Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)
Eppish. am 24. Nov. 1829. Mit vielem herzlichem danke, senden ich Inen
vererter Freund die urkunden wieder zurük, deren Inhalt
