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Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
Mit herzlichem Danke sende ich Ihnen den T. II und III der rerum Suevicarum zurück. Ich habe denselben mit Vergnügen durchgeblättert, und großen Theils, besonders
den 2. Band und den Anfang des dritten Bandes gelesen und dadurch manche dunkle Begriffe
aufgestellt. Hertensteins Abhandlungen haben mich vorzüglich angezogen. Es ist schon sehr lange, seit ich bei
Ihnen war; allein kaum waren meine Rheumatismen ein wenig aus den Zähnen gewichen,
so erkrankte meine gute Frau, so daß ich, nun noch überdies mit einem neuen Zögling
belästigt, bis über die Ohren in Geschäften stecke und manchmal, bald von den Kindern,
bald vom Amte, bald von der Schulmeisterei und Schriftstellerei, bald von allen zugleich
in Anspruch genommen, nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Indessen mit meiner Frau
geht es wieder besser, und dann wird wohl alles erträglichere Gestalt bekommen. Es
könnte sogar geschehen, daß ich diese Woche noch für einige Nachmittagsstunden zu
Ihnen käme. Die vom Buchbinder gefertigten Broschüren mit der Helvetia und der Abschrift
der Tobelschen AnniversarienBruchstücke werden Sie doch empfangen haben? Dem Suterschen
Catalog lasse ich einen andern folgen, in welchem einige interessante Stücke sind.
Ein sehr geschätzter Zürcherscher Lehrer, Herr Chorherr Bremi
, hat mir die Verbreitung dieses Catalogs sehr empfohlen, da der Wittwe des jüngst
verstorbenen Besitzers der Bibliothek eine Wohlthat dadurch erwiesen werde. Aber meiner
Bitte um die Tyrolischen Beiträge Hormayrs
haben Sie mir nicht entsprechen wollen, zu gerechter Strafe, daß ich Ihnen meine
Aufwartung so lange nicht mehr mache? Daß ich nicht konnte, that mir sehr leid; daß
Sie mich noch strafen, schmerzt mich doppelt. Tantaene in coelestibus irae! Doch Sie
werden gedacht haben, so lange die halbe Schatzkammer Schwabens
in meinen Händen sei, bedürfe ich der Tyrolischen kaum. Allerdings! Und jetzt kommen
bald die natales Redemtoris nostri und die heiligen Genealogien werden mir die profanen
Untersuchungen und Grübeleien schon aus dem Kopfe jagen. sic tempora labuntur. Neues
oder, was bei Ihnen gleichbedeutend ist, Altes habe ich durchaus nichts mehr aufgetrieben;
desto mehr wahrscheinlich Sie. Indem ich mich neugierig nach Ihren Relationen sehne,
verbleibe ich mit herzlicher Ergebenheit und Hochachtung
Ihr Diac. Pupikofer
.
Bischofzell
den 11. Dec. 1827.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
Mit herzlichem Dank sende ich Ihnen den T. II und III der rerum Suevicarum zurück. Ich habe denselben mit Vergnügen durchgeblättert, und großen Teils, besonders
den 2. Band und den Anfang des dritten Bandes gelesen und dadurch manche dunkle Begriffe
aufgestellt. Hertensteins Abhandlungen haben mich vorzüglich angezogen. Es ist schon sehr lange, seit ich bei
Ihnen war; allein kaum waren meine Rheumatismen ein wenig aus den Zähnen gewichen,
so erkrankte meine gute Frau, so dass ich, nun noch überdies mit einem neuen Zögling
belästigt, bis über die Ohren in Geschäften stecke und manchmal, bald von den Kindern,
bald vom Amt, bald von der Schulmeisterei und Schriftstellerei, bald von allen zugleich
in Anspruch genommen, nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Indessen mit meiner Frau
geht es wieder besser, und dann wird wohl alles erträglichere Gestalt bekommen. Es
könnte sogar geschehen, dass ich diese Woche noch für einige Nachmittagsstunden zu
Ihnen käme. Die vom Buchbinder gefertigten Broschüren mit der Helvetia und der Abschrift
der Tobelschen Anniversarien-Bruchstücke werden Sie doch empfangen haben? Dem Suterschen
Katalog lasse ich einen anderen folgen, in welchem einige interessante Stücke sind.
Ein sehr geschätzter Zürcher Lehrer, Herr Chorherr Bremi
, hat mir die Verbreitung dieses Katalogs sehr empfohlen, da der Witwe des jüngst
verstorbenen Besitzers der Bibliothek eine Wohltat dadurch erwiesen werde. Aber meiner
Bitte um die Tirolischen Beiträge Hormayrs
haben Sie mir nicht entsprechen wollen, zu gerechter Strafe, dass ich Ihnen meine
Aufwartung so lange nicht mehr mache? Dass ich nicht konnte, tat mir sehr leid; dass
Sie mich noch strafen, schmerzt mich doppelt. Tantane in coelestibus irae! Doch Sie
werden gedacht haben, so lange die halbe Schatzkammer Schwabens
in meinen Händen sei, bedürfe ich der Tirolischen kaum. Allerdings! Und jetzt kommen
bald die natales Redemtoris nostri und die heiligen Genealogien werden mir die profanen
Untersuchungen und Grübeleien schon aus dem Kopfe jagen. Sic tempora labuntur. Neues
oder, was bei Ihnen gleichbedeutend ist, Altes habe ich durchaus nichts mehr aufgetrieben;
desto mehr wahrscheinlich Sie. Indem ich mich neugierig nach Ihren Relationen sehne,
verbleibe ich mit herzlicher Ergebenheit und Hochachtung
Ihr Diakon Pupikofer
.
Bischofzell
den 11. Dez. 1827.