Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)

E.WIKIDATA Icon am 22. Hornung 1828. Wenn ich schon ganz allein bin; so bin ich doch um kein har einsamer, als ichs bei anwesenheit meiner gäste war; ja ich gewinne noch beträchtlich an zeit, welche ich den gesäzen der gastfreundschaft opfern musste: damit will ich nun eben nichts weniger behaupten, als daß mir jeder besuch von einem vernünftigen und verständigen manne nicht zu jeder stunde erfreulich, von einem freunde aber, eine ware woltat seie. Nun sind aber Sie mein wertester Freund! krank und ich nicht wol; damit können wir freilich einander nicht nahe kommen. Bei mir ist noch ein anderes übel (:für mich eines der größten:) eingetretten; daß nämlich meine rechte hand immer steifer wird und die abscheuliche schrift, die ich jezt schreibe, mich so anekelt, daß mir alles schreiben ganz entleidet. Ich danke Inen für die helvetia📖 und die Kellersche Karte - lezte gefällt mir nicht und das zurükkeren des H. KellersGND Icon zu perspectivischen vorstellungen der ortschaften wie sie vor 40 iaren mode war, wird niemandem gefallen, der die einzig ware idée von einer Landkarte hat, daß sie ein grundriß sein soll. Was die ottonische münze quaestionis betrift; so habe ich dieselbe in 3 meiner münzbücher gefunden und bin darüber ganz im klaren, daß sie von Otto I.GND Icon und italienischen schlages ist: darum danke ich Inen nicht weniger für die freundschaftl. gefälligkeit, hiebei an mich gedacht zu haben. Ich danke Inen auch für die nachricht über das Geschlecht v. HusenGND Icon. Sie wißen, daß ich eine gemalte Scheibe habe, mit dem wappen v. HusenGND Icon 1575, es intereßirt mich zu wissen, ob es mit dem an Irer urkunde übereinstimmt? Zingebär (:amomum zingiber hinc:) ist offenbar ein apellativer geschlechtsname wie Sie sagen von einem der mit ingwer gehandelt hat. Sie wißen, daß im Liedersal📖 ein Dichter Zwingewer oder ZingelberGND Icon vorkommt: MaßmannGND Icon sagt mir, der name heiße in einem wirzburger Codex Zwikower: ich mache noch ein ? hinzu. Nun mein Lieber! auch noch ein par worte von meinem franz: mscrpt. daß ich hofnung habe, vielleicht bald mein eigen nennen zu können. Es ist ein zwar bekanntes, aber ein höchst selten vorkommendes gedicht: Le Voen du paon📖 und besteht aus 3 abteilungen. I. le voen du paon. II. les mariages. III. le rester. Die beiden ersten teile sollen schon 100 jare früher gedichtet worden seien, iean brise barreGND Icon (:warscheinlich ein Brabanter:) nennt sich als den verf. delezten teiles. Die biographie universelle📖 Tom I. pag. 535 sagt er sei gegen das iar 1330 gestorben; dies verhindert nicht, daß unsere handschrift am ende des XIII. jarhunderts gefertigt worden ist. Übrigens ist das ganze gedicht eine art Alexandreis📖, und stellet das ritterliche Leben und die cours d’amour in frankreichWIKIDATA Icon im XIII. J:h: vor. Die Sprache darin nur selten warhaft poëtisch und erinnert an die leirey der damaligen zeit. Und nun genug für heute und für meine augen - ich sende Inen hiebei mein neuestes, eine strena des H. Prof. SchreibersGND Icon zu freiburgWIKIDATA Icon. darin sehen Sie woher ich kunde über die franz. handschrift bekam. Tu autem vale et fave LaßbergioGND Icon. Schiken Sie mir SchreibersGND Icon programm bald wieder, ich habe noch nicht geantwortet.

Normalisierter Text

E. am 22. Februar 1828 Wenn ich schon ganz allein bin, so bin ich doch um kein Haar einsamer, als ich es bei Anwesenheit meiner Gäste war; ja, ich gewinne noch beträchtlich an Zeit, welche ich den Gesätzen der Gastfreundschaft opfern musste: damit will ich nun eben nichts weniger behaupten, als dass mir jeder Besuch von einem vernünftigen und verständigen Mann nicht zu jeder Stunde erfreulich, von einem Freund aber, eine wahre Wohltat seie. Nun sind aber Sie, mein wertester Freund, krank und ich nicht wohl; damit können wir freilich einander nicht nahe kommen. Bei mir ist noch ein anderes Übel (für mich eines der größten) eingetreten; dass nämlich meine rechte Hand immer steifer wird und die abscheuliche Schrift, die ich jetzt schreibe, mich so anekelt, dass mir alles Schreiben ganz entleidet. Ich danke Ihnen für die Helvetia und die Kellersche Karte. Die letzte gefällt mir nicht und das Zurückeren des Herrn Kellers zu perspektivischen Vorstellungen der Ortschaften, wie sie vor 40 Jahren Mode war, wird niemandem gefallen, der die einzige wahre Idee von einer Landkarte hat, dass sie ein Grundriss sein soll. Was die ottonische Münze betrifft, so habe ich dieselbe in 3 meiner Münzbücher gefunden und bin darüber ganz im Klaren, dass sie von Otto I. und italienischen Schlages ist. Darum danke ich Ihnen nicht weniger für die freundschaftliche Gefälligkeit, hierbei an mich gedacht zu haben. Ich danke Ihnen auch für die Nachricht über das Geschlecht von Husen. Sie wissen, dass ich eine gemalte Scheibe habe mit dem Wappen von Husen von 1575. Es interessiert mich zu wissen, ob es mit dem in Ihrer Urkunde übereinstimmt? Zingebär (Amomum zingiber, hier in der Bedeutung von) ist offenbar ein appellativer Geschlechtsname, wie Sie sagen, von einem, der mit Ingwer gehandelt hat. Sie wissen, dass in Liedersal ein Dichter Zwingewer oder Zingelber vorkommt: Maßmann sagt mir, der Name heiße in einem Würzburger Kodex Zwikower: ich mache noch ein Fragezeichen hinzu. Nun, mein Lieber! Auch noch ein paar Worte von meinem französischen Manuskript, das ich Hoffnung habe, vielleicht bald mein Eigen nennen zu können. Es ist zwar bekannt, aber ein höchst selten vorkommendes Gedicht: Le Voeu du paon und besteht aus 3 Abteilungen. I. Le voeu du paon. II. Les mariages. III. Le rester. Die beiden ersten Teile sollen schon 100 Jahre früher gedichtet worden sein. Jean Brise Barre (wahrscheinlich ein Brabanter) nennt sich als den Verfasser des letzten Teiles. Die Biographie universelle Tom I, Seite 535 sagt, er sei gegen das Jahr 1330 gestorben; dies verhindert nicht, dass unsere Handschrift am Ende des 13. Jahrhunderts gefertigt worden ist. Übrigens ist das ganze Gedicht eine Art Alexandreis und stellt das ritterliche Leben und die cours d'amour in Frankreich im 13. Jh. vor. Die Sprache ist darin nur selten wahrhaft poetisch und erinnert an die Leier der damaligen Zeit. Und nun genug für heute und für meine Augen. Ich sende Ihnen hierbei mein Neuestes, eine Strena des Herrn Prof. Schreibers zu Freiburg. Darin sehen Sie, woher ich Kenntnis über die französische Handschrift bekam. Tu autem vale et fave Laßbergio. Schicken Sie mir Schreibers Programm bald wieder, ich habe noch nicht geantwortet.