Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)

EppishausenWIKIDATA Icon am 30. Sept. 1828. Verertester Freund! Soeben erhalte ich die inliegende handschrift, welche, da sie offenbar noch ins XIV. iarhundert gehört, wol verdiente, noch in Irer urkundensammlung zum ersten teile der geschichte des Thurgaues📖 abgedrukt zu werden. Gerne würde Ich Inen die mühe des abschreibens erspart haben, wenn nicht die begierde, Inen die membrane so schnell als möglich zukommen zu laßen, es verhindert hätte. Es ist mir diese gewiss merkwürdige urkunde diesen morgen aus TübingenWIKIDATA Icon zugekommen. Gr v. MülinenGND Icon schrieb mir vor kurzem und bat mich, jm doch ein exemplar der gesch.: des Thurgaus📖, die noch immer nicht im buchhandel sei, zu verschaffen: Sie würden mich ser verbinden, wenn Sie die güte haben wollten, sogleich mit dem ersten abgehenden warenwagen, ein exemplar an den würdigen mann nach BernWIKIDATA Icon abzusenden, die adresse ist: An den Altschultheißen graven Friederich von MülinenGND Icon. Den betrag werde ich Inen mit dem besten danke erstatten. Ich wünsche daß Sie gestern wolbehalten von der gemeinnüzigen versammlung in MülheimWIKIDATA Icon zurükgekommen seien, und daß die diesmaligen verhandlungen etwas gehaltvoller möchten gewesen sein, als die lezten; dabei wünsche ich noch etwas, was ich aber nicht sage. Gr. v. MülinenGND Icon hat kürzlich von einem reisenden vernommen, daß zu WasserburgWIKIDATA Icon bei LindauWIKIDATA Icon derselbe bei dem dortigen pfarrer einen uralten codex altteutscher gedichte gesehen. Wie könnte man an diesen mann kommen? haben Sie keine bekannte in LindauWIKIDATA Icon, die den codex recognosciren könnten? Ich habe jezt keine ruhe mer bis ich weiß, wie es damit stehet? - aber warscheinlich ist es nichts damit; sonst wäre eine handschrift die man reisenden zeigt schon lange bekannt. WasserburgWIKIDATA Icon hatte ein ser altes schloß, gehörte einst den MontforternGND Icon und dann den FuggernGND Icon; es wäre also immer möglich, daß sich dort noch eine vergeßene alte handschrift erhalten hätte; ich würde aber eher auf eine handschrift von Lyrers fabelhaften geschichten raten, als auf gedichte. Heraus muß ich es kriegen was daran ist, und zwar diesen herbst noch. aus WienWIKIDATA Icon schreibt man daß die ruß: armée im BalkanWIKIDATA Icon den bittersten mangel leide, fürchterlichers als die erschöpfung von BulgarienWIKIDATA Icon soll man sich gar nichts denken können. Der ruß. General BenkendorfGND Icon, der früher gesandter in StuttgartWIKIDATA Icon war, starb auf der reise von SchiumlaWIKIDATA Icon nach SilistriaWIKIDATA Icon mer vor elend als an Krankheit. also giebts warscheinlich bald frieden und taußende sind abermal zwecklos hingeopfert. Es ist doch bequem ex alto litore diese Schifbrüche anzuschauen; aber sie tun einem darum nicht weniger leide. Als allzeit fertiger stammbaummacher, schikt mir der gute gr. v. MülinenGND Icon eine ganze genealogie der Herren v. RampachGND Icon; sie wollen von einem Peter v. RaperschwilGND Icon (:1232:) abstammen. Die belege dazu bleibt er aber wie gewönlich schuldig. Er hat auch einen HeinrichGND Icon: 1277 welcher also mit dem marschalken von RaperschwilWIKIDATA Icon bei Bodmer📖 gleichnamig wäre. Leben Sie wol und besuchen Sie bald wieder an den alten meister Seppe. Viele grüße an die Irigen von mir und meinen Luzerner gästen.

Normalisierter Text

Eppishausen am 30. Sept. 1828. Verehrtester Freund! Soeben erhalte ich die beiliegende Handschrift, welche, da sie offensichtlich noch ins 14. Jahrhundert gehört, wohl verdiente, noch in Ihrer Urkundensammlung zum ersten Teil der Geschichte des Thurgaus abgedruckt zu werden. Gerne hätte ich Ihnen die Mühe des Abschreibens erspart, wenn nicht die Begierde, Ihnen die Membrane so schnell wie möglich zukommen zu lassen, es verhindert hätte. Diese gewiss bemerkenswerte Urkunde ist mir heute Morgen aus Tübingen zugekommen. Graf v. Mülinen schrieb mir vor kurzem und bat mich, ihm doch ein Exemplar der Geschichte des Thurgaus, die noch immer nicht im Buchhandel ist, zu verschaffen. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten, sofort mit dem ersten Warenwagen, der abgeht, ein Exemplar an den würdigen Mann nach Bern zu senden. Die Adresse ist: An den Altschultheißen Grafen Friedrich von Múlinen. Den Betrag werde ich Ihnen mit dem besten Dank erstatten. Ich wünsche, dass Sie gestern wohlbehalten von der gemeinnützigen Versammlung in Mülheim zurückgekommen sind und dass die diesmaligen Verhandlungen etwas gehaltvoller gewesen sein mögen als die letzten. Dabei wünsche ich noch etwas, was ich aber nicht sage. Graf v. Múlinen hat kürzlich von einem Reisenden vernommen, dass in Wasserburg bei Lindau dieser bei dem dortigen Pfarrer einen uralten Codex altdeutscher Gedichte gesehen hat. Wie könnte man an diesen Mann kommen? Haben Sie keine Bekannte in Lindau, die den Codex untersuchen könnten? Ich habe jetzt keine Ruhe mehr, bis ich weiß, wie es damit steht. Aber wahrscheinlich ist es nichts damit; sonst wäre eine Handschrift, die man Reisenden zeigt, schon lange bekannt. Wasserburg hatte ein sehr altes Schloss, gehörte einst den Montfortern und dann den Fuggern. Es wäre also immer möglich, dass sich dort noch eine vergessene alte Handschrift erhalten hat. Ich würde aber eher auf eine Handschrift von Lyrers fabelhaften Geschichten raten als auf Gedichte. Herausbekommen muss ich, was daran ist, und zwar noch diesen Herbst. Aus Wien schreibt man, dass die russische Armee im Balkan den bittersten Mangel leidet, schlimmer als die Erschöpfung von Bulgarien. Der russische General Benkendorf, der früher Gesandter in Stuttgart war, starb auf der Reise von Schiumla nach Silistria eher vor Elend als an Krankheit. Also gibt es wahrscheinlich bald Frieden und tausende sind abermals zwecklos hingeopfert. Es ist doch bequem ex alto litore diese Schiffbrüche anzuschauen, aber sie tun einem darum nicht weniger leid. Als allzeit fertiger Stammbaummacher schickt mir der gute Graf v. Múlinen eine ganze Genealogie der Herren v. Rampach; sie sollen von einem Peter v. Raperschwil (1232) abstammen. Die Belege dazu bleibt er aber wie gewöhnlich schuldig. Er hat auch einen Heinrich (1277), welcher also mit dem Marschall von Raperschwil bei Bodmer gleichnamig wäre. Leben Sie wohl und besuchen Sie bald wieder den alten Meister Seppe. Viele Grüße an die Ihren von mir und meinen Luzerner Gästen.