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Mein hochverehrter Herr und Gönner!
Der heilige Martin ist wahrscheinlich mit Ihnen oder mit mir unzufrieden; denn sonst hätte er nicht
so manches in den Weg gestellt, das mich zu seiner Ehre in der villa Epponis
ein Fest zu begehen hinderte. Daß er mir's nicht übel nimmt, wenn ich nicht zu ihm
bete, hoffe ich um so mehr, da so viele Tausende am Martin
stag, an ihre Zinsbeutel greifend, zu ihm seufzen: aber das, vermuthe ich, beleidigt
ihn, daß Chronologen sein Fest am ganz unrechten Tage begehen, nachdem uns doch sein
Freund Gregorius Turnonensis
durch das Beispiel der Genauigkeit vorangegangen ist. Da er nämlich im Jahre 400,
402 oder 404 gestorben ist, so war der Jahrestag im Kalender um drei Tage nur verrückt,
und so sollte sein Andenken am 13. November gefeiert werden. Auf diesen Tag wollte
ich nun wirklich zu Ihnen kommen: aber da war ja das schrecklichste Wetter, das man
sich denken mag. Nachdem ich also am 10. wegen Amtsgeschäften nicht kommen konnte,
und gestern der Witterung wegen: so folgere ich, daß der Heilige mir nicht gar gewogen
sei. Wir wollen sehen, wie es am Montag oder Dienstag gehe. Die Beilage kommt von
Herrn Pfarrer Kirchhofer
. Wahrscheinlich sendet er Ihnen wieder Dorfoffnungen. Sobald ich meine Thurgauische
Geschichte mit Urkunden ausgestattet habe, will ich auch die Mülheimische Offnung
copieren. Ich finde keinen Copisten, der die Schrift lesen könnte. Herr Dekan Däniker
hat die Weinsberger Weiber noch nicht zurück. Wenn sie nur nicht gar zu sehr abgenutzt
werden. Herr Dalp
schreibt, daß ich ihm doch ja eine Beschreibung der Steinachburg
senden soll; er bedürfe derselben noch zum zweiten Bande. Wollen nicht Sie das gute
Werk verrichten? Ich habe bei der eben vollendeten Thurg. Geschichte und dem Neujahrsblatte
meine Feder ganz müde geschrieben. Auch durch Berg und Wald und Sturm, Regen und Schnee
bin ich doch nicht gehindert, mich in Ihre blaue Stube oder in Ihr neues grün tapeziertes
Cabinetchen zu denken.
Dies thue ich, indem ich mich Ihren Hausgenossinnen und vor allem auch dem Meister
Sepp
zu Diensten empfehle als Dero litterarischen Schildknapp Pupikofer.
B'zell
, 14. Nov. 1829.
Insunt documenta visu dignissima.
Normalisierter Text
Mein hochverehrter Herr und Gönner!
Der heilige Martin ist wahrscheinlich mit Ihnen oder mit mir unzufrieden; denn sonst hätte er nicht
so manches in den Weg gestellt, das mich zu seiner Ehre in der Villa Epponis
ein Fest zu begehen hinderte. Dass er mir es nicht übel nimmt, wenn ich nicht zu
ihm bete, hoffe ich umso mehr, da so viele Tausende am Martin
stag, an ihre Zinsbeutel greifend, zu ihm seufzen: aber das, vermute ich, beleidigt
ihn, dass Chronologen sein Fest am ganz unrechten Tage begehen, nachdem uns doch sein
Freund Gregorius Turnonensis
durch das Beispiel der Genauigkeit vorangegangen ist. Da er nämlich im Jahre 400,
402 oder 404 gestorben ist, so war der Jahrestag im Kalender um drei Tage nur verrückt,
und so sollte sein Andenken am 13. November gefeiert werden. Auf diesen Tag wollte
ich nun wirklich zu Ihnen kommen: aber da war ja das schrecklichste Wetter, das man
sich denken mag. Nachdem ich also am 10. wegen Amtsgeschäften nicht kommen konnte,
und gestern der Witterung wegen: so folgere ich, dass der Heilige mir nicht gar gewogen
sei. Wir wollen sehen, wie es am Montag oder Dienstag geht. Die Beilage kommt von
Herrn Pfarrer Kirchhofer
. Wahrscheinlich sendet er Ihnen wieder Dorfoffenungen. Sobald ich meine Thurgauische
Geschichte mit Urkunden ausgestattet habe, will ich auch die Mülheimische Offnung
kopieren. Ich finde keinen Kopisten, der die Schrift lesen könnte. Herr Dekan Däniker
hat die Weinsberger Weiber noch nicht zurück. Wenn sie nur nicht gar zu sehr abgenutzt
werden. Herr Dalp
schreibt, dass ich ihm doch bitte eine Beschreibung der Steinachburg
senden soll; er benötigt sie noch für den zweiten Band. Wollen nicht Sie das gute
Werk verrichten? Ich habe bei der gerade vollendeten Thurg. Geschichte und dem Neujahrsblatt
meine Feder ganz müde geschrieben. Auch durch Berg und Wald und Sturm, Regen und Schnee
bin ich doch nicht gehindert, mich in Ihre blaue Stube oder in Ihr neues grün tapeziertes
Kabinettchen zu denken.
Dies tue ich, indem ich mich Ihren Hausgenossinnen und vor allem auch dem Meister
Sepp
zu Diensten empfehle als Dero literarischen Schildknappen Pupikofer.
Bützell
, 14. Nov. 1829.
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