Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)

Hochwohlgeborner, verehrtester Herr und Gönner!

Schon die verflossene Woche hätte ich Ihnen gerne mit Herrn OberamtmannGND Icon einen Besuch abgestattet, und Ihnen einige Ihrer Bücher wieder zurückgestellt; allein die rheumatischen Schmerzen, die immer wie Cosaken, bald in den Zähnen, bald in den Ohren und in andern Theilen des Körpers herumstreifen, haben mich damals an der Erfüllung meines Wunsches gehindert, und haben immer noch so vielen Einfluß, daß ich mich aus Furcht vor einem Rückfall vielleicht mehr zu Hause halte, als gerade nöthig wäre. Für Schilters Glossar📖, Eberts Ueberlieferungen📖, Vulcans Jornandes, Gräters Iduna bin ich Ihnen sehr dankbar. In der Enträthselung der Kaisersbacher Glockenschrift glaube ich wenigstens einen Schritt vorwärts gethan zu haben. Ich finde nähmlich deutlich die Buchstaben: populi ob.li... dum sonare . . . ceter u. bin versucht zu lesen: populi ob colligendum sonare . . . ceter. Die Phrase wäre freilich nicht sehr gut Latein. Die Figur... wäre als Abkürzung für col zu nehmen, daß . . dum gelesen werden müsse, zeigt das gothische Alphabet. Was vor ceter hergehe, darüber mag ich keine Muthmaßung aufstellen. Darf ich Ihre Güte ferner in Anspruch nehmen, so möchte ich Sie um den Nachlaß Fredegars📖 und Aimoins bitten und um Notkeri Balbuli vita Caroli M.📖 Ich überarbeite soeben diese Periode der Thurgauer Geschichte📖, und möchte einige Citate nachsehen. Vielleicht macht es Ihnen Vergnügen die Reise des Oberstl. Fischer📖 zu durchgehen, die ich deshalb beilege. Ihr NeffeGND Icon befindet sich bei Herrn BrunschwylerGND Icon wohl. Jedoch hat Herr BrunschwylerGND Icon, in der Erwartung, daß Sie bald selbst nach BischofzellWIKIDATA Icon kommen, noch für keinen Religions oder Musikunterricht gesorgt, wird Ihnen aber darüber Vorschläge machen.

Genehmigen Sie, Hochwohlgeborner, hochzuverehrender Herr und Gönner, die Versicherung meiner aufrichtigsten Hochachtung und Dankbarkeit, womit ich die Ehre habe zu sein Hochdero Ergebenster

Diac. PupikoferGND Icon

. .
Normalisierter Text

Sehr geehrter, verehrter Herr und Gönner! Schon die vergangene Woche hätte ich Ihnen gerne mit Herrn Oberamtmann einen Besuch abgestattet und Ihnen einige Ihrer Bücher zurückgegeben. Allerdings haben mich die rheumatischen Schmerzen, die immer wie Kosaken, mal in den Zähnen, mal in den Ohren und anderen Teilen des Körpers herumstreifen, daran gehindert, meinen Wunsch zu erfüllen. Sie haben immer noch so großen Einfluss, dass ich aus Angst vor einem Rückfall vielleicht öfter zu Hause bleibe, als notwendig wäre. Für Schilters Glossar, Eberts Überlieferungen, Vulcans Jornandes und Gräters Iduna danke ich Ihnen sehr. Bei der Entzifferung der Kaisersbacher Glockenschrift glaube ich zumindest einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Ich finde nämlich deutlich die Buchstaben: "populi ob.li... dum sonare . . . ceter" und bin versucht zu lesen: "populi ob colligendum sonare . . . ceter". Die Phrase wäre zwar nicht sehr gutes Latein. Die Figur "..." wäre als Abkürzung für "col" zu nehmen, dass "dum" gelesen werden müsse, zeigt das gotische Alphabet. Was vor "ceter" hergehe, darüber möchte ich keine Vermutung anstellen. Darf ich Ihre Güte weiterhin in Anspruch nehmen, würde ich Sie um den Nachlass Fredegars und Aimoins bitten sowie um Notkeri Balbuli vita Caroli M. Ich überarbeite gerade diesen Zeitabschnitt der Thurgauer Geschichte und möchte einige Zitate nachsehen. Vielleicht bereitet es Ihnen Vergnügen, die Reise des Oberstleutnants Fischer zu durchgehen, die ich deshalb beilege. Ihr Neffe befindet sich bei Herrn Brunschwyler gut. Allerdings hat Herr Brunschwyler, in Erwartung, dass Sie bald persönlich nach Bischofzell kommen, noch keine religiöse oder musikalische Unterweisung organisiert, wird Ihnen aber darüber Vorschläge machen. Bitte akzeptieren Sie, sehr geehrter Herr und Gönner, die Versicherung meiner aufrichtigsten Hochachtung und Dankbarkeit, mit der ich die Ehre habe, Ihr ergebenster Diac. Pupikofer zu sein. Bischofzell, den 12. Dezember 1826.

Translation

Dear and Esteemed Sir and Patron, I had intended to visit you last week along with Mr. Oberamtmann to return some of your books. However, rheumatic pains, which roam around like Cossacks, sometimes in the teeth, sometimes in the ears, and other parts of the body, prevented me from fulfilling this wish. They still have such a strong influence that, for fear of a relapse, I might often stay home more than necessary. I am very grateful for Schilter's Glossary, Ebert's Traditions, Vulcan's Jornandes, and Gräter's Iduna. In deciphering the Kaisersbach bell inscription, I believe I have made at least one step forward. I clearly find the letters: "populi ob.li... dum sonare . . . ceter" and am tempted to read: "populi ob colligendum sonare . . . ceter." Although the phrase is not very good Latin, the figure "..." should be taken as an abbreviation for "col," and the Gothic alphabet indicates that "dum" must be read. I do not want to speculate on what precedes "ceter." If I may continue to rely on your kindness, I would request Fredegar's Nachlass and Aimoin's work, as well as Notkeri Balbuli vita Caroli M. I am currently revising this period of Thurgau's history and would like to check some quotations. You might enjoy going through the journey of Lieutenant Colonel Fischer, which I therefore enclose. Your nephew is doing well with Mr. Brunschwyler. However, Mr. Brunschwyler, expecting you to come to Bischofszell soon, has not yet organized any religious or musical instruction but will make suggestions to you about this. Please accept, dear Sir and Patron, the assurance of my sincerest respect and gratitude, with which I have the honor to be your most devoted Diac. Pupikofer. Bischofszell, December 12, 1826.