Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner, geehrtester Herr und Gönner! Letzten Dienstag war es mir, weil
der Bote so spät kam, unmöglich, auf Ihre freundschaftliche Anfrage zu
antworten; denn die Schulexamen nahmen mich gerade in Anspruch. Mein Katarrh ist
soweit geheilt, daß die Heiserkeit sich verloren hat; aber der Husten ist
zurückgeblieben, und nachdem ich acht Tage lang auf die Heilkraft der Natur
gewartet hatte, mußte ich endlich meine Zuflucht zur Kunst nehmen. Wann ich in
Ihrer gastfreundlichen villa wieder einkehren könne, weiß ich nicht, wohl auch
der Arzt nicht. Die Zeit bringt Rosen, weiße und rothe, wie das Loos fällt, sagt
einer Ihrer Korrespondenten. Sehr vielen Dank für Ihre litterarischen
Mittheilungen! Die grammatischen Streitigkeiten haben mich sehr erlustigt. Aber
sollten unsere Klingenberger nicht vom Maine
her eingewandert sein? die Namen wenigstens finden sich bei den
unsrigen auch: Heinrich, Albert, Walter; doch die Johannes entsprechen nicht.
Das Chartarium
Dertonense habe ich noch nicht durchgehen können; nur einen Crivellarius
habe ich bei oberflächlichem Ueberblicke bemerkt; ich wollte lieber, es wäre ein
Crivellinensis. Ich wurde übrigens dadurch erinnert, die Ihnen letzthin gezeigte
Urkunde für Sie zu copiren und bitte Sie, sich
gelegentlich an dieselbe zu erinnern, wenn Ihnen vom Dietrich
abbas
, oder Henricus
sacerdos
oder dessen Vater Azzo
etwas vorkommen sollte. Im Constanzer
Catalog📖 (den ich noch einige Tage behalten will) wird der erste Band von
Kaspar Langs
Grundriß📖 angeboten; da das Zürch. Exemplar um das doppelte des Anschlags
wegging, und meine Preise nicht zureichten, werden Sie wohl dieses Bruchstück
nicht verschmähen, da der erste Band die Hauptsache enthält, der zweite hingegen
für uns ohne Werth, mit lauter dogmatischen Disputationen angefüllt ist, die Hottinger
zu widerlegen die Mühe genommen hat. Murers
Helvetia📖 s. stieg in Zürich
über das
Doppelte des Anschlags. Die künftige Woche sollte ich den Canisius📖
wieder zurücksenden; wollen Sie denselben länger behalten, so will ich in Zürich
Anzeige machen, damit keine Mahnung komme. Mit unveränderlicher
Hochachtung und Ergebenheit Ihr Diac. Pupikofer
. Bischofzell
, den
29. März 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener, geehrtester Herr und Gönner! Letzten Dienstag war es mir, weil der Bote so spät kam, unmöglich, auf Ihre freundschaftliche Anfrage zu antworten; denn die Schulexamen nahmen mich gerade in Anspruch. Mein Katarrh ist soweit geheilt, dass die Heiserkeit sich verloren hat; aber der Husten ist zurückgeblieben, und nachdem ich acht Tage lang auf die Heilkraft der Natur gewartet hatte, musste ich endlich meine Zuflucht zur Kunst nehmen. Wann ich in Ihrer gastfreundlichen Villa wieder einkehren könnte, weiß ich nicht, wohl auch der Arzt nicht. Die Zeit bringt Rosen, weiße und rote, wie das Los fällt, sagt einer Ihrer Korrespondenten. Sehr vielen Dank für Ihre literarischen Mitteilungen! Die grammatischen Streitigkeiten haben mich sehr erlustigt. Aber sollten unsere Klingenberger nicht vom Maine her eingewandert sein? Die Namen wenigstens finden sich bei den unseren auch: Heinrich, Albert, Walter; doch die Johannes entsprechen nicht. Das Chartarium Dertonense habe ich noch nicht durchgehen können; nur einen Crivellarius habe ich bei oberflächlichem Überblick bemerkt; ich wollte lieber, es wäre ein Crivellinensis. Ich wurde übrigens dadurch erinnert, die Ihnen letzthin gezeigte Urkunde für Sie zu kopieren und bitte Sie, sich gelegentlich an dieselbe zu erinnern, wenn Ihnen vom Dietrich abbas, oder Henricus sacerdos oder dessen Vater Azzo etwas vorkommen sollte. Im Constanzer Catalog (den ich noch einige Tage behalten will) wird der erste Band von Kaspar Langs Grundriss angeboten; da das Zürich. Exemplar um das doppelte des Anschlags wegging, und meine Preise nicht zureichten, werden Sie wohl dieses Bruchstück nicht verschmähen, da der erste Band die Hauptsache enthält, der zweite hingegen für uns ohne Wert, mit lauter dogmatischen Disputationen angefüllt ist, die Hottinger zu widerlegen die Mühe genommen hat. Murers Helvetia s. stieg in Zürich über das Doppelte des Anschlags. Die künftige Woche sollte ich den Canisius wieder zurücksenden; wollen Sie denselben länger behalten, so will ich in Zürich Anzeige machen, damit keine Mahnung komme. Mit unveränderlicher Hochachtung und Ergebenheit Ihr Diac. Pupikofer. Bischofzell, den 29. März 1827.