Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner, verehrtester Herr Freyherr!
Obschon ich Ihnen durch keine
förmliche Beyleidsbezeugung meine herzliche Theilnahme an Ihrer Trauer über den
Hinschied Ihres trefflichen, so allgemein hochgeschäzten Freundes des
Staatsrathes von
Ittner bewiesen habe, kann ich Sie dennoch versichern, daß auch mich jene
Trauerbotschaft, und zwar um so mer geschmerzt hat, da ich den edlen Mann lezten
Herbst wenigstens für einige Augenblicke zu sehen bei Ihnen das Vergnügen hatte,
und aus Ihren eigenen Aeußerungen wußte, welch' großen Werth Sie auf die
Freundschaft desselben setzen. Möge Sein Verlust Ihnen die Gegend um Konstanz
nicht gleichgültig machen, und somit auch mich des Glücks berauben, in Ihnen
einen Gönner und Beförderer meiner historischen Studien, und einen edelmüthigen
Gastfreund zu verlieren! Die gütige Vorsehung möge Ihnen jenen Verlust durch ein
anderes Gut wenigstens auch erträglicher machen! Da ich voraussetzen darf, daß
Sie die Fortsetzung des Raumerschen
Werkes📖 nicht ungerne lesen werden, wenn Sie nicht schon damit bekannt
geworden sind, erlaube ich mir das Vergnügen, Ihnen hiermit den fünften Band zu
übersenden. Den sechsten Band wünschte ich Ihnen bald selbst in Eppishausen
zu
überreichen. Zwar bin ich in die deutschen Alterthümer nicht so eingeweiht, daß
ich ein kompetentes Urtheil über diesen Theil des Raumerschen
Werkes📖 ablegen könnte; aber das muß ich wenigstens gestehen, daß es meinen
Erwartungen und Wünschen am wenigsten entsprochen hat. Ob vielleicht nicht mehr
zu leisten war, mögen Sie beurtheilen. Ganz auffallend war mir die endlich
erfolgte Ankündigung der Herausgeber der Quellenschriftsteller der deutschen Geschichte📖 und der Umstand, daß nun
die St. Gallischen Schriftsteller schon in den ersten Band kommen, die Sammlung
selbst nicht über die Jare 500 zurück gehen soll. Ich glaubte, Ihre Bearbeitung
der Historia
Waltharii📖 werde die Reihe eröffnen. Ein Herr Dalp
aus
Chur
, Buchführer in einer Gießischen Buchandlung hat mich letzthin um
Beiträge zur Herausgabe einer Beschreibung aller Ritterburgen der Schweiz
📖 aufgefordert, und er macht sich Hoffnung auf eine günstige
Aufnahme dieses Werkes. Ich zweifle aber, daß der Absatz in der Schweiz
groß sein
werde; die Deutschen müßten sich mehr dafür interessiren, wenn der Erfolg Gewinn
bringen sollte. Unterdessen verweigere ich dem Herausgeber meine Beiträge nicht,
in der Hoffnung, durch Ihre Unterstützug einiges nicht unwichtiges aus dem Thurgau
liefern zu können. Letzthin war ich so frei, Sie um Mittheilung
des Chron.
Peterhusanum📖 zu bitten, das in dem Prodromus
Germania sacra📖 stehen soll. Haben Sie dieses Werk gerade in Ihrer Bibliothek
und ist es Ihnen entbehrlich, so wiederhole ich hiermit meine Bitte, indem ich
die in Neugarti
episcopatu Const.📖 über die Kyburger
angeführten Stellen nachzusehen wünschte. Unter dem Titel von Rügers
Chronik📖, wie derselbe im Verzeichniß angegeben war, kaufte ich unlängst
eine Schaffhauser
Chronik📖, in welcher Auszüge aus dem Archive des Klosters Allerheiligen
vorkommen, die, wenn sie, was ich noch nicht vergleichen konnte, unbenutzt sind,
manches Interesse gewähren möchten.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener, verehrtester Herr Freiherr! Obschon ich Ihnen durch keine förmliche Beileidsbezeugung meine herzliche Teilnahme an Ihrer Trauer über den Hinschied Ihres trefflichen, so allgemein hochgeschätzten Freundes des Staatsrates von Ittner bewiesen habe, kann ich Sie dennoch versichern, dass auch mich jene Trauerbotschaft, und zwar umso mehr geschmerzt hat, da ich den edlen Mann letzten Herbst zumindest für einige Augenblicke bei Ihnen das Vergnügen hatte, und aus Ihren eigenen Äußerungen wusste, welch großen Wert Sie auf die Freundschaft desselben setzen. Möge sein Verlust Ihnen die Gegend um Konstanz nicht gleichgültig machen, und somit auch mich des Glücks berauben, in Ihnen einen Gönner und Förderer meiner historischen Studien, und einen edelmutigen Gastfreund zu verlieren! Die gütige Vorsehung möge Ihnen jenen Verlust durch ein anderes Gut zumindest erträglicher machen! Da ich voraussetzen darf, dass Sie die Fortsetzung des Raumerschen Werkes nicht ungern lesen werden, wenn Sie nicht schon damit bekannt geworden sind, erlaube ich mir das Vergnügen, Ihnen hiermit den fünften Band zu übersenden. Den sechsten Band wünschte ich Ihnen bald selbst in Eppishausen zu überreichen. Zwar bin ich in die deutschen Altertümer nicht so eingeweiht, dass ich ein kompetentes Urteil über diesen Teil des Raumerschen Werkes ablegen könnte; aber das muss ich zumindest gestehen, dass es meinen Erwartungen und Wünschen am wenigsten entsprochen