Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)

E.WIKIDATA Icon am 14. Juny 1829. Ich bin lezthin mein lieber Freund und nachbar! noch so taliter qualiter unter mein Dach gekommen, von dem Jupiter pluvius zwar noch erreicht; aber nicht durchweicht, benezt aber nicht verlezt. Hier folgen die zwei lezten Ochsen, damit das achtgespan vollständig seie. Im lezten bande gefallt der herr obristzunftmeister mir nicht mer; das bestreben den schein eines parteimannes von sich zu entfernen ist zu sichtbar, als daß nicht eine der beabsichtigten entgegengesezte wirkung erfolgen sollte. R.J.P.! Was die ThuringerGND Icon und das von mir über sie abgeleitete betrift; so eignet sich dies, da wir einander so nahe wonen, besser zu einer mündlichen, als zu einer epistolischen controverse, indessen danke ich Inen für den wiederspruch, der wie ich hoffe, bei näherer verhandlung meine meinung nur noch mer bevestigen soll. Ich weiß wol daß DüringGND Icon nicht nur zu BaselWIKIDATA Icon, sondern an vielen orten in der SchweizWIKIDATA Icon, ja selbst im übrigen TeutschlandWIKIDATA Icon, ein häufig vorkommender tauf- und vor- name ist: aber wie viele duzend geschlechter haben wir nicht [:selbst ser alte:], deren namen apellative und taufnamen sind? Der BaslerWIKIDATA Icon Türli-TürlinGND Icon war aller warscheinlichkeit nach ein Elsässer, wo dieses geschlecht ursprünglich zu hause war. In KleinbaselWIKIDATA Icon sezten sich immer gern auswärtige Edelleute und bildeten eine art von opposition gegen die republicanischen großBasler. Ich danke Inen viel mal, daß auch Sie, wie mein vorausgegangener teurer IttnerusGND Icon sagte, nicht nur für sich; sondern auch für Ire freunde lesen; das heisset ja warhaft das beste mit einem teilen; ich werde es, wo ich immer kann zu erwiedern trachten. Das nobile Turegum, multarum copla rerum, will seine literar. schäze nicht von sich geben; auch ich habe noch nichts erhalten. vielleicht mit dem heutigen ArbonerWIKIDATA Icon botten. Ich wünschte, daß Sie bei mir wären; der augenblik des auspakens ist immer einer der genussreichen, es gehet mir dabei wie dem kürzlich verstorbenen Friedr. SchlegelGND Icon mit den speisen; zuerst verschlang er sie mit den augen, und dann erst mit dem munde. Daß mir die ankunft der bücher die reiselust vertreiben könnte glaube ich nicht; ich füle eine solche sensucht nach veränderung meiner lebensweise, daß ich warscheinlich einmal plötzlich mich selbst enfüren; oder wie man von d. pferden sagt, mit mir selbst durchgehen werde, und zwar bald; denn nach einem schreiben des alten biderben MülinenGND Icon dato 6 Junij könnten die franz. cod. von BernWIKIDATA Icon bald in der villa EponisWIKIDATA Icon anlangen, dann kommt UhlandGND Icon und dann bin ich glebae und menbranae adscriptus. H. v. MülinenGND Icon schreibt mir auch: daß prof. Rud. WyssGND Icon ser krank im Bade zu SchinznachWIKIDATA Icon liege und man ser für sein leben fürchte. Sie sehen aus allem diesem mein bester! daß ich mit dem besten willen, doch sobald nicht daran kommen kann, die wünsche des H. DalpGND Icon zu erfüllen. Mein neuer hausgenosse von WasserburgWIKIDATA Icon. Der episcopatus Constantiensis📖. Die franz. msspte. aus BernWIKIDATA Icon. UhlandsGND Icon hierherkunft und noch eine ganze Litaney alter literarschulden, multorum camelorum onus, wollen vorerst jr alteres recht haben; dann komme ich erst an H. DalpGND Icon; aber ich will und werde an in kommen, nur geduld! Von meiner erwerbung der cod. WasserburgWIKIDATA Icon, bin Ich dem publicum doch auch rechenschaft schuldig. Ich habe die literatur eingangs der II. abteilung des Wilhelm von OrlienzGND