Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)

Hochgeertester Herr! Ich sende Inen hier fürs Erste die bodmerische ausgabe der Pariser Hdschrft der Minnesänger📖; der Nauclerus📖 ist so schwer und groß, daß ich mich nicht getraue ihn mitzuschiken, und deshalb auf eine freie Gelegenheit warte. Sollten Sie bei lrem heurigen Neujarsblatt📖 (:über BischofszellWIKIDATA Icon:) irgend einen Gegenstand finden, bei welchem Sie vermuthen könnten daß ich im Stande wäre Auskunft zu geben; so stehe ich von ganzem Herzen zu Dienste Ob der Franziskaner BertholdGND Icon schon um das Jar 1255 in unsern Gegenden gepredigt hat? muß ich schon darum in Zweifel ziehen: weil Joh. VitoduranusGND Icon ausdrücklich sagt, daß er Leute gekannt habe, welche ihn predigen hörten. Indessen sind seine Predigten📖 als Teutsche mir allerdings höchst wichtig; weil sie in der Volkssprache gehalten worden sind. da BertoldGND Icon selbst sie: orationes rusticanas nannte, und ich neme mit dem verbindlichsten Danke den gütigen Antrag an, den Sie mir machen, mir solche ad statum legendi z. übermachen, wozu sich eben jetzt eine Gelegenheit darbietet. Haben Sie die Güte mir zu bemerken, wie bald ich sie zurüksenden soll? Ich habe in diesem Spätherbst eine Ausflucht in den HöwgauWIKIDATA Icon und einige Gegenden der DonauWIKIDATA Icon gemacht, wo mir einige intereßante Notizen über Minnesänger und selbst urkundliche darunter. zur Ausbeute geworden sind. Habe ich Inen den II. Band des Liedersaales📖 noch nicht überschickt, so kann ich es nun sobald nicht thun; denn von allen noch vorhandenen Exemplaren sind die 12 ersten Bogen verloren gegangen, und werden wol neu gedrukt werden müssen. Indessen glaube ich, daß Inen lieb sein könnte, die vorrede zu demselben zu kennen und lege sie daher bei. Dr. HofmannGND Icon in BreßlauWIKIDATA Icon gibt den Willeram, teutsche Uebersetzung und Auslegung des Hohen liedes auf Subscription neu heraus, das Exemplar kostet 18 Bazen. Archivar PerzGND Icon in HannoverWIKIDATA Icon hat den V. Band unseres Gesellschafts Archives herausgegeben, welcher seine auf Kosten der Gesellschaft unternommene Reise nach ItalienWIKIDATA Icon enthält und voll wichtiger Notizen ist. Ser viele Quellen hat er für die Geschichte der StaufenGND Icon entdekt, die dem bequemen (:ich möchte lieber sagen faulen:) H. v. RaumerGND Icon am Wege lagen und von ihm unbeachtet blieben. Wollen Sie jn lesen, so steht er jnen zu Dienste. Künftigen Samstag gehe ich auf einige Tage nach KonstanzWIKIDATA Icon, wenn Sie mir das Vergnügen Ires Besuches gönnen wollten; so würde es im Verlauf dieser Woche mir besonders angenem sein. Empfelen Sie mich dem H. Dekan DännikerGND Icon, dem ich für seine Notiz über Johannes DamascenusGND Icon vielmal danke. Mit vollkommener Hochachtung Dero ergebenster J. LaßbergGND Icon. EppishausenWIKIDATA Icon am 22. Nov. 1828

Normalisierter Text

Hochgeehrtester Herr! Ich sende Ihnen hier fürs Erste die bodmerische Ausgabe der Pariser Handschrift der Minnesänger; der Nauclerus ist so schwer und groß, dass ich mich nicht traue, ihn mitzuschicken, und deshalb auf eine freie Gelegenheit warte. Sollten Sie bei Ihrem heurigen Neujahrsblatt (:über Bischofszell:) irgend einen Gegenstand finden, bei dem Sie vermuten könnten, dass ich dazu Auskunft geben könnte; so stehe ich Ihnen von ganzem Herzen zu Diensten. Ob der Franziskaner Berthold schon um das Jahr 1255 in unseren Gegenden gepredigt hat? Muss ich schon deshalb in Zweifel ziehen; weil Johannes Vitoduranus ausdrücklich sagt, dass er Leute kannte, welche ihn predigen hörten. Indessen sind seine Predigten als Deutsche mir allerdings höchst wichtig; weil sie in der Volkssprache gehalten wurden. Da Berthold selbst sie "orationes rusticanas" nannte, nehme ich mit dem verbindlichsten Dank Ihren Vorschlag an, mir solche zum Lesen zu überlassen, wozu sich gerade jetzt eine Gelegenheit bietet. Haben Sie die Güte mir zu bemerken, wie bald ich sie zurückschicken soll? Ich habe in diesem Spätherbst einen Ausflug in den Hotzenwald und einige Gegenden der Donau gemacht, wo mir einige interessante Notizen über Minnesänger und selbst urkundliche darunter, zur Ausbeute geworden sind. Habe ich Ihnen den II. Band des Liedersaals noch nicht überschickt, so kann ich es nun erst einmal nicht tun; denn von allen noch vorhandenen Exemplaren sind die 12 ersten Bogen verloren gegangen, und werden wohl neu gedruckt werden müssen. Indessen glaube ich, dass es Ihnen lieb sein könnte, die Vorrede dazu zu kennen und lege sie daher bei. Dr. Hofmann in Breslau gibt den Willeram, deutsche Übersetzung und Auslegung des Hohen Liedes, auf Subscription neu heraus, das Exemplar kostet 18 Batzen. Archivar Perz in Hannover hat den V. Band unseres Gesellschafts Archives herausgegeben, welcher seine auf Kosten der Gesellschaft unternommene Reise nach Italien enthält und voll wichtiger Notizen ist. Sehr viele Quellen hat er für die Geschichte der Staufen entdeckt, die dem bequemen (:ich wollte lieber sagen: faulen :) Herrn von Raumer am Wege lagen und von ihm unbeachtet blieben. Wollen Sie ihn lesen, so steht er Ihnen zu Diensten. Nächsten Samstag gehe ich für einige Tage nach Konstanz, wenn Sie mir das Vergnügen Ihres Besuches gönnen wollten; so würde es im Verlauf dieser Woche für mich besonders angenehm sein. Empfehlen Sie mich dem Herrn Dekan Dänniker, dem ich für seine Notiz über Johannes Damascenus vielmals danke. Mit vollkommener Hochachtung Ihr ergebenster J. Laßberg Eppishausen am 22. Nov. 1828