Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner geehrtester Herr! Was der Bote damit gemeint habe, als er am
Donnerstag in Ihrem Namen mich fragte, ob ich am Freitag bei Hause sei, ist mir
ganz unerklärlich, da meine Hoffnung, Sie gestern hier zu sehen, unerfüllt
geblieben ist. Sonst hätte ich mir vorgenommen, Freitag Nachmittags Ihnen meine
Aufwartung zu machen und Ihnen zu sagen, daß ich durch das Regenwetter
verhindert wurde, am Dienstag von Wengi nach der
Karthause Ittingen
zu wandern, und Mittwochs wieder zu Hause anlangte,
ohne etwas erbeutet zu haben. Künftigen Montag verreise ich wieder, um in Wengi
die Ehe meines Bruders
am Dienstag einzusegnen, und bei dieser Gelegenheit noch einen Versuch zu
machen, ob ich nicht endlich einmal durch die Clausuram virginum Cisterciensis
ordinis Claustralium in Tänikon
eindringen könne; denn ich hörte, daß der Abt von Wettingen
am 1.
May daselbst zur Einweihung der neuen Äbtissin
und zweier neuer
Nonnen
anlangen und sich einige Tage lang aufhalten und nach Gewohnheit die
Clausur öffnen werde. Die Tage der Feierlichkeit selbst habe ich genau nicht
erfahren können. Da Herr Landammann
Anderwerth
ohne Zweifel dem Feste beiwohnt, so könnte es Ihnen, im
Einverständnisse mit demselben, noch viel weniger fehlen, in die verschlossenen
Zimmer und Gänge zu gelangen und selbst gemahlte Scheiben zu kaufen, da mir der
Glaser von Ettenhausen
(dem
ich Ihre Adresse gegeben habe) erzählt hat, daß er schon oft gemahlte Scheiben im Kloster als alte Waare weggenommen und
nach Winterthur
verkauft habe, und man hiemit im Kloster keinen sehr hohen
Werth darauf legt. Die Batzen-Chronik📖 folgt hier auch wieder mit Dank zurück. Ich bitte sehr um
Verzeihung, daß ich dieselbe so lange behielt. Den übrigen, von Ihnen geliehenen Büchern, für deren Benutzung ich Ihnen
gleichfalls sehr verpflichtet bin, lege ich das neueste Heft der Helvetia📖
bei. Indem ich Ihrer fernern Gewogenheit mich und die Meinigen bestens empfehle,
habe ich die Ehre, zu sein Ihr Ergebenster Diac. Pupikofer
. Bischofzell
, den
28. April oder am Waltherstage 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener, geehrter Herr! Was der Bote damit gemeint hat, als er am Donnerstag in Ihrem Namen mich fragte, ob ich am Freitag zu Hause sei, ist mir ganz unerklärlich, da meine Hoffnung, Sie gestern hier zu sehen, unerfüllt geblieben ist. Sonst hätte ich mir vorgenommen, Freitagnachmittags Ihnen meine Aufwartung zu machen und Ihnen zu sagen, dass ich durch das Regenwetter verhindert wurde, am Dienstag von Wengi nach der Kartause Ittingen zu wandern, und Mittwochs wieder zu Hause angekommen bin, ohne etwas erbeutet zu haben. Nächsten Montag reise ich wieder ab, um in Wengi die Hochzeit meines Bruders am Dienstag einzusegnen, und bei dieser Gelegenheit noch einen Versuch zu machen, ob ich nicht endlich einmal durch die Klausur der Jungfrauen des Zisterzienserordens in Tánikon eindringen kann; denn ich habe gehört, dass der Abt von Wettingen am 1. Mai dort eintreffen und sich dort einige Tage lang aufhalten und wie üblich die Klausur öffnen wird, um die neue Äbtissin und zwei neue Nonnen einzusetzen. Die genauen Tage der Feierlichkeiten habe ich nicht herausfinden können. Da Herr Landammann Anderwerth ohne Zweifel dem Fest beiwohnt, so könnte es Ihnen, im Einverständnis mit ihm, noch viel weniger fehlen, in die verschlossenen Zimmer und Gänge zu gelangen und selbst gemalte Scheiben zu kaufen, da mir der Glaser von Ettenhausen (dem ich Ihre Adresse gegeben habe) erzählt hat, dass er schon oft gemalte Scheiben im Kloster als alte Ware mitgenommen und in Winterthur verkauft hat, und man im Kloster nicht sehr viel Wert darauf legt. Die Batzen-Chronik schicke ich Ihnen mit Dank zurück. Ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich sie so lange behalten habe. Die anderen von Ihnen ausgeliehenen Bücher, für deren Benutzung ich Ihnen ebenfalls sehr dankbar bin, lege ich das neueste Heft der Helvetia bei. Indem ich Ihnen und Ihren Lieben beste Grüße sende, habe ich die Ehre zu sein Ihr ergebenster Diakon Pupikofer. Bischofzell, den 28. April oder am Walpurgistag 1827.