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Mein verehrtester Herr und Gönner! Ungemein erfreut haben Sie mich durch Ihr gehaltvolles Schreiben und die so interessante Beilage. Wenn ich nicht durch dringende Ursachen zurückgehalten worden wäre, hätte ich gerne den Berg, der zwischen Ihnen und mir liegt, übersprungen, um Sie zu fragen, wie Sie doch, ohne von Hause zu gehen, überallher so viel merkwürdiges sich verschaffen können. Ihrem Zauberpfeifchen stehen Winde und Seen zu Diensten, wenn es darauf ankommt, Ihre alterthümlichen Sammlungen zu bereichern; aber freilich wissen die Diener Alrunas wohl, daß Sie der Liebling Ihrer Meisterin sind. Mit der Handschrift der Güttingischen Offnung, deren Alter ziemlich annähernde Merkmale gibt, verglichen, scheint mir die Ermatingische Offnung in das Ende des vierzehnten Jahrhunderts zu gehören. Es ist zu bedauern, daß das lezte Blatt mangelt; denn wahrscheinlich standen darauf noch Allotria, die für die Geschichte nicht ohne Interesse wären. Gerne würde ich von Ihrer Erlaubniß, die Ermatingische Offnung in meinen codex probationum einzureihen, Gebrauch machen; wenn die Chronologie es noch gestatten würde. Ich könnte zwar auch noch einen Anhang machen; allein da ich noch einige Urkunden weggelassen habe, um den Raum zu schonen und andere in WeinfeldenWIKIDATA Icon fand, so will ich lieber einen Nachtrag auf den zweiten Band aufsparen. In WasserburgWIKIDATA Icon habe ich keine unmittelbare Bekanntschaften; aber durch Herrn ForsterGND Icon in NonnenhornWIKIDATA Icon könnte ich vielleicht den Herrn Pfarrer bewegen, das Msc. zur Einsicht für einige Tage abzulassen. Wenn nicht die Abfassung des Thurg. Neujahrsblattes und die Vollendung der Thurg. Geschichte mich für die nächsten Wochen in Anspruch nähmen, könnte ich die Lust, selbst nach WasserburgWIKIDATA Icon zu reisen, nicht unterdrücken. Wenn das Ende des Oct. gut ist, so kann es um so eher geschehen, da es so zu sagen, Pflicht für mich ist, BregenzWIKIDATA Icon und LindauWIKIDATA Icon einmal zu sehen. Noch bin ich ein Fremdling daselbst. Wollen Sie nicht einen kleinen Spaziergang nach WylWIKIDATA Icon machen? Ein Herr GählingerGND Icon bietet daselbst gegen 80000 Kupferstiche aus allen Zeitaltern und Schulen der Kunst und eine bedeutende Zahl alter Bücher feil; auch Gemälde will er veräußern. Ich habe die Sammlung noch nie gesehen, und muß sie also beaugenscheinigen, sobald es sein kann. Wenn ich am Montag bei der Rückkehr aus dem Pastoral-Congreß, der in AltnauWIKIDATA Icon abgehalten wird, bei Ihnen ankehre, so werde ich Sie fragen, ob Sie am Dienstag, Donnerstag oder Freitag nicht die Entdeckungsreise mitmachen wollen. Auch nach WeinfeldenWIKIDATA Icon muß ich nochmals gehen, da ich wieder eine Spur von bisher verhaltenen Urkunden aufgefunden habe. An Herrn Grafen von MüllinenWIKIDATA Icon wird Morgen ein Exemplar der Thurg. Geschichte abgehen. Ich hätte gewünscht, die bereits gedruckten Urkunden mitsenden zu können; allein ich kann das einzige Exemplar, das ich habe, nicht entbehren. Herr MörikoferGND Icon hat mir den Entwurf seiner Beschreibung der Thurg. Burgen mitgetheilt, und ich soll ihm noch, vor der Ausarbeitung Noten dazu machen. Ich wünschte, er hätte jede Burggeschichte als ein ganzes dargestellt. Indem er alle Burggeschichten zusammen reiht, wird er zu historisch und so wollen die poetischen Momente nicht recht passen. Wollen nicht Sie KlingenbergWIKIDATA Icon bearbeiten? Der Stoff wäre sehr interessant, und durch Sie bearbeitet, müßte die Schilderung KlingenbergWIKIDATA Icons ein Muster für die Mitarbeiter werden. Ihnen und Ihren Luzerner Gästen empfehle ich meine Frau und mich zu geneigtem Andenken; möge es mir ge lingen, Sie bald wieder heimzusuchen! Die bei Ihnen verlebten Stunden sind für mich immer die genußvollsten. Wenn sich Gegenwart und Vergangenheit vereinen, so ist Freude ohne Furcht; Gegenwart und Zukunft im Bunde hingegen ist von Besorgniß unzertrennlich: Dies wohl der Grund, warum Geschichtsforscher gewöhnlich heiterer als die Propheten sind. Leben Sie wohl, wie es von Herzen wünscht Ihr Ergebenster DiacGND Icon. PupikoferGND Icon. BischofzellWIKIDATA Icon, den 4. Oct. 1828.

