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Eppishausen, am 14. April 1829. Hier mein verertester Freund! habe ich alles zusammen getragen, was ich bisher über das Geschlecht der Tanhuser habe aufsammeln können; es giebt wenig Aufschluß über d. Persönlichkeit des Dichters. Ir Tanhausen in Schwaben, was nun denen v. Stadion gehört, die es von Sinzendorf geerbt haben, könnte wol auch einmal dem Geschlechte des Sängers angehört haben, und dieses unter den Habsburgern in d. österreichschen Staaten gezogen sein; daß aber der Sänger bei dem Tode des lezten Babenbergers Friedrich des Streitbaren A. 1246 schon in Desterreich begütert ware, unterliegt wol keinem Zweifel. Ueber die Zerschiedenheit der Wappen könnte das Stadionsche Archiv zu Warthausen aus alten Siegeln vielleicht Auskunft geben und wenn sich das im Manes. Cod. abgebildete dort an einigen Urkunden fände; so müßte dies freilich für d. schwäb. Heimat des vielgereiseten Tanhusers entscheiden. Er scheint kein Freund Ottokars gewesen zu sein und mag wol nach der Einname des Landes von diesem verfolgt worden sein, wie auch Ulrich v. Liechtenstein begegnete. Ich bedaure daß ich Inen nicht mer mitteilen kann. Primisser in Wien wäre vielleicht über d. Geschlechter der österreich. Sänger besser unterrichtet als ich. Hr. Prof. v. der Hagen in Berlin, der immer nur zu schwimmen Lust bekömmt wenn im das Wasser in den Mund läuft; schrieb mir lezthin auf das dringendste um Abschriften aus dem Weingartner Codex; sie müssten aber alsobald gemacht werden; da sein Werk: die Minnesänger in 3 Quartbänden, schon in der Ostermesse sollte ausgegeben werden. Ich gestehe, daß ich diesem Manne von Hause aus eben nicht ser hold bin; aber um der guten Sache willen sezte ich mich in Gottes Namen hin u. schrieb im in kurzer Zeit 2510 Verse ab die ich im auch anfangs dieses Monats zugeschikt habe. Hr. Barth in Lpzg. welcher den Druck und Verlag dieses Werkes von v. der Hagen übernommen hat, schrieb mir, daß er von dem was bereits gedrukt ist, mir ein Exemplar durch Löflund und Son zugesendet habe. Wenn Sie einmal bei Löflund vorübergehen, so bitte ich jm zu sagen, er möchte mein Paket doch ungesäumt über Friederichshafen und Rorschach an mich nach Eppishausen spediren lassen. Ich bin ser begierig auf dies Werk; hege aber keine gar zu große Hofnungen davon; ich fürchte daß wieder eine Menge Flikwerk hineingeschiftet werden wird; denn Hagen spricht schon von einer reichlichen Nachlese im III. Bande. Ohe! - Aber eine Nachricht von einer kürzlich aufgefundenen handschriftl. Liedersammlung des XIV. Jarhunderts, welche auch Hagen mir mitteilte, wird Inen zu vernemen angenem sein. „ Eben lerne ich einen noch ganz unbekannten, und wie es „ scheint einzigen Codex kennen, welchen eine Augsburgerin Clara „ Hezlerin im XV. Sarh. geschrieben, welcher viele Erzählungen, „ Spruchgedichte und Lieder von Hermann von Sachsenheim,,, „ Suchenwirt, Freydank, Kaltenbach (? ) Jörg Schiller, Mönch „ von Salzburg, Suchs im Sinne, auch einen Nithart ( sein gefräß „ im alten Druk ) enthält; besonders aber gegen 100 Stüke sonst „ unbekannte Tage - Wächter - Liebes - Lieder 2c. welche zwar nicht „ mer in den eigentlichen Minnesang gehören, und auf die ich „ deshalb vergeblich Sagd machte, die aber einen willkommenen „ Uebergang von demselben zum spätern Volksliede bilden, dem „ XIV. I. H. noch angehören, und ser der Bekanntmachung,, wert sind. Abschriften stehen mir und also auch Inen zu gebote, „ gebieten Sie nur. 20. 