Icon, etwa 200 verse abgeschrieben und an UhlandGND Icon gesendet, von im sollen sie auch nach casselWIKIDATA Icon zu Jacob GrimmGND Icon, nach GöttingenWIKIDATA Icon zu BeneckeGND Icon und nach BerlinWIKIDATA Icon zu LachmannGND Icon wandern: wärend dem abschreiben gieng mir die poëtische ader auf, und ich wollte die sendung à la SchwabGND Icon mit einigen Reimen begleiten; gab es aber wieder auf; weil sie mir beim lesen nicht mer so gut gefielen wie beim hinschreiben. Dies war der anfang des impromtu: vil liebü hern vnd fründ min! ich send vch hie ein rennerlin, wann es soll rennen in dü lant durch das es vch wurd erkant, was ich vor kurzen stunden altes nüv hab funden. da by einen schönen grüßz das rennerlin vch bringen müßz von dem alten Lazzbergäre, der schon so manig märe gelesen vnd gefunden hat, vnd aber suchet frü und spat vnd dessen vast vnmüzzig ist, so lang im got sin leben fristt etc. etc. Auch den Conrad von FuozisbrunnenGND Icon will h. v. MülinenGND Icon schon gefunden haben. Er macht in zu einem herren von SignauGND Icon denen im XIII. iarhundert FüzisbadWIKIDATA Icon [:heutzutag SchwendlenbadWIKIDATA Icon in der pfarre wylWIKIDATA Icon bei BernWIKIDATA Icon:] angehörte und im XIV. durch Heurat an die Sennen von MünsingenGND Icon gelangte. Er möchte [:sagt er:] ein son eines Freiherrn Heinrich von SignauGND Icon gewesen sein, der 1200 lebte und dessen gemalin mechtildGND Icon in 2r ehe einen Ulrich von LangensteinGND Icon heiratete. Es gehet doch nichts über die allzeitfertigen genealogen! Ich erwarte Sie morgen bei guter vormittagszeit, um mir die bücher auspaken zu helfen, die heute kommen sollen. Adieu! und viele grüsse an Ire hausgenossen! Totus quantustuus LaßbergiusGND Icon. Soeben ist die bücherkiste angekommen, sie ist groß und wiegt über 12 Ztr. es giebt also allerley zu schauen, kommen Sie doch morgen; ich werde sie jnen in reihe und glieder aufmarschirt vorstellen die bücher, darf ich bitten den einschluss d. morgigen boten zu besorgen?

Normalisierter Text

E. am 14. Juni 1829. Ich bin letztens, mein lieber Freund und Nachbar, noch so taliter qualiter unter mein Dach gekommen, von dem Jupiter pluvius zwar noch erreicht; aber nicht durchweicht, benetzt aber nicht verletzt. Hier folgen die letzten Ochsen, damit das Achtgespann vollständig sei. Im letzten Band gefällt der Herr Obristzunftmeister mir nicht mehr; das Bestreben den Schein eines Parteimannes von sich zu entfernen ist zu sichtbar, als dass nicht eine der beabsichtigten entgegengesetzten Wirkung erfolgen sollte. R. J. P.! Was die Thüringer und das von mir über sie abgeleitete betrifft; so eignet sich dies, da wir einander so nah wohnen, besser zu einer mündlichen, als zu einer epistolischen Kontroverse, indessen danke ich Ihnen für den Widerspruch, der wie ich hoffe, bei näherer Verhandlung meine Meinung nur noch mehr befestigen soll. Ich weiß wohl, dass Thuring nicht nur zu Basel, sondern an vielen Orten in der Schweiz, ja selbst im übrigen Deutschland, ein häufig vorkommender Tauf- und Vorname ist: aber wie viele Dutzend Geschlechter haben wir nicht [selbst sehr alte:], deren Namen appellative und Taufnamen sind? Der Basler Türli-Türlin war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Elsässer, wo dieses Geschlecht ursprünglich zu Hause war. In Kleinbasel setzten sich immer gern auswärtige Edelleute und bildeten eine Art von Opposition gegen die republikanischen Großbasler. Ich danke Ihnen vielmals, dass auch Sie, wie mein vorausgegangener, teurer Ittnerus sagte, nicht nur für sich; sondern auch für Ihre Freunde lesen; das heißt ja warhaft das Beste mit einem