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Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
Wie gerne käme ich heute wieder zu Ihnen, um zu hören, was Sie in Irer französischen
Alexandreis aufgefunden haben, und nochmals die gaukelhaften Zeichnungen derselben
zu durchblättern: allein statt dieser Freude hält mich ein Rheumatismus so am Schmerze
gefesselt, daß ich nur seufzen, und kaum noch in einzelnen Zwischenstunden etwas lesen
und den Geist erfrischen kann. Wenn das ora pro nobis in der Litanei nur auch unser
einem Hülfe brächte! Ich sende Ihnen hier Hormayrs Schriften mit Dank zurück. Ich habe darin gefunden, was Müller
in den Tirolischen Beiträgen fand, nämlich die Stammtafeln der Rhätischen, Istrischen
und Thurgauischen Grafen; auch die Herleitung der Herren von Müllinen
oder Heceliscell
. Im dritten Bande las ich den Abschnitt über die Meranischen Helden und ihre Verherrlichung
im altdeutschen Gesange besonders gerne. In der zweiten Hälfte des dritten Bandes
fand ich indessen manches für die Geschichte des deutschen Gesanges merkwürdige von
Ihnen nicht angezeichnet z. B. p. 319 Wirnt von
Gravenberg; p. 407 und 454 Heinrich
von Sonnenberg als Vasall der gesangliebenden Meraner und vielleicht Vetter des Dichters;
p.397 die von Rotenburg
in ähnlichen Verhältnissen; p. 440. ff. Heinrich
und Albrecht
und Berthold von Nifen
; Soboto von Tanhausen
; collat. p. 255 not. Unser B. dictus Gast ist Zeuge, als 1266 die Brüder Friedrich
und Wilhelm von Toggenburg
, und Diethelm
und Friedrich
ihre Neffen, Söhne des Grafen Kraft
(des Dichters?) dem H. von Heitnau
, ihrem Vasallen gestatten, das Gut zu Allenwinden und im Haige, samt dem Hügel, worauf
er eine Burg gebaut hatte, an die Comthurei Tobel zu verkaufen. Andere Zeugen sind Eppo de Cecinkon
, C. de Schonowe
, Diethelm
de Windegge, Johanes de Deinberch
, frater hiltebr. de Woenstein
, Ulr. de Goldelinge
. Der Gast ist der letzte. Wollen Sie die Güte haben, mir einige folgende Bände Hormayrs
zu senden, so verrichten Sie meiner geängsteten Seele eine Wohlthat, die mehr erfrischt,
als alle remedia hypocratica. In der Hoffnung daß Sie und ich von unsern Uebeln befreit
bald wieder heiterer die Welt anschauen, bin ich
Ihr mit Liebe Ergebener Diac. Pupikofer.
Bischofzell
, den 17. Jan. 1828.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener Herr und Gönner!
Wie gerne käme ich heute wieder zu Ihnen, um zu hören, was Sie in Ihrer französischen
Alexandreis gefunden haben, und nochmals die gaukelhaften Zeichnungen derselben zu
durchblättern: allein statt dieser Freude hält mich ein Rheumatismus so am Schmerz
gefesselt, dass ich nur seufzen, und kaum noch in einzelnen Zwischenstunden etwas
lesen und den Geist erfrischen kann. Wenn das "ora pro nobis" in der Litanei nur auch
unserem eine Hilfe brächte! Ich sende Ihnen hier Hormayrs Schriften mit Dank zurück. Ich habe darin gefunden, was Müller
in den Tirolischen Beiträgen fand, nämlich die Stammtafeln der Rhätischen, Istrischen
und Thurgauischen Grafen; auch die Herleitung der Herren von Müllinen
oder Heceliscell
. Im dritten Bande las ich den Abschnitt über die Meranischen Helden und ihre Verherrlichung
im altdeutschen Gesange besonders gerne. In der zweiten Hälfte des dritten Bandes
fand ich indessen manches für die Geschichte des deutschen Gesanges merkwürdige von
Ihnen nicht angezeichnet z. B. p. 319 Wirnt von
Gravenberg; p. 407 und 454 Heinrich
von Sonnenberg als Vasall der gesangliebenden Meraner und vielleicht Vetter des Dichters;
p.397 die von Rotenburg
in ähnlichen Verhältnissen; p. 440. ff. Heinrich
und Albrecht
und Berthold von Nifen
; Soboto von Tanhausen
; collat. p. 255 not. Unser B. dictus Gast ist Zeuge, als 1266 die Brüder Friedrich
und Wilhelm von Toggenburg
, und Diethelm
und Friedrich
ihre Neffen, Söhne des Grafen Kraft
(des Dichters?) dem H. von Heitnau
, ihrem Vasallen gestatten, das Gut zu Allenwinden und im Haige, samt dem Hügel, worauf
er eine Burg gebaut hatte, an die Comthurei Tobel zu verkaufen. Andere Zeugen sind Eppo de Cecinkon
, C. de Schonowe
, Diethelm
de Windegge, Johanes de Deinberch
, frater hiltebr. de Woenstein
, Ulr. de Goldelinge
. Der Gast ist der letzte. Wollen Sie die Güte haben, mir einige folgende Bände Hormayrs
zu senden, so verrichten Sie meiner geängsteten Seele eine Wohltat, die mehr erfrischt,
als alle remedia hypocratica. In der Hoffnung, dass Sie und ich von unseren Übeln
befreit bald wieder heiterer die Welt anschauen, bin ich
Ihr mit Liebe Ergebener Diac. Pupikofer.
Bischofzell
, den 17. Jan. 1828.