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Stuttgart, den 12. Jul. 1826. Verehrtester Herr und Freund! Gestern empfing ich die erfreuliche Kunde, vom 4. d., daß Ihre Reise hieher nur noch auf die Nachricht von beendigter Abschrift des Weingartner Codex ausgesetzt ist. Unsre Abschrift ist nun wirklich so weit vorgerückt, daß Sie, wenn Sie sich auch sogleich auf den Weg begeben, sämmtliche Lieder zur Vergleichung mit der Urschrift bereit finden werden, ausgenommen einzig den sogenannten Gott Amur, mit welchem der Codex schließt. Dieses Gedicht ist, wie Ihnen bekannt, aus unsrer Handschrift bereits in Müllers Sammlung abgedrukt und es kömmt nun darauf an, ob Sie etwa bloß Berichtigungen des gedachten Abdruckes oder nochmals das Ganze im Liedersaal zu geben bezwecken. Im lehtern Fall möchte es das zweckmässigste gewesen seyn, eine Abschrift des Müller. Drucks zu veranstalten und diese dann nach der Handschrift durchzucorrigiren. Kürzer noch wäre, ein gedrucktes Exemplar so durchzuarbeiten, wozu ich nur das mir zu Gebot stehende, als ein entlehntes nicht anbieten kann. Jedenfalls hoffe ich, daß diese Sache keinen Aufschub Ihres Besuches veranlassen und sich hier leicht erledigen werde. Das Wichtigste der Handschrift schließt, nach meiner Ansicht, mit Seite 204, bis wohin die Minnelieder gehen. Von S. 206-228. folgt der Winsbecke und die Winsbeckin, S. 229-38. Gotfrids von Straßburg Lobgesang auf Maria, von anderer, ungenauer Hand. Dann noch S. 240-51. lehrhafte Meisterlieder; bis dahin wird bei ihrer Ankunft Alles ab geschrieben seyn. S. 223-305. ist dann noch der Gott Amur übrig. Für die gütige Zusendung von Sage und Lied meinen verbindlichsten Dank und nun nochmals die herzliche Bitte, daß es Ihnen gefallen möge, die Vergleichung des Codex in meiner Wohnung ( Kaufmann Conradis Haus in der Schloßstrasse ) zu veranstalten und mit der Bewirthung unsres einfachen Heerdes vorlieb zu nehmen. Die Membrane selbst, so wie den etwa nöthigen Apparat: Bodmers Minnesänger, Raßmanns und Beneckes Ergänzungen, die Müller. Sammlung, werde ich bereit halten. Mit der aufrichtigsten Verehrung L. Uhland. NS. Einen Brief von Maßmann, worin Einiges Sie betrifft, schliesse ich bei und bitte, mir ihn wieder mitzubringen,. da er noch nicht beantwortet ist.