hat. Ob vielleicht nicht mehr zu leisten war, mögen Sie beurteilen. Ganz auffallend war mir die endlich erfolgte Ankündigung der Herausgeber der Quellenschriftsteller der deutschen Geschichte und der Umstand, dass nun die St. Gallischen Schriftsteller schon im ersten Band kommen, die Sammlung selbst nicht über die Jahre 500 zurückgehen soll. Ich glaubte, Ihre Bearbeitung der Historia Waltharii werde die Reihe eröffnen. Ein Herr Dalp aus Chur, Buchführer in einer Gießischen Buchhandlung hat mich letztens um Beiträge zur Herausgabe einer Beschreibung aller Ritterburgen der Schweiz aufgefordert, und er macht sich Hoffnung auf eine günstige Aufnahme dieses Werkes. Ich zweifle aber, dass der Absatz in der Schweiz groß sein werde; die Deutschen müssten sich mehr dafür interessieren, wenn der Erfolg Gewinn bringen sollte. Unterdessen verweigere ich dem Herausgeber meine Beiträge nicht, in der Hoffnung, durch Ihre Unterstützung einiges nicht Unwichtiges aus dem Thurgau liefern zu können. Letztens war ich so frei, Sie um Mitteilung des Chron. Peterhusanum zu bitten, das in dem Prodromus Germani sacra stehen soll. Haben Sie dieses Werk gerade in Ihrer Bibliothek und ist es Ihnen entbehrlich, so wiederhole ich hiermit meine Bitte, indem ich die in Neugarten über das Bistum Konstanz angeführten Stellen nachzusehen wünschte. Unter dem Titel von Rügers Chronik, wie derselbe im Verzeichnis angegeben war, kaufte ich unlängst eine Schaffhauser Chronik, in welcher Auszüge aus dem Archiv des Klosters Allerheiligen vorkommen, die, wenn sie, was ich noch nicht vergleichen konnte, unbenutzt sind, manches Interesse gewähren möchten. Genehmigen Sie, Hochwohlgeborener, hochverehrter Herr! die Versicherung unveränderlicher Hochachtung und Ergebenheit von Ihrem Diakon Pupikofer, Bischofszell, den 26. Mai 1825.
Translation
Highly Born and Most Esteemed Baron! Although I have not shown my heartfelt sympathy for your sorrow over the passing of your excellent, universally esteemed friend, State Councilor von Ittner, through any formal condolence, I can assure you that I was also pained by the news of his death, all the more so since I had the pleasure of meeting the noble man last autumn, at least for a few moments at your place, and knew from your own statements how much you valued his friendship. May his loss not make the area around Konstanz indifferent to you, and thus also deprive me of the happiness of losing you as a patron and promoter of my historical studies, and a noble host! May kind Providence compensate you for this loss with another good, at least making it more bearable! Assuming that you would not be averse to reading the continuation of Raumer's work, if you are not already familiar with it, I take the pleasure of sending you the fifth volume. I hope to present the sixth volume to you soon in Eppishausen myself. Although I am not so well versed in German antiquities to give a competent judgment on this part of Raumer's work, I must at least admit that it has met my expectations and desires the least. Whether more could have been achieved, you may judge. I was quite struck by the recent announcement of the publishers of the source writers of German history and the fact that the St. Gallen writers are already to appear in the first volume, while the collection itself is not supposed to go back beyond the year 500. I thought your treatment of the Historia Waltharii would open the series. Recently, a Mr. Dalp from Chur, a bookkeeper in a Gießen bookstore, asked me for contributions to the publication of a description of all the knight's castles in Switzerland, and he is hopeful for a favorable reception of this work. However, I doubt that the sales in Switzerland will be large; the Germans would have to be more interested in it if the project is to be profitable. In the meantime, I do not refuse the publisher my contributions, hoping to be able to provide something significant from Thurgau with your support. Recently, I took the liberty of asking you for the Chron. Peterhusanum, which is supposed to be in the Prodromus Germani sacra. If you have this work in your library and can spare it, I repeat my request, as I wish to review the passages cited in Neugart about the Diocese of Konstanz. Under the title of Rüger's Chronicle, as it was listed in the catalog, I recently purchased a Schaffhausen Chronicle, which contains excerpts from the archives of the All Saints' Monastery, which, if unused as I have not yet been able to compare, might offer much interest. Please accept, Highly Born and Most Esteemed Sir, the assurance of unchanging respect and devotion from your Diakon Pupikofer, Bischofszell, May 26, 1825.