Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Mein verehrtester Herr und Nachbar!
Daß Sie letzten Donnerstag noch zu guter Zeit unter ein gutes Dach gekommen seien,
will ich hoffen. Ungeachtet Ihrer schlimmen Weissagung gelang es auch mir, meine Hütte
zu erreichen, bevor die Schleussen des Himmels sich öffneten. Ich sende Ihnen hier
mit vielem Danke den Baselschen Ochs, der denn doch ein ganz respektabler Ochs ist, und sich um mich sehr verdient
gemacht hat. Wollen Sie mir noch die zwei letzten Glieder des theuern C
orpus senden, so wird mir das sehr lieb sein. Sie haben in Band I--IV fleißig angemerkt,
was auf die litterarischen Alterthümer Bezug hatte, und besonders auch den Marschällen
Thüring
Aufmerksamkeit geschenkt. Sie erlauben mir aber wohl, daß ich bezweifle, daß diese
Thüring
dem Geschlechte des Minnesängers angehört haben; denn die Basel
schen Marschall heißen ja nicht alle Thüring
, sondern wohl auch Günther
, z. B. III, 95. sowie überhaupt, der Name Thüring
in Basel
ein häufiger Taufname war. Bd. V, p. 155 u. 156 Note kommen hingegen neben den Müllenen,
Sürlin
und Meyer
auch Dürring
vor, die Edelknechte gewesen zu sein scheinen. Auch Leu
bemerkt, daß die Dürring
in Basel
Bürger waren. V, 47 ad a. 1310 lebte in Kleinbasel
ein C
. Türli
. -> Nomina imperativa: V, 57 Trittherfür
; p. 289 u. 752 Springinklee
; p. 623. Hebdenring
. Andere fand ich bei zufälliger Lektüre. Schaflützel wohnen im Toggenburg
, Halblützel
im Thurgau
. Auch Steigauf sind mir schon vorgekommen. Noch habe ich von Zürich
gar keine Nachricht. Sind Sie glücklicher als ich? Wenn Sie Ihre Bücher bekommen,
so werden Sie wohl die Reiselust vergessen und diese Woche in Eppishausen
zubringen. Herr Dalp
spricht mich um mein, wie er sagt, bei Ihnen viel vermögendes Vorwort ein. Ich weiß
nicht, wer ihm solche Dinge erzählt hat; doch jetzt fällt mir wirklich bei, daß Sie
mir noch keine Bitte abgeschlagen haben, und so möchte ich es wohl versuchen, meine
Bitte mit derjenigen des Herrn Dalp
zu vereinigen, daß Sie zu seinen Burgenbeschreibungen einen Beitrag leisten möchten.
Wählen Sie Klingenberg
, oder Steinach
, oder geradezu Eppishausen
selbst. Ihre einfache, humoristische Darstellungsweise hat in Ihren Vorreden so allgemein
angesprochen, daß man einer Burgbeschreibung von Ihrer Hand mit der größten Aufmerksamkeit
entgegen käme. Und wie würde Herr Schwab
sich freuen, Ihre Schilderung mit einem dichterischen Kränzchen zu bekrönen! Verfängt
auch meine Bitte nicht bei Ihnen, wollen Sie immer so grausam gegen Herrn Dalp
sein, und stürzt er sich dann einst in Verzweiflung über Ihre Härte und Unerbittlichkeit
in den Brunnen zu Selters
und Seidschütz
nun, SO wasche ich meine Hände in Unschuld, und bleibe dessen ungeachtet mit den
Gefühlen ehrfurchtsvoller Freundschaft
Ihr Ergebenster Diak. Pupikofer.
Bischofzell
, den 13. Juni 1829.
Normalisierter Text
Mein verehrtester Herr und Nachbar!
Dass Sie letzten Donnerstag noch zu guter Zeit unter ein gutes Dach gekommen sind,
will ich hoffen. Ungeachtet Ihrer schlimmen Weissagung gelang es auch mir, meine Hütte
zu erreichen, bevor die Schleusen des Himmels sich öffneten. Ich sende Ihnen hiermit
vielmals Dank den Baselschen Ochs, der denn doch ein ganz respektabler Ochs ist, und sich um mich sehr verdient
gemacht hat. Wollen Sie mir noch die zwei letzten Glieder des teuren C
orpus senden, so wird mir das sehr lieb sein. Sie haben in Band I bis IV fleißig angemerkt,
was auf die literarischen Altertümer Bezug hatte, und besonders auch den Marschall
Thüring
Aufmerksamkeit geschenkt. Sie erlauben mir aber wohl, dass ich bezweifle, dass dieser
Thüring
dem Geschlechte des Minnesängers angehört hat; denn die Basel
schen Marschälle heißen ja nicht alle Thüring
, sondern wohl auch Günther
, zum Beispiel III, 95. sowie überhaupt, der Name Thüring
in Basel
ein häufiger Taufname war. Bd. V, S. 155 und 156 Note kommen hingegen neben den Müllenen,
Sürlin
und Meyer
auch Dürring
vor, die Edelknechte gewesen zu sein scheinen. Auch Leu
bemerkt, dass die Dürring
in Basel
Bürger waren. V, 47 Anno 1310 lebte in Kleinbasel
ein C
. Türli
. -> Nomina imperativa: V, 57 Trittherfür
; S. 289 und 752 Springinklee
; S. 623. Hebdenring
. Andere fand ich bei zufälliger Lektüre. Schaflützel
wohnen im Toggenburg
, Halblützel
im Thurgau
. Auch Steigauf
sind mir schon vorgekommen. Noch habe ich von Zürich
gar keine Nachricht. Sind Sie glücklicher als ich? Wenn Sie Ihre Bücher bekommen,
so werden Sie wohl die Reiselust vergessen und diese Woche in Eppishausen
verbringen. Herr Dalp
spricht mich wegen meines, wie er sagt, bei Ihnen viel vermögendes Vorwort an. Ich
weiß nicht, wer ihm solche Dinge erzählt hat; doch jetzt fällt mir wirklich ein, dass
Sie mir noch keine Bitte abgeschlagen haben, und so möchte ich es wohl versuchen,
meine Bitte mit derjenigen des Herrn Dalp
zu vereinen, dass Sie zu seinen Burgenbeschreibungen einen Beitrag leisten möchten.
Wählen Sie Klingenberg
, oder Steinach
, oder direkt Eppishausen
selbst. Ihre einfache, humoristische Darstellungsweise hat in Ihren Vorreden so allgemein
angesprochen, dass man einer Burgbeschreibung von Ihrer Hand mit der größten Aufmerksamkeit
entgegenkäme. Und wie würde Herr Schwab
sich freuen, Ihre Schilderung mit einem dichterischen Kränzchen zu krönen! Verfängt
auch meine Bitte nicht bei Ihnen, wollen Sie immer so grausam gegen Herrn Dalp
sein, und stürzt er sich dann einst in Verzweiflung über Ihre Härte und Unerbittlichkeit
in den Brunnen zu Selters
und Seidschütz
nun, SO wasche ich meine Hände in Unschuld, und bleibe trotzdem mit den Gefühlen
ehrfurchtsvoller Freundschaft
Ihr Ergebenster Diak. Pupikofer.
Bischofzell
, den 13. Juni 1829.