teilen; ich werde es, wo ich immer kann, zu erwidern trachten. Das nobile Turegum, multarum copia rerum, will seine literar. Schätze nicht von sich geben: auch ich habe noch nichts erhalten. Vielleicht mit dem heutigen Arboner Boten. Ich wünschte, dass Sie bei mir wären; der Augenblick des Auspackens ist immer einer der genussreichen, es geht mir dabei wie dem kürzlich verstorbenen Friedrich Schlegel mit den Speisen; zuerst verschlang er sie mit den Augen, und dann erst mit dem Mund. Dass mir die Ankunft der Bücher die Reiselust vertreiben konnte, glaube ich nicht; ich fühle eine solche Sehnsucht nach Veränderung meiner Lebensweise, dass ich wahrscheinlich einmal plötzlich mich selbst entführen; oder wie man von den Pferden sagt, mit mir selbst durchgehen werde. Und zwar bald; denn nach einem Schreiben des alten Biber Mühlinen ddto 6. Juni konnten die französischen Codices von Bern bald in der Villa Eponis anlangen, dann kommt Uhland und dann bin ich glebae und membranae adscriptus. H. v. Mühlinen schreibt mir auch, dass Professor Rudolf Wyss sehr krank im Bade zu Schinznach liege und man sehr um sein Leben fürchte. Sie sehen aus all dem, mein Bester! dass ich mit dem besten Willen doch sobald nicht daran kommen kann, die Wünsche des H. Dalp zu erfüllen. Mein neuer Hausgenosse von Wasserburg. Der Episcopatus Constantiensis. Die französischen Msptn. aus Bern. Uhlands Herkunft und noch eine ganze Liste alter literarischer Schulden, multorum camelorum onus, wollen vorerst ihr älteres Recht haben; dann komme ich erst an H. Dalp; aber ich will und werde an ihn kommen, nur Geduld! Von meiner Erwerbung der Codices Wasserburg bin ich dem Publikum doch auch Rechenschaft schuldig. Ich habe die Literatur eingangs der II. Abteilung des "Wilhelm von Orléans", etwa 200 Verse, abgeschrieben und an Uhland gesendet, von ihm sollen sie auch nach Kassel zu Jacob Grimm, nach Göttingen zu Benecke und nach Berlin zu Lachmann wandern: während dem Abschreiben ging mir die poetische Ader auf, und ich wollte die Sendung à la Schwab mit einigen Reimen begleiten; gab es aber wieder auf; weil sie mir beim Lesen nicht mehr so gut gefielen wie beim Hinschreiben. Dies war der Anfang der Improvisation: Viel lieber Herrn und Freund mein! Ich send euch hier ein Hürlein, wann es soll rennen in das Land, durch das es euch wurde erkannt, was ich vor kurzen Stunden altes Neues hab gefunden. Dazu einen schönen Gruß, das Hürlein muss euch bringen nütz von dem alten Lazzbergare, der schon so manig Mär und gelesen und gefunden hat, und aber sucht früh und spät und dessen fast unmäßig ist, so lang ihm Gott sein Leben fristt etc. etc. Auch den Conrad von Füeßbrunnen will H. v. Mühlinen schon gefunden haben. Er macht ihn zu einem Herrn von Signau, denen im 13. Jahrhundert das Füeßbad [heutzutage Schwendlenbad in der Pfarre Wyl bei Bern] angehörte und im 14. durch Heirat an die Sennen von Münsingen gelangte. Er könnte [sagt er] ein Sohn eines Freiherrn Heinrich von Signau gewesen sein, der 1200 lebte und dessen Gemahlin Mechthild in zweiter Ehe einen Ulrich von Langenstein heiratete. Es geht doch nichts über die allzeitfertigen Genealogen! Ich erwarte Sie morgen bei guter Vormittagszeit, um mir die Bücher auszupacken zu helfen, die heute kommen sollen. Adieu! und viele Grüße an Ihre Hausgenossen! Totus quantus tuus Laßbergius. Soeben ist die Bücherkiste angekommen, sie ist groß und wiegt über 12 Zentner. Es gibt also allerlei zu schauen, kommen Sie doch morgen; ich werde sie Ihnen in Reihe und Glieder aufmarschiert vorstellen, die Bücher. Darf ich bitten, den Einschluss des morgigen Boten zu besorgen?