2c. " Ich halte diesen Beitrag zu unserer Literatur des XIV. Jarhunderts für wichtig und allerdings der Bekanntmachung wert: allein, nie würde ich mich entschließen eine Abschrift herauszugeben, welche ich nicht selbst mit der Handschrift verglichen hätte. Es würde sich diese Handschrift ganz erwünscht zu den ersten III Bänden des Liedersaals fügen. Vorige Woche brachte mir ein Constanzer den schwäb. Merkur vom 1. April worin ich einen Trompeten Stoß, des H. Pf. I. fand, der mich auch namentlich mit betrift, und mir ser unangenem war; einmal weil alle Trompeter Stückchen überhaupt meiner Natur widerstreben, und ich nichts weniger liebe als in den Zeitungen herumzufaren, und dann, weil der Aussaz merere Unwarheiten enthält und also der Unternemung mer schaden als nüzen kann; endlich aber sichet das ganze, was wol nur von H. Pf. I. selbst herrüren kann, einer Art von compelle intrare änlich, die sich auf mich nie mit Erfolg anwenden läßt; weil mein ganzes Wesen sich sogleich gegen jeden Notzwang empört, und ich in solchen Fällen lieber gleich das Ganze zum Teufel schmeiße, als mich in einen Krieg um die Suprematie einlasse, welche der eingeborne Tod jedes gesellschaftl. Vereines ist. Auch halte ich für ser unverständig daß man den Namen eines Andern in irgend einem Geschäfte, one sein Wissen und Wollen druken lasse. Der höfliche Briefwechsel in welchem H. Pf. I. bisher mit mir gestanden, hätte mich berechtigen sollen zu erwarten, daß er mir seinen Aussaz für den schwäb. Merkur vor dem Druke mitteilen; oder doch wenigstens kund geben werde. Im ersten Falle wäre ich dann wenigstens im Stande gewesen, die chronologischen Schnizer welche er enthält, zu berichtigen. Nicht mer für heute lieber Freund! ich erwarte noch Fren Entschluß in betref der Berner Angelegenheit und kere indessen zu meinem episcopatus Constantiensis zurück. Viele herzliche Grüße an die Irige und Schwabs von Frem Tannhausen. Laßberg. Das Wappen der von Tannhausen findet sich unter den Bairischen Geschlechtern in dem sonst ser guten „ Erneuerten Wappenbuch, Nürnberg. Bei Paulus Fürst ". 1657. I. 86. Es stellet einen goldnen Greiffenfuß im blauen Felde vor, auf d. Helme eine goldne Greiffen Klaue, linksgekeret. In Rüxners Thurnierbuche findet sich das Wappen nicht. Wiguleius Hund in seinem „ bayerischen Stammenbuch “, welcher den Nüxner fleißig, doch meist one alle Critik, benuzt hat, füret nicht einmal den Namen des Geschlechtes an; woraus ich schließe, daß dasselbe erst später, nach Rüxner und Hund; also ungefär nach 1600 nach Baiern, vermutlich aus Tyrol oder Steyermark, gekommen seie. Prof. Sartorius in d. „ Burgvesten und Ritterschlössern der österreichischen Monarchie ". VI. 123. sagt vom Minnesänger Tannhauser, daß er wol dem Geschlechte der Freiherren von Thannhausenin Salzburg und Baiern angehöre und zwischen 1200 u. 1240 gelebt habe. Also zur Zeit Herzog Friederich des Streitbaren, an dessen Hofe er sich aufgehalten zu haben scheint. Die Güter Leopoldsdorf und Hinperg ( Hindberg ), welche Tannhauser, wie er in seinen Gedichten selbst sagt, besaß, lagen ganz nahe bei Wien, wo er einen Hof, curia, d. i. ein Haus mit einem ummauerten Hofraum hatte, sind warscheinlich Lehen von Herzg. Friederich d. Streitbaren, dem letzten Babenberger, gewesen und da er davon in der vergangenen Zeit spricht: Ze wiene hat ich einen hof Der lag so rehte schone Lupoldzdorf was dar zue min Daz lit bi luchse ( Lachsendorf ) nahen Ze hinperg hat ich schone gut. so fürchte ich, daß im diese Besizungen durch den nach Friederichs Tod eingedrungenen Kön. Ottokar von Böhmen, wie vielen andern Anhängern des Babenberg. Hauses geschahe, wieder genommen worden seien. Dükher in seiner „ Salzburg. Chronik ". Salzburg. 