Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner Herr und Gönner! Gestern war ich schon im Begriffe, über den
Berg zu steigen, um zu sehen, wie es zu Tusculum stehe,
als der Wind ein Heer von Regenwolken daherführte, und mich daheim zu bleiben
nöthigte. Sollte es die ganze Woche so anhalten, so wäre es mir angenehm, wenn
Donnerstag Abend Ihr Wagen mich der Mühe, durch die Sümpfe des Waldes zu waten,
überhöbe; doch hoffe ich unterdessen bessere Witterung. Die Presse hat sich
gefunden. Wie Sie aus der Beilage sehen, ist Herr Pfr.
Liggenstorfer
im Besitze derselben. Nach einer heute erhaltenen Mahnung
wünscht er schnellen Entschluß, da Heldenagger
in Basel
dieselbe
auch wünschen. Ich werde ihm morgen schreiben, daß er bis nächsten Sonntag einer
bestimmten Antwort gewärtig sein könne. Herrlibergers Topographie mögen Sie
einige Wochen behalten; daß sie nicht besser conditionirt ist, habe nicht ich
verursacht. Für die vita
Caroli📖 meinen herzlichen Dank. In den letzten Tagen las ich u. a. das Chron. Weingartense📖 und Anonymi
Weingartensis de principibus Gwelfis📖 in Canisii
lectionib.📖 ad. a. 1601. T I. Ist der letztere nicht auch später noch
herausgegeben worden? Ich glaube fast, es bei Ihnen gesehen zu haben und bitte
Sie um die Mittheilung. Die Annales
Steronis📖 eben daselbst, sonst auch von Velser📖
herausgegeben, sind artig, geben aber für unsere Gegenden wenig Ausbeute. Noch
besser haben mir die Annales
Eberhardi de inferiori Altaich📖 zugesagt; man sieht es dem Verfasser überall
an, daß er, wie er im kurzen Vorworte sagt, iuxta Hismenium sibimet ipsi canens
geschrieben hat. Papste
Clemens
, der den Conradinus
so unglücklich machte, schreibt Stero📖
ad. a. 1265: „Dominus Guido quondam miles
uxoratus habens duas filias per uxorem postea factus episcopus Podiensis
eligitur in Romanum pontificem." Er scheint das Soldatenherz nicht ganz
ausgezogen zu haben! Derselbe Stero📖
berichtet, daß der Franziskaner Bertold
1250 durch seine Predigten berühmt worden sei und 1253 sich Mühe gegeben habe, den Herzog Otto von
Bayern
wenige Wochen vor seinem Tode zu mildern Gesinnungen gegen die
Kirche zu bewegen. Hinter Ihrem Buchenhain sind Sie vor dem Westwinde wohl
beschützt; aber mein Häuschen bläst er ganz durch, und er spottet des quos volo!
Wenn ich nicht ende, so bläset er mir auch noch die Gedanken durcheinander, und
dies darf nicht geschehen, da ich morgen predigen muß. Ganz der Ihrige Diac.
