Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)

Ex villa 3. Mey 1827. Als ich lezthin den Boten zu Inen sandte zu fragen: ob Sie zu hause seien? geschah es in der absicht, den folgenden tag freitags Sie zu besuchen: allein der Bote brachte mir keine antwort zurük und so vermuthete ich Sie abwesend. Freitag nachmittags fur ich nach WeinfeldenWIKIDATA Icon, wo ich die glasgemälde des h. Oberamtmanns RheinhartGND Icon sahe; sie verdienen keiner erwänung; denn was auch früher gutes mag daran gewesen sein, der liebe mann hat sie jämmerlich massakrirt und ware hieroglyphen daraus gemacht. Auch sah ich noch die unter dem namen Burg dort bekannte ruineWIKIDATA Icon; und möchte wol iren eigentümlichen namen wißen, welcher, wie es so heisst, außer der gränze des Weinfelder erinnerungs vermögens liegt. Recht gerne wäre ich Irer freundl. einladung zu folge, lezten montag zu den Sanctimonialibus nach DännikonWIKIDATA Icon gereiset: allein unerwarteter besuch von ConstanzWIKIDATA Icon nam nicht nur meine zeit, sondern auch mein pferde in beschlag. Gestern wollte ich dem BrunschwilerschenGND Icon Tentamen bei wohnen, da kam schon in aller frühe ein junger edelmann aus SchwabenWIKIDATA Icon zu mir angefaren, der mich de instituendo vitae genere consultiren wollte und bis abends blieb; Sie sehen also mein vererter Freund! daß nach dem epiktet. ausspruche, res quaedam in potestate nostra sunt, aliae non sunt und daß es nichts hilft vorsäze zu machen. Aus der auction haben wir nur wenige bücher bekommen und ich bin nicht mit meinen acquisitionen zufrieden. Soll ich Inen die Irigen durch den Boten senden? Der Bote wartet; vielleicht sehe ich Sie morgen? Raptim - wie die alten juristen sagten, Ir ergebenster J. v. LaßbergGND Icon. Haben Sie doch die güte, mir auf die zwei bodenseebücher weiße titel sezen zu laßen, es wird in einer minute geschehen sein.

Normalisierter Text

Exvilla, 3. Mai 1827. Als ich neulich den Boten zu Ihnen sandte, um zu fragen, ob Sie zu Hause sind, geschah es in der Absicht, Sie am folgenden Tag, Freitag, zu besuchen. Allein der Bote brachte mir keine Antwort zurück, und so vermutete ich, dass Sie abwesend sind. Freitagnachmittags fuhr ich nach Weinfelden, wo ich die Glasgemälde des Herrn Oberamtmanns Rheinhart sah. Sie verdienen keiner Erwähnung; denn was auch früher gut daran war, hat der liebe Mann jämmerlich massakriert und daraus Hieroglyphen gemacht. Auch sah ich noch die Ruine, die dort unter dem Namen Burg bekannt ist; und ich möchte gerne ihren eigentümlichen Namen wissen, der, wie es heißt, außerhalb der Erinnerungskraft von Weinfelden liegt. Sehr gerne wäre ich Ihrer freundlichen Einladung gefolgt und hätte letzten Montag die Sanctimonialibus in Dännikon besucht. Aber unerwarteter Besuch aus Konstanz beanspruchte nicht nur meine Zeit, sondern auch mein Pferd. Gestern wollte ich am Brunschwilerschen Tentamen teilnehmen, als schon frühmorgens ein junger Edelmann aus Schwaben zu mir kam, der mich über den Lebensstil konsultieren wollte und bis abends blieb. Sie sehen also, mein verehrter Freund, dass nach dem Ausspruch von Epiktet, "res quaedam in potestate nostra sunt, aliae non sunt" (Einige Dinge liegen in unserer Macht, andere nicht), und dass es nichts hilft, Vorsätze zu machen. Aus der Auktion haben wir nur wenige Bücher bekommen und ich bin mit meinen Akquisitionen nicht zufrieden. Soll ich Ihnen Ihre Bücher durch den Boten senden? Der Bote wartet; vielleicht sehe ich Sie morgen? Raptim, wie die alten Juristen sagten, Ihr ergebenster J. v. Laßberg Haben Sie doch die Güte, mir auf die zwei Bodenseebücher weiße Titel setzen zu lassen; es wird in einer Minute geschehen sein.