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Stuttgart, d. 26. Sept. 1825. Verehrtester Herr und Freund! Mein lieber Freund, Prof. Schwab, der im Begriff ist, eine Reise an den Bodensee anzutreten, hat mich um einige Zeilen der Empfehlung an Sie ersucht. Seine vor zwei Jahren erschienene Beschreibung der schwäbischen Alb, worin er mit der historisch - topographischen Darstellung die poetische Auffassung der Natur und Sagenwelt zu verbinden gesucht, ist Ihnen vielleicht bekannt. In gleichem Sinne unternimmt er jezt, den Bodensee und das Rheinthal zu beschreiben, und macht sich auf den Weg, um Alles wiederholt ins Auge zu fassen. Die Aufgabe ist interessanter, zugleich aber schwieriger, als die frühere. Durch Studien und Berufsgeschäft bisher vorzüglich dem griechischen und römischen Alterthum zugewendet, ( wiewohl er auch den Waltharius manufortis im Nibelungenmaße verdeutscht hat, ist ihm sehr angelegen, für das neue Unternehmen Rath und Beistand ortskundiger und in der mittleren Zeit einheimischer Männer zu gewinnen. Zu Erfüllung dieses Wunsches glaubte ich durch nichts so sehr behülflich seyn zu können, als indem ich mir gestatte, sein Vorhaben Ihrer wohlwollenden Aufmerksamkeit zu empfehlen. Für die gütige Zusendung vom dritten Bande des Liedersaals hole ich meinen wärmsten Dank nach; aber nur mit Ärger kann ich daran denken, daß die Mittheilung der Weingartner Handschrift für die Fortsetzung des Werkes verweigert worden. Die Consequenz wegen eines frühern Ablehnens nach andrer Seite mag der Grund davon seyn. Wäre mir nur ein brauchbarer Abschreiber für solchen Zweck bekannt, mit Vergnügen würde ich eine sorgfältige Vergleichung der Urschrift für den Liedersaal vornehmen. Oder würde mir nur der Codex auf ein halb Jahr ins Haus gegeben, ich würde wohl schon nach und nach damit fertig, besonders wenn etwa der schon gedruckte Gott Amur wegbleiben könnte. Ihrem freundlichen Andenken mich angelegenst empfehlend, mit unwandelbarer Verehrung L. Uhland.