Normalisierter Text

Mein verehrtester Herr und Gönner! Ungemein erfreut haben Sie mich durch Ihr gehaltvolles Schreiben und die so interessante Beilage. Wenn ich nicht durch dringende Ursachen zurückgehalten worden wäre, hätte ich gerne den Berg, der zwischen Ihnen und mir liegt, übersprungen, um Sie zu fragen, wie Sie doch, ohne von Hause zu gehen, überallher so viel Merkwürdiges sich verschaffen können. Ihrem Zauberpfeifchen stehen Winde und Seen zu Diensten, wenn es darauf ankommt, Ihre altertümlichen Sammlungen zu bereichern; aber freilich wissen die Diener Alrunas wohl, dass Sie der Liebling Ihrer Meisterin sind. Mit der Handschrift der Güttingischen Offnung, deren Alter ziemlich annähernde Merkmale gibt, verglichen, scheint mir die Ermatingische Offnung in das Ende des vierzehnten Jahrhunderts zu gehören. Es ist zu bedauern, dass das letzte Blatt mangelt; denn wahrscheinlich standen darauf noch Allotria, die für die Geschichte nicht ohne Interesse wären. Gerne würde ich von Ihrer Erlaubnis, die Ermatingische Offnung in meinen Codex probationum einzureihen, Gebrauch machen; wenn die Chronologie es noch gestatten würde. Ich könnte zwar auch noch einen Anhang machen; allein da ich noch einige Urkunden weggelassen habe, um den Raum zu schonen und andere in WeinfeldenWIKIDATA Icon fand, so will ich lieber einen Nachtrag auf den zweiten Band aufsparen. In WasserburgWIKIDATA Icon habe ich keine unmittelbaren Bekanntschaften; aber durch Herrn ForsterGND Icon in NonnenhornWIKIDATA Icon könnte ich vielleicht den Herrn Pfarrer bewegen, das Manuskript zur Einsicht für einige Tage abzulassen. Wenn nicht die Abfassung des Thurg. Neujahrsblattes und die Vollendung der Thurg. Geschichte mich für die nächsten Wochen in Anspruch nehmen, könnte ich die Lust, selbst nach WasserburgWIKIDATA Icon zu reisen, nicht unterdrücken. Wenn das Ende des Oktobers gut ist, so kann es umso eher geschehen, da es sozusagen Pflicht für mich ist, BregenzWIKIDATA Icon und LindauWIKIDATA Icon einmal zu sehen. Noch bin ich ein Fremdling dort. Wollen Sie nicht einen kleinen Spaziergang nach WylWIKIDATA Icon machen? Ein Herr GählingerGND Icon bietet dort gegen 80.000 Kupferstiche aus allen Zeitaltern und Schulen der Kunst und eine bedeutende Zahl alter Bücher feil; auch Gemälde will er veräußern. Ich habe die Sammlung noch nie gesehen, und muss sie also begutachten, sobald es sein kann. Wenn ich am Montag bei der Rückkehr aus dem Pastoral-Congress, der in AltnauWIKIDATA Icon abgehalten wird, bei Ihnen vorbeikomme, so werde ich Sie fragen, ob Sie am Dienstag, Donnerstag oder Freitag nicht die Entdeckungsreise mitmachen wollen. Auch nach WeinfeldenWIKIDATA Icon muss ich nochmals gehen, da ich wieder eine Spur von bisher verhaltenen Urkunden aufgefunden habe. An Herrn Grafen von MüllinenWIKIDATA Icon wird morgen ein Exemplar der Thurg. Geschichte abgehen. Ich hätte gewünscht, die bereits gedruckten Urkunden mitsenden zu können; aber ich kann das einzige Exemplar, das ich habe, nicht entbehren. Herr MörikoferGND Icon hat mir den Entwurf seiner Beschreibung der Thurg. Burgen mitgeteilt, und ich soll ihm noch, vor der Ausarbeitung Noten dazu machen. Ich wünschte, er hätte jede Burggeschichte als ein Ganzes dargestellt. Indem er alle Burggeschichten zusammen reiht, wird er zu historisch und so wollen die poetischen Momente nicht recht passen. Wollen nicht Sie KlingenbergWIKIDATA Icon bearbeiten? Der Stoff wäre sehr interessant, und durch Sie bearbeitet, müsste die Schilderung KlingenbergWIKIDATA Icons ein Muster für die Mitarbeiter werden. Ihnen und Ihren Luzerner Gästen empfehle ich meine Frau und mich zu geneigtem Andenken; möge es mir gelingen, Sie bald wieder heimzusuchen! Die bei Ihnen verlebten Stunden sind für mich immer die genussvollsten. Wenn sich Gegenwart und Vergangenheit vereinen, so ist Freude ohne Furcht; Gegenwart und Zukunft im Bunde hingegen ist von Besorgnis unzertrennlich: Dies wohl der Grund, warum Geschichtsforscher gewöhnlich heiterer als die Propheten sind. Leben Sie wohl, wie es von Herzen wünscht Ihr Ergebenster Diac. PupikoferGND Icon. BischofzellWIKIDATA Icon, den 4. Oktober 1828.