Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
Ich hoffte immer, Ihnen diese Bücher selbst überbringen und dabei die Schlittbahn
benutzen zu können; denn wenn ich mich recht in einen Schlitten einpacken könnte,
glaubte ich für meine Rheumatismen nichts fürchten zu müssen. Jetzt aber ist kein
Schnee mehr gefallen, und mein Übel ist, ohne einen solchen Exceß gemacht zu haben,
obwohl in etwas schwächerem Grade zurückgekehrt. Ich bleibe daher zu Hause und thue
mit erzwungener Freiwilligkeit darauf Verzicht, Sie heimzusuchen. Und wie geht es
Ihnen so in der Einsamkeit. Ich höre, die Frau Doctor sei verreiset, und Fräulein Elise
noch in den Saturnalien begriffen; Sie also ganz verlassen! In Hormayrs
Archiv 1812 p. 449 scheint einige Aufklärung über eine Ottonische Münze zu sein,
die ich vor etwa einem Jahre bei Ihnen zu sehen das Vergnügen hatte. Ich kann mich
nicht erinnern, daß unter den vielen Schriften, die Sie darüber nachschlugen, diese
gewesen sei. Letzthin habe ich in den Copialien des hiesigen Archivs gefunden, daß
um 1330 Edle von Husen
hier verbürgert, und im Besitze eines Kornzehntens zu Sorendal
waren, die früher Herrn Ulrich von Mülinen
gehört hatte. Das Siegel zu sehen hatte ich noch nicht Gelegenheit, werde dieselbe
aber nächstens zu bekommen suchen. Um dieselbe Zeit ist Hans Zingenbar
einer der reichsten hiesigen Bürger. War Zinzibar
und Zingenbar
ursprünglich ein Ingwer- oder Spezereihändler oder ein nomen proprium? Das Geschlecht
Frauenlob habe ich nur bei dem Stadtschreiber um 1450 gefunden; er scheint nicht einheimisch
gewesen zu sein, wie denn überhaupt unsere Städtchen, Wyl
, Dießenhofen
, Bischofzell
meistens fremde Stadtschreiber und Schulmeister hatten. Wollen Sie mir gütigst mit
Ihrer Gelegenheit wieder eine Fortsetzung der Hormayrs
chen Werke zusenden, so werden Sie mich erfreuen. Die Diutiska hatte ich fast vergessen; sie hatte sich unter meine Papiere verschoben. Den Manlius
nehme ich mit, wenn ich einmal zu Ihnen zu kommen das Glück habe. Leben Sie wohl
und bleiben Sie gewogen
Ihrem Diac. Pupikofer
.
den 19. Febr. 1828.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener Herr und Gönner!
Ich hoffte immer, Ihnen diese Bücher selbst überbringen und dabei die Schlittbahn
benutzen zu können; denn wenn ich mich richtig in einen Schlitten einpacken könnte,
glaubte ich für meine Rheumatismen nichts zu fürchten. Jetzt aber ist kein Schnee
mehr gefallen, und mein Übel ist, ohne einen solchen Exzess gemacht zu haben, obwohl
in etwas schwächerem Grade zurückgekehrt. Ich bleibe daher zu Hause und tue mit erzwungener
Freiwilligkeit darauf Verzicht, Sie heimzusuchen. Und wie geht es Ihnen so in der
Einsamkeit. Ich höre, die Frau Doktor ist verreist, und Fräulein Elise noch in den Saturnalien begriffen; Sie also ganz verlassen! In Hormayrs
Archiv 1812 S. 449 scheint einige Aufklärung über eine ottonische Münze zu sein,
die ich vor etwa einem Jahr bei Ihnen zu sehen das Vergnügen hatte. Ich kann mich
nicht erinnern, dass unter den vielen Schriften, die Sie darüber nachschlugen, diese
gewesen sein soll. Letztens habe ich in den Kopien des hiesigen Archivs gefunden,
dass um 1330 ein Edelmann von Husen
hier Bürger geworden ist und im Besitz eines Kornzehnten zu Sorendal
war, die früher Herrn Ulrich von Mülinen
gehört hatte. Das Siegel zu sehen hatte ich noch nicht Gelegenheit, werde die gleiche
aber demnächst suchen. Um dieselbe Zeit war Hans Zinngreber
einer der reichsten hiesigen Bürger. War Zinngreber
und Zinngreber
ursprünglich ein Ingwer- oder Gewürzhändler oder ein Nomen proprium? Das Geschlecht
Frauenlob habe ich nur beim Stadtschreiber um 1450 gefunden; er scheint nicht einheimisch
gewesen zu sein, wie unsere Städtchen, Wyl
, Diessenhofen
, Bischofzell
meistens fremde Stadtschreiber und Schulmeister hatten. Wollen Sie mir bitte bei
Ihrer Gelegenheit wieder eine Fortsetzung der Hormayrs
chen Werke zusenden, so werden Sie mich erfreuen. Die Diutiska hatte ich fast vergessen; sie hatte sich unter meine Papiere verschoben. Den Manlius nehme ich mit, wenn ich das Glück habe, einmal zu Ihnen zu kommen. Leben Sie wohl
und bleiben Sie gewogen.
Ihrem Diakon Pupikofer
den 19. Februar 1828.