Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
Gestern hätte ich gerne Ihrer Fräulein Nichte einige Worte an Sie
mitgegeben; allein so schlecht die Witterung war, scheint sie doch für die Leute
gut genug gewesen zu sein, die mir lange Weile machen sollten. Bei der Bezahlung
der drei Contos, die Sie mir zu berichtigen auftrugen, zeigten sich 10 xr
Ueberschuß, die ich beilege. Herr Provisor Mörikofer
schreibt, daß die Druckerpresse,
die in Frauenfeld
ausgeboten worden sei, eine Steindruckpresse sei; hingegen in der Schaffhauser Zeitung glaube er die Anzeige einer feilgebotenen
Buchdruckerpresse gelesen zu haben. Ich besitze weder das Thurgauer📖 noch das Schaffhauser Blatt, um nachsehen zu können; doch stand ich in derselben
Meinung wie Sie. Das Reisewerk des
Herrn Schwab habe ich mit Vergnügen gelesen; doch glaube ich, dasselbe
hätte noch belehrender gemacht werden können. Unter den Gedichten scheinen mir
die beiden von Hohbach
den Vorzug vor den meisten andern zu verdienen, obschon ich hierin mir kein
Urtheil anmaße. Schade, daß in der Carte nicht alle Burgruinen angezeigt sind.
Von Aurbachers
Volksbüchlein erwarte ich viel angenehmes und ich bin Ihnen für diese neue
Bekanntschaft sehr dankbar. Mir ist unterdessen gar nichts neues oder altes
eingegangen, als der Jahresbericht
der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft📖, der wirklich sehr
gehaltreich ist. Im Anfange der künftigen Woche werde ich mir das Vergnügen
machen, Sie zu besuchen. Unterdessen wünsche ich Ihrem Rheumatismus aufthauende
Frühlingswitterung, damit er ein Vorbote für die baldige willkommene Abreise des
Winters sei.
Noch darf ich nicht vergessen, Sie aufmerksam zu machen, daß in dem Wüstischen Katalog von Zürich unter Nr. 912 Murers Helvetia📖 s., und Langs Abriß feilgeboten ist. Das erstere Werk ist auf f. 4; das letzere auf f. 1, 30 B angesetzt. Ist die Einsiedler Chronik auch etwas von Werth? Mein Msc. von der Thurg. Geschichte📖 übergebe ich Ihnen zur gütigen Beurtheilung. Es wird mich freuen, wenn Sie sich die Mühe geben wollen, dasselbe durchzugehen, und mir das fehlerhafte anzumerken. Was ich in der Geschichte thun kann, ist ohnedieß, nur durch Ihre Gewogenheit aufgemuntert, zum Keime geworden und in Stengel und Laub aufgestiegen; durch Ihre fortgesetzte Pflege könnte wohl auch noch die Blüthe und Frucht hervortreiben. In herzlicher Ergebenheit der Obige.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener Herr und Gönner! Gestern hätte ich gerne Ihrer Fräulein Nichte einige Worte an Sie mitgegeben; allein so schlecht die Witterung war, scheint sie doch für die Leute gut genug gewesen zu sein, die mir lange Weile machen sollten. Bei der Bezahlung der drei Kontos, die Sie mir zu berichtigen auftrugen, zeigten sich 10 Kreuzer Überschuss, die ich beilege. Herr Provisor Mörikofer schreibt, dass die Druckerpresse, die in Frauenfeld ausgeboten worden sei, eine Steindruckpresse sei; hingegen in der Schaffhauser Zeitung glaube er die Anzeige einer feilgebotenen Buchdruckerpresse gelesen zu haben. Ich besitze weder das Thurgauer noch das Schaffhauser Blatt, um nachsehen zu können; doch stand ich in derselben Meinung wie Sie. Das Reisewerk des Herrn Schwab habe ich mit Vergnügen gelesen; doch glaube ich, dasselbe hätte noch belehrender gemacht werden können. Unter den Gedichten scheinen mir die beiden von Hohbach den Vorzug vor den meisten anderen zu verdienen, obschon ich hierin mir kein Urteil anmaße. Schade, dass in der Karte nicht alle Burgruinen angezeigt sind. Von Aurbachers Volksbüchlein erwarte ich viel Angenehmes und ich bin Ihnen für diese neue Bekanntschaft sehr dankbar. Mir ist unterdessen gar nichts Neues oder Altes eingegangen, als der Jahresbericht der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft, der wirklich sehr gehaltreich ist. Im Anfang der künftigen Woche werde ich mir das Vergnügen machen, Sie zu besuchen. Unterdessen wünsche ich Ihrem Rheumatismus auftauende Frühlingswitterung, damit er ein Vorbote für die baldige willkommene Abreise des Winters sei. Diakon Pupikofer. Bischofzell, den 23. Februar 1827. Noch darf ich nicht vergessen, Sie aufmerksam zu machen, dass in dem Wüstischen Katalog von Zürich unter Nr. 912 Murers Helvetia s., und Langs Abriß feilgeboten ist. Das erstere Werk ist auf f. 4; das letzere auf f. 1, 30 B angesetzt. Ist die Einsiedler Chronik auch etwas von Wert? Mein Manuskript von der Thurgauer Geschichte übergebe ich Ihnen zur gütigen Beurteilung. Es wird mich freuen, wenn Sie sich die Mühe geben wollen, dasselbe durchzugehen, und mir das fehlerhafte anzumerken. Was ich in der Geschichte tun kann, ist ohnehin, nur durch Ihre Gewogenheit aufgemuntert, zum Keim geworden und in Stengel und Laub aufgestiegen; durch Ihre fortgesetzte Pflege könnte wohl auch noch die Blüte und Frucht hervortreiben. In herzlicher Ergebenheit der Obige.
Translation
Highly Born Sir and Patron, Yesterday, I would have liked to pass a few words to you through your Miss Niece; however, despite the poor weather, it seems it was good enough for those who would make my time long. Regarding the payment of the three accounts you entrusted me to correct, there was a surplus of 10 kreuzers, which I enclose. Mr. Provisor Mörikofer writes that the printing press offered in Frauenfeld is a lithographic press; however, he believes he read the advertisement of an offered book printing press in the Schaffhausen newspaper. I do not possess the Thurgau or Schaffhausen paper to check, but I was under the same impression as you. I read Mr. Schwab's travel work with pleasure; however, I believe it could have been made more instructive. Among the poems, the two by Hohbach seem to me to deserve preference over most others, although I do not presume to judge in this matter. It's a pity that not all the castle ruins are indicated on the map. From Aurbacher's Volksbüchlein, I expect much pleasure, and I am very grateful to you for this new acquaintance. Meanwhile, nothing new or old has come to me, except the annual report of the Swiss Natural Research Society, which is really very substantial. At the beginning of the next week, I will take the pleasure of visiting you. In the meantime, I wish your rheumatism thawing spring weather, so that it may be a harbinger for the soon welcome departure of winter. Diakon Pupikofer. Bischofszell, February 23, 1827. I must not forget to draw your attention to the fact that in the Wüst catalog from Zurich, under No. 912, Murer's Helvetia s., and Lang's outline are offered for sale. The former work is priced at f. 4; the latter at f. 1, 30 B. Is the Einsiedler Chronicle also of value? I entrust my manuscript of the Thurgau history to your kind judgment. It will please me if you take the trouble to go through it and point out the errors. Whatever I can do in history has only become a germ and risen in stem and leaf, encouraged by your favor; with your continued care, perhaps the bloom and fruit could also be produced. In heartfelt devotion, the above.