1666. füret das obengemeldete Wappen ( mit d. Greiffenfuß ) an und sagt, daß zu seiner Zeit die Graven von Tannhausen das Erbtruchsässenamt bei dem Erzstifte Salzburg haben. Loc. cit. pg. 4. Cyriac. Spangenberg im „ Adelsspiegel ". I. Cap. XXIII. „ vom Truchseß - Adel ". pg. 349. sagt folgendes: „ Auch die Bis- „ thümer: Als des Erzstifts Salzburg Truchsessen, waren etwan „ die von Albin, so anno 1561 abgestorben, jezt die Freyherren „ von Thanhausen. " Der Adelsspiegel ist gedruckt: 1591. Preuenhueber „ Annales Styrenses " hat über dies Geschlecht folgendes: 1537. Im Monat Dechr. ward auf Befel u. Anordnung Königs Ferdinandi ein großer Convent der fünf N. O. Lande zu Wien gehalten 2c. 2c. Dabei war unter andern auch: Franz v. Thannhausen, Hauptmann und Vizdom zu Friesach, Abgeordneter von dem Lande zu Kärnthen. Gabriel Bucelin in der „ Germania topo - chrono - stematographica " Part. II. pag. 20. sezet die von Tanhausen unter die Bairischen Adelsgeschlechter. 1452. obiit Guilielmus a Tannhausen abbas monasterii Urspergensis in Suevia. Bucelin. loc. cit. pg. 300. In dem Stammbaume der Graven Lobgott, Gotthilf und Chrgott von Kuefstein ( aus Desterreich ob der Ens ) bei Buzelin loc. cit. P. II. in genealog. pag. 191. finde ich: Balthassar d. Tanhausen und seine Gemalin Emerent. Tänzel de Trazberg, deren Sohn auch Balthassar de T. Euphrosine v. Apfenthal zu einer ehelichen Wirtin hatte, mit der er einen Son Conrad â T. zeugte, verheuratet mit Dorothea de Teuffenbach, deren Tochter Dorothea de T. den Freiherren Georg Hartmann von Stubenberg in Steyermark ehelichte. Idem, ibidem, hat pag. 232. in dem Stammbaume der Graven Palfi: eine Sydonia Maria Freyin von Thanhausen, welche die Gemalin des Fürsten Hans Ulrich von Eggenberg, und die Tochter des oben genannten Conrad Freiherrn v. Thanhausen und der Dorothea v. Teuffenbach war. Der schon oft angeführte Buzelin giebt uns endlich in der „ Germania " 2c. Part. II. genealogica pg. 307 den Stammbaum des Johann Antonius comes, den er familiae ultimum nennt, mit 32 Ahnen. Wir sehen daraus, daß die schon sepius memorata Dorothea de Teuffenbach irem Gemal Conrad v. Tannhausen einen Son Balthassar geboren hat, dem die Ursula von Holnek einen Son, den genannten Joh. Antonius schenkte, aus dessen unkräftigen Lenden kein fernerer Tannhausen hervorging. Das Wappen ist hier bei Buzelin mit einem andern, vermutlich angeheurateten, geviert, quadriert, ecartelé, dies stellt in einem der Länge nach geteilten, halb rot, halb weißen Felde, einen ausgerichteten Sparren vor, dessen eine Hälfte im weißen Felde schwarz und im roten Felde weiß ist. Warum in der kaum genannten Handschrift der Tanhuser auf dem Bilde das schwarze Kreuz des teutschen Ordens auf seinem Mantel führet, wird uns aus seinen Gedichten nicht klar; auf alle Fälle aber könnte es uns Ausschluß geben wie der Thannhuser ein weit und vielgereister Mann war, qui multorum hominum vidit mores et urbes. In fidem I. v. Laßberg.