Pupikofer Den 13. März 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener Herr und Gönner! Gestern war ich schon im Begriff, über den Berg zu steigen, um zu sehen, wie es zu Tusculum steht, als der Wind eine Armee von Regenwolken herführte und mich dazu zwang, daheim zu bleiben. Wenn es die ganze Woche so bleibt, wäre es für mich angenehm, wenn Ihr Wagen mich am Donnerstagabend von der Mühe befreien könnte, durch die Sümpfe des Waldes zu waten. Doch hoffe ich, dass sich in der Zwischenzeit das Wetter bessert. Die Presse ist aufgetaucht. Wie Sie in der Beilage sehen können, besitzt Herr Pfarrer Liggenstorfer dieselbe. Nach einer heute erhaltenen Mahnung wünscht er eine schnelle Entscheidung, da Heldenagger in Basel dasselbe auch wünschen. Ich werde ihm morgen schreiben, dass er bis zum nächsten Sonntag auf eine bestimmte Antwort warten kann. Herrlibergers Topographie dürfen Sie einige Wochen behalten; dass sie nicht in besserem Zustand ist, habe nicht ich verursacht. Vielen herzlichen Dank für die vita Caroli. In den letzten Tagen habe ich unter anderem das Chron. Weingartense und Anonymi Weingartensis de principibus Gwelfis in Canisii lectionib. ad. a. 1601. T I gelesen. Ist letzteres nicht auch später noch herausgegeben worden? Ich glaube fast, es bei Ihnen gesehen zu haben und bitte um Mitteilung. Die Annales Steronis dort sind nett, liefern aber für unsere Gegenden wenig Ertrag. Noch besser haben mir die Annales Eberhardi de inferiori Altaich zugesagt; man sieht dem Verfasser überall an, dass er, wie er im kurzen Vorwort sagt, iuxta Hismenium sibimet ipsi canens geschrieben hat. Papst Clemens, der Conradinus so unglücklich gemacht hat, schreibt Stero ad. a. 1265: „Dominus Guido quondam miles uxoratus habens duas filias per uxorem postea factus episcopus Podiensis eligitur in Romanum pontificem." Er scheint das Soldatenherz nicht ganz abgelegt zu haben! Derselbe Stero berichtet, dass der Franziskaner Bertold 1250 durch seine Predigten berühmt geworden sei und 1253 sich Mühe gegeben habe, den Herzog Otto von Bayern wenige Wochen vor seinem Tod zu milderen Gesinnungen gegenüber der Kirche zu bewegen. Hinter Ihrem Buchenhain sind Sie vor dem Westwind gut geschützt; in meinem Häuschen bläst er jedoch ganz durch, und er spottet der "quos volo"! Wenn ich nicht aufhöre, bläst er mir auch noch meine Gedanken durcheinander, und das darf nicht geschehen, da ich morgen predigen muss. Ganz der Ihre Diakon Pupikofer Den 13. März 1827.
Translation
Highly Born Sir and Patron, Yesterday, I was about to climb over the hill to see how things stand in Tusculum when the wind brought an army of rain clouds, forcing me to stay at home. If it stays this way all week, it would be convenient for me if your carriage could spare me the trouble of wading through the swamps of the forest on Thursday evening. However, I hope the weather improves in the meantime. The press has surfaced. As you can see in the attachment, Mr. Pastor Liggenstorfer owns it. After a reminder received today, he desires a quick decision, as Heldenagger in Basel also wants the same. I will write to him tomorrow that he can wait until next Sunday for a definite answer. You may keep Herrliberger's Topography for a few weeks; its poor condition is not my doing. Many thanks for the vita Caroli. In recent days, I have read among other things the Chron. Weingartense and Anonymi Weingartensis de principibus Gwelfis in Canisii lectionib. ad. a. 1601. T I. Has the latter not also been published later? I almost believe I have seen it with you and ask for information. The Annales Steronis there are nice but yield little for our regions. I liked the Annales Eberhardi de inferiori Altaich even better; you can tell from the author that, as he says in the short preface, he wrote iuxta Hismenium sibimet ipsi canens. Pope Clement, who made Conradin so unfortunate, writes to Stero ad. a. 1265: "Dominus Guido quondam miles uxoratus habens duas filias per uxorem postea factus episcopus Podiensis eligitur in Romanum pontificem." He seems not to have completely shed the soldier's heart! The same Stero reports that the Franciscan Bertold became famous for his sermons in 1250 and in 1253 tried to persuade Duke Otto of Bavaria to more lenient attitudes towards the church a few weeks before his death. Behind your beech grove, you are well protected from the west wind; however, in my little house, it blows right through, and it mocks the "quos volo"! If I do not stop, it will also blow my thoughts away, and that must not happen, as I have to preach tomorrow. Entirely yours, Diakon Pupikofer. March 13, 1827.