Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Wenn mein angekündigter Besuch sich nicht bis heute verspätet hätte, wollte ich zu
Ihnen kommen: da ich nun dem Triebe meines Herzens nicht folgen kann, so soll wenigstens
ein Papierstreifchen mich bei Ihnen in Erinnerung bringen. Für Lambert, für die Frithiofsaga
und für Herrad
vielen Dank; Ihr Merk ist immer noch bei mir; Sie werden ihn aber wohl nicht gerade
brauchen; ich möchte etwas ausschreiben. Ich habe einige Seiten des codex probat. für die Thurgovia
zusammengeschrieben, und mich dabei entschlossen, auch die Dießenhofer Urkunden,
die ich Ihnen letzthin nicht als dazu gehörig vorwies, dazu zu nehmen; es sind derselben
zwar nur drei, eine von 1251, eine andere von 1258 und eine von 1260; aber die letztere
enthält ein Convolut von wieder vier Urkunden, unter welchen diejenige von 1178 die
Stiftungsurkunde von dem alten Grafen Hartmann
, einen nicht unwichtigen Beitrag zu Hüllmann
gibt. Vielleicht gebe ich auch noch Auszüge aus dem alten Dießenhoferschen Stadtbuch,
damit die Litteratoren Gelegenheit bekommen, uns zu sagen, wer der episcopus Cassalensis
sei. Wollen Sie mir durch Jean List
wissen lassen, ob Sie im Anfange der künftigen Woche noch zu Hause sind? Ich stehe
immer in Sorgen, Sie möchten einmal den Reißaus nehmen, ohne daß ich mich vorher bei
Ihnen verabschiedet hätte, und es liegt in meiner Sorge neben der Liebe zu Ihnen noch
etwas Eigennutz; ich möchte nämlich, damit ich bei Ihrer wahrscheinlich langen Abwesenheit
nicht hungern müsse, Ihre Bibliothek noch ein wenig in Anspruch nehmen. Kennen Sie
Bonstettens
Briefe an Matthisson
? Ich las dieselben sehr gerne und lege sie bei. Meine Frau und Kinder tragen mir
Grüße an Sie auf. Bleiben Sie gewogen
Ihrem Ergebensten Pupikofer
Bischofzell
, den 30. Mai 1828.
Normalisierter Text
Wenn mein angekündigter Besuch sich nicht bis heute verspätet hätte, wollte ich zu
Ihnen kommen: da ich nun dem Triebe meines Herzens nicht folgen kann, so soll wenigstens
ein Papierstreifchen mich bei Ihnen in Erinnerung bringen. Für Lambert, für die Frithiofsaga
und für Herrad
vielen Dank; Ihr Merk ist immer noch bei mir; Sie werden ihn aber wohl nicht gerade
brauchen; ich möchte etwas ausschreiben. Ich habe einige Seiten des Codex Probat für die Thurgovia
zusammengeschrieben, und mich dabei entschlossen, auch die Dießenhofer Urkunden,
die ich Ihnen letzthin nicht als dazu gehörig vorwies, dazu zu nehmen; es sind dieselben
zwar nur drei, eine von 1251, eine andere von 1258 und eine von 1260; aber die letztere
enthält ein Convolut von wieder vier Urkunden, unter welchen diejenige von 1178 die
Stiftungsurkunde von dem alten Grafen Hartmann
, einen nicht unwichtigen Beitrag zu Hüllmann
gibt. Vielleicht gebe ich auch noch Auszüge aus dem alten Dießenhoferschen Stadtbuch,
damit die Literatoren Gelegenheit bekommen, uns zu sagen, wer der Episcopus Cassalensis
sei. Wollen Sie mir durch Jean List
wissen lassen, ob Sie im Anfang der künftigen Woche noch zu Hause sind? Ich stehe
immer in Sorgen, Sie möchten einmal den Reißaus nehmen, ohne dass ich mich vorher
bei Ihnen verabschiedet hätte, und es liegt in meiner Sorge neben der Liebe zu Ihnen
noch etwas Eigennutz; ich möchte nämlich, damit ich bei Ihrer wahrscheinlich langen
Abwesenheit nicht hungern müsse, Ihre Bibliothek noch ein wenig in Anspruch nehmen.
Kennen Sie Bonstettens
Briefe an Matthisson
? Ich las dieselben sehr gerne und lege sie bei. Meine Frau und Kinder tragen mir
Grüße an Sie auf. Bleiben Sie gewogen
Ihrem Ergebensten Pupikofer
Bischofzell
, den 30. Mai 1828.