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Hochwohlgeborner Herr und Gönner! Die paar Tage, die sie für Ihre Abwesenheit
bestimmt hatten, sind zu Monaten geworden, und ich hatte bald eigentliches
Heimweh zu Ihnen. Dennoch kann ich so schnell nicht kommen, als ich wünschte.
Ein rheumatisches Uebel, das mir seit bald zwei Monaten im Körper, besonders in
der linken Seite des Kopfes herumzieht, und wogegen ich jetzt Ptisane schlucke,
hält mich bei Hause gefangen. An meinen gewöhnlichen Geschäften werde ich
indessen nur periodisch gehindert. Als Vorläufer meines auf den Anfang der
künftigen Woche verschobenen Besuchs sende ich einige Ihrer Bücher voraus. Bevor ich wußte, daß Sie zu Hause seien, wollte ich
dieselben nicht schicken, da ich mir die Möglichkeit dachte, unterdessen davon
Gebrauch machen zu können. Maßmanns
Aufsatz las ich recht gerne und danke Ihnen sehr dafür. Vor einigen Tagen habe
ich Lachmanns
Ausgabe Walthers von
der Vogelweide erhalten, einiges darin auch gelesen. Als Vorrath ist das
Ding recht brav, aber die neue Recension des Textes und die Auswahl der
Lesearten gefiel mir nicht ganz. Sie wissen wohl, wie wenig Gewicht mein Tadel
hat; ich spreche meinen Zweifel blos aus, um Sie um Belehrung zu bitten. Geijers Urgeschichte von Schweden ist Ihnen vielleicht auf der Reise
entgangen. Ich lese dieselben mit vielem Vergnügen und lege sie Ihnen bei. Der
Andeutungen auf altdeutsche Dichtung mangelt es darin nicht. Meine liebe
Frau
freut sich Ihrer Wiederkunft gar sehr. Wir beide empfehlen uns Ihrer
ferneren Gewogenheit. Diac. Pupikofer
. Bischofzell
den
4. August 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborner Herr und Gönner! Die paar Tage, die Sie für Ihre Abwesenheit bestimmt hatten, sind zu Monaten geworden, und ich hatte bald eigentliches Heimweh nach Ihnen. Dennoch kann ich so schnell nicht kommen, wie ich wünschte. Ein rheumatisches Uebel, das mir seit bald zwei Monaten im Körper, besonders in der linken Seite des Kopfes herumzieht, und wogegen ich jetzt Ptisane schlucke, hält mich bei Hause gefangen. An meinen gewöhnlichen Geschäften werde ich indessen nur periodisch gehindert. Als Vorläufer meines auf den Anfang der künftigen Woche verschobenen Besuchs sende ich einige Ihrer Bücher voraus. Bevor ich wusste, dass Sie zu Hause seien, wollte ich dieselben nicht schicken, da ich mir die Möglichkeit dachte, unterdessen davon Gebrauch machen zu können. Maßmanns Aufsatz las ich recht gerne und danke Ihnen sehr dafür. Vor einigen Tagen habe ich Lachmanns Ausgabe Walthers von der Vogelweide erhalten, einiges darin auch gelesen. Als Vorrat ist das Ding recht brav, aber die neue Rezension des Textes und die Auswahl der Lesearten gefiel mir nicht ganz. Sie wissen wohl, wie wenig Gewicht mein Tadel hat; ich spreche meinen Zweifel bloß aus, um Sie um Belehrung zu bitten. Geijers Urgeschichte von Schweden ist Ihnen vielleicht auf der Reise entgangen. Ich lese dieselben mit vielem Vergnügen und lege sie Ihnen bei. Der Andeutungen auf altdeutsche Dichtung mangelt es darin nicht. Meine liebe Frau freut sich Ihrer Wiederkunft gar sehr. Wir beide empfehlen uns Ihrer weiteren Gewogenheit. Diac. Pupikofer. Bischofzell den 4. August 1827.