Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner, verehrtester Herr und Gönner! Ihre Theilnahme an meinem
Befinden freut mich gar sehr; das einzige unangenehme dabei wäre nur, wenn Sie
sich das Übel zu gefährlich vorstellten. Ich habe Ihnen vielleicht selbst dazu
Anlaß gegeben, da ich, sobald ein Frühlings-Catarrh mich befällt, mich an eine
vierteljährige Krankheit dieser Art im Jahr 1817 erinnere, und seit jener Zeit
selbst bald in Schrecken gerathe, wenn mir etwas auf der Brust fehlt.
Gegenwärtig bin ich beinahe ganz hergestellt, und nur die schlechte Witterung
hindert mich, über den Berg zu steigen und die fürchterliche Charwoche, in
welcher ich mehr Predigten halten muß, als Tage sind, und daher gar sehr vor
einem Rückfall mich in Acht zu nehmen habe. Was Sie mir vom Predigen sagen,
fühle ich wohl; allein was kann ich thun? Im Thurgau ist keine
Stelle, wo ich mein Brot leichter finden könnte als hier; auf einer auch kleinen
Landpfründe wäre der Dienst noch beschwerlicher. Die Stelle vom crecinger werde
ich Ihnen copiren; auch Schwab's
Bodensee binden lassen. Ich lege Ihnen das älteste Protokoll von Dießenhofen
bei; findet sich auch wenig ausgezeichnetes darin, so ist doch
ein kleiner Beitrag zur Erhellung des Dunkels nicht ohne Werth. Das Papier hat
nicht durchgehends das Manufactur-Zeichen. Ueber das Alter geben die gegen das
Ende eingeschriebenen Bürgerrechts-Verleihungen Auskunft. In Ihren
Bedenklichheiten über den Verfasser der historia
Caroli📖 würde ich ganz einstimmen, wenn es sich nicht aus § 3 des zweiten
Buches ergäbe, daß der Schreiber des Buches oft die eigensten Worte seines
Gewährsmannes anführt und es dadurch den Schein erhält, als spräche er von sich
selbst. Dort sagt er nämlich: In bello autem saxonico, cum per semetipsum
aliquando fuisset occupatus quidam privati homines, quorum etiam nomina
designarem, nisi notam arrogantiae devitarem etc. Ich glaube, hier spricht Adalbertus
, aus dessen Mund der Mönch die Erzählungen
aufschrieb. Für Ihre Bemerkungen zum ersten Abschnitt der Thurgauischen
Geschichte📖 bin ich Ihnen sehr verpflichtet; den zweiten Abschnitt habe ich
bald überarbeitet, und ich empfehle dieselben zum voraus Ihrer strengen Zucht.
Indem ich mich und die Meinigen Ihrem Wohlwollen bestens empfehle und mit Ihnen
sehnlich dem Frühling entgegensehe, habe ich die Ehre zu sein Ihr Ergebenster
Diac. Pupikofer
. Bischofzell
, den
3 April 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener, verehrtester Herr und Gönner! Ihre Teilnahme an meinem Befinden freut mich sehr. Das einzige Unangenehme dabei wäre nur, wenn Sie sich das Übel zu gefährlich vorstellten. Ich habe Ihnen vielleicht selbst dazu Anlass gegeben, da ich, sobald ein Frühlingskatarrh mich befällt, mich an eine vierteljährige Krankheit dieser Art im Jahr 1817 erinnere und seit jener Zeit selbst bald in Schrecken gerate, wenn mir etwas auf der Brust fehlt. Gegenwärtig bin ich beinahe ganz hergestellt und nur die schlechte Witterung hindert mich daran, über den Berg zu steigen und die furchtbare Charwoche, in welcher ich mehr Predigten halten muss, als Tage sind, zu überstehen. Daher muss ich mich vor einem Rückfall sehr in Acht nehmen. Was Sie mir vom Predigen sagen, fühle ich wohl; allerdings, was kann ich tun? Im Thurgau ist keine Stelle, wo ich mein Brot leichter finden könnte als hier; selbst auf einer kleinen Landpfründe wäre der Dienst noch beschwerlicher. Die Stelle vom Crecinger werde ich Ihnen kopieren; auch Schwabs Bodensee werde ich binden lassen. Ich lege Ihnen das älteste Protokoll von Diessenhofen bei; auch wenn sich wenig Ausgezeichnetes darin findet, ist es doch ein kleiner Beitrag zur Aufklärung des Dunkels und somit von Wert. Das Papier hat nicht durchgängig das Manufaktur-Zeichen. Über das Alter geben die gegen das Ende eingeschriebenen Bürgerrechtsverleihungen Auskunft. In Ihren Bedenken über den Verfasser der Historia Caroli würde ich ganz zustimmen, wenn es sich nicht aus § 3 des zweiten Buches ergäbe, dass der Schreiber des Buches oft die eigenen Worte seines Gewährsmannes anführt und es dadurch den Schein erhält, als spräche er von sich selbst. Dort sagt er nämlich: "In bello autem saxonico, cum per semetipsum aliquando fuisset occupatus quidam privati homines, quorum etiam nomina designarem, nisi notam arrogantiae devitarem etc." Ich glaube, hier spricht Adalbertus, aus dessen Mund der Mönch die Erzählungen aufschrieb. Für Ihre Bemerkungen zum ersten Abschnitt der Thurgauischen Geschichte bin ich Ihnen sehr verpflichtet; den zweiten Abschnitt habe ich bald überarbeitet, und ich empfehle dieselben vorab Ihrer strengen Zucht. Indem ich mich und die Meinigen Ihrem Wohlwollen bestens empfehle und mit Ihnen sehnsüchtig dem Frühling entgegensehe, habe ich die Ehre zu sein Ihr Ergebenster Diakon Pupikofer. Bischofzell, den 3. April 1827.