geschichten beschrieben habend." In Hallers kritischem Verzeichnis aller Schriften, welche die Schweiz betreffen (seine Bibliothek der Schweizergeschichte besitze ich nicht) heißt es Bd. IV; p. 158 und 160, dass in J. Langhans: Von Auf- und Abgang der Herzogen von Zähringen, ein Stück der Klingenbergischen, 1388 geschriebenen Chronik vorkomme. Wo nun wohl diese Chronik sich befinden möge? Von der Chronik Heinrichs von Klingenberg scheint sie bestimmt verschieden zu sein. Genehmigen Sie, hochwohlgeborner, geehrte Herr, die Versicherung wahrer Hochachtung und steter Dienstfertigkeit, mit der ich die Ehre habe zu sein Ihr ergebenster Pupikofer. Bischofszell, den 20. Dez. 1824.
Translation
"Highly Born Sir! As I return to you Bodmer's edition of the Minnesingers with many thanks, I cannot refrain from expressing to you once more my heartfelt gratitude for your hospitality. I will send you Naucler's Chronicle, should it prove too heavy for the foot messenger, at the earliest favorable opportunity. Regarding the Thurgau New Year's sheet, particularly with respect to the account of the construction of Bischofszell, I ask for your indulgence. To unlearned readers, certain matters still in doubt should not be presented as unreliable, and the references to the then state of the people might perhaps have been either omitted entirely or more thoroughly elaborated. Your instructions will be most welcome to me, and I earnestly request them. I have already twice caused you trouble regarding the Klingenberg Chronicle for reference purposes. To avoid doing this a third time, and again in vain, I would like to point out the following note in Tschudi's Chronicle, Tom. I, p. 104, a: “Anno Domini 1206 in February, the three forest cantons: Uri, Schwyz, and Unterwalden, entered into a 10-year alliance, as described by Sir Johannes von Klingenberg, Knight, the Elder from Thurgau, who lived in the year 1240 and thereafter, as testified by his great-grandson, also called Sir Johannes von Klingenberg, Knight, who perished in Näfels in Glarus, he and his son, also called Johannes, having written about their times." In Haller's critical directory of all writings concerning Switzerland (I do not possess his Library of Swiss History), it is mentioned in Vol. IV; p. 158 and 160, that in J. Langhans: On the Rise and Fall of the Dukes of Zähringen, a part of the Klingenberg Chronicle, written in 1388, appears. Where might this chronicle be now? It seems to be definitely different from the chronicle of Heinrich von Klingenberg. Please accept, highly born and honored sir, the assurance of my true respect and constant readiness to serve, with which I have the honor to be your most devoted Pupikofer. Bischofszell, 20th Dec. 1824."