Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Seiner Hochwohlgeboren dem Herrn Baron von
Laßberg zu Eppishausen
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Hochwohlgeborener Herr und Gönner!
Mit vielem Bedauern habe ich vernommen, daß
Sie wieder einen Fieberanfall gehabt haben; doch ist es gut, daß derselbe so
bald wieder nachgegeben hat; möge bald jede Spur davon verschwinden! Ihre
Bemerkungen über den Bären, den Ihnen das Monatsblatt📖 hat aufbinden wollen, sind von
der Art, daß sie ad populum male informatum et melius informandum gebracht
werden sollten. Wollen Sie nicht einen kleinen Aufsatz für die Redaktion
ausarbeiten, oder mir erlauben, derselben die berichtigenden Notizen
mitzutheilen? Wer schweigt, hat Unrecht, nach dem Urtheile des Publicums. Wenn
Herr Scheitlin übrigens
den Aufsatz gemacht hat, so durfte Er Ihnen wohl den Namen eines berühmten
Alterthumsforschers geben; es kommt viel darauf an, wer etwas sage. Auch würden
wohl hunderte sich gerne Alterthumsforscher und berühmt nennen lassen, die lange
nicht so viel als Sie für die Aufhellung des Alterthums gethan haben. Mit vielem
Danke sende ich Ihnen die 2 Bände
des Bucelin📖. Ich bemerkte, daß Sie bei der Genealogie der Herren von
Neuenburg
hinzuschrieben die Thumben und die Burg desselben Namens am
Untersee als ihr Stammhaus andeuteten. Nun finde ich bei Gerbert hist.
Nigrae Silvae p. 198📖 , dass dieses Neuenburg
1280 dem Ulrich von
Klingen
gehörte. Die Burg Neuenburg
in valle Rhenana
verkaufte Hugo Thumb
an die Herzoge von Österreich
1363. (Gerbert cod.
epistol. Rudolphi 1. p. 75.📖) - Auch die Zeichnungen des Maness. Codex stelle ich Ihnen dankbar zurück; wenn ich dieselben
nur nicht zu lange behielt! Sollte sich der turnirende Walter von
Klingen
nicht wohl als Zugabe zur Thurgauer Geschichte📖 schicklich finden? Ein
Holzschnitt, zum gross Oktav oder klein Quart
verjüngt, müfste nicht sehr kostbar sein. Gestern habe ich ein wenig Zahnschmerz
aus der Filiale Hauptwyl
heimgebracht; doch werde ich mich nur durch schlechte Witterung und
Verschlimmerung des Übels abhalten lassen, Sie morgen oder übermorgen zu sehen.
Die Weinfelder
Reise will ich
unterdessen verschieben.
Normalisierter Text
Seiner Hochwohlgeboren dem Herrn Baron von Laßberg zu Eppishausen. Hochwohlgeborener Herr und Gönner! Mit vielem Bedauern habe ich vernommen, dass Sie wieder einen Fieberanfall gehabt haben; doch ist es gut, dass derselbe so bald wieder nachgegeben hat; möge bald jede Spur davon verschwinden! Ihre Bemerkungen über den Bären, den Ihnen das Monatsblatt hat aufbinden wollen, sind von der Art, dass sie ad populum male informatum et melius informandum gebracht werden sollten. Wollen Sie nicht einen kleinen Aufsatz für die Redaktion ausarbeiten, oder mir erlauben, derselben die berichtigenden Notizen mitzuteilen? Wer schweigt, hat Unrecht, nach dem Urteil des Publikums. Wenn Herr Scheitlin übrigens den Aufsatz gemacht hat, so durfte er Ihnen wohl den Namen eines berühmten Altertumsforschers geben; es kommt viel darauf an, wer etwas sagt. Auch würden wohl hunderte sich gerne Altertumsforscher und berühmt nennen lassen, die lange nicht so viel wie Sie für die Aufhellung des Altertums getan haben. Mit vielem Dank sende ich Ihnen die 2 Bände des Bucelin. Ich bemerkte, dass Sie bei der Genealogie der Herren von Neuenburg hinzuschrieben die Thumben und die Burg desselben Namens am Untersee als ihr Stammhaus andeuteten. Nun finde ich bei Gerbert hist. Nigrae Silvae S. 198, dass dieses Neuenburg 1280 dem Ulrich von Klingen gehörte. Die Burg Neuenburg in valle Rhenana verkaufte Hugo Thumb an die Herzoge von Österreich 1363. (Gerbert cod. epistol. Rudolphi I. S. 75.) - Auch die Zeichnungen des Manuskript Codex stelle ich Ihnen dankbar zurück; wenn ich dieselben nur nicht zu lange behielt! Sollte sich der turnierende Walter von Klingen nicht wohl als Zugabe zur Thurgauer Geschichte schicklich finden? Ein Holzschnitt, zum großen Oktav oder kleinen Quart verjüngt, müsste nicht sehr kostbar sein. Gestern habe ich ein wenig Zahnschmerz aus der Filiale Hauptwyl heimgebracht; doch werde ich mich nur durch schlechte Witterung und Verschlimmerung des Übels abhalten lassen, Sie morgen oder übermorgen zu sehen. Die Weinfelder Reise will ich unterdessen verschieben. Mit herzlicher Ergebenheit und Hochachtung Ihr Diak. Pupikofer. Den 5. März 1827.
Translation
To His Highly Born Lord Baron von Laßberg at Eppishausen. Highly Born Sir and Patron, With much regret, I have heard that you have suffered another bout of fever; however, it is good that it has subsided so quickly. May every trace of it disappear soon! Your remarks about the bear, which the monthly magazine tried to impose on you, are of such a nature that they should be brought to the poorly informed public for better information. Would you like to draft a small article for the editorial office, or may I have your permission to share the corrective notes with them? Silence is taken as admission of guilt in the eyes of the public. If Mr. Scheitlin has indeed written the article, he could well attribute to you the name of a famous antiquarian; it matters a lot who says something. Hundreds would gladly be called antiquarians and famous, who have not done nearly as much as you have to elucidate antiquity. With many thanks, I am returning the 2 volumes of Bucelin. I noticed that in the genealogy of the Lords of Neuenburg, you added the Thumben and indicated their castle of the same name on Lake Untersee as their ancestral home. Now I find in Gerbert's Hist. Nigrae Silvae p. 198 that this Neuenburg belonged to Ulrich von Klingen in 1280. The castle Neuenburg in valle Rhenana was sold by Hugo Thumb to the Dukes of Austria in 1363. (Gerbert cod. epistol. Rudolphi I. p. 75.) I also gratefully return the drawings of the manuscript Codex; I hope I did not keep them for too long! Wouldn't the jousting Walter von Klingen fit well as an addition to the history of Thurgau? A woodcut, reduced to large octavo or small quarto size, should not be very expensive. Yesterday, I brought a little toothache from the Hauptwyl branch; however, I will only be deterred from seeing you tomorrow or the day after by bad weather and a worsening of the ailment. In the meantime, I will postpone the Weinfelden trip. With heartfelt devotion and respect, Your Diak. Pupikofer. March 5, 1827.