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Stuttgart den 11. Mai 1825. Verehrtester Herr und Freund! Während mein Dank für den zweiten Band des Liedersaals sich auf dem Wege befindet, bin ich bereits mit der ersten Hälfte des dritten beschenkt und erfreue mich des nun bald vollständigen Erscheinens dieser reichen Sammlung, welche nun erst von der fortlebenden Poesie im 14. Jahrhundert lebendiges Bild giebt und auch für den früheren Zeitraum so Manches ergänzt und aufhellt. Ueberaus merkwürdig ist die Sage von den Nachtsfrauen; wichtig mir besonders die Anspielungen auf Nithart, auf ältere Tanzweise u. s. w. In Wallenstein ist ja nun auch eine Nibelungenhandschrift ruchtbar geworden, ein Rosengartenlied, ein provenzalischer Fierabras 2c. Die erstern werden aber bis jetzt sehr unzugänglich gehalten. v. d. Hagen hat um den Weingartner Codex angesucht, vermuthlich um ihn mit der Manessischen Sammlung herauszugeben. Der zweite Theil seines Heldenbuchs ist nun endlich auch erschienen. Doch fehlt noch immer Manches aus diesem Kreise: Alpharts Tod, der Wiener Wolfdietrich 2c. Mit Bedauern habe ich in Ihrem letzten Schreiben keine Bestätigung des Besuchs gefunden, den Sie uns für diesen Frühling hoffen ließen; jene frühere Aeußerung in Erinnerung zu bringen und zugleich für das neue Geschenk herzlich zu danken, ist der Zweck gegenwärtiger Zeilen. Mit aufrichtiger Verehrung und Freundschaft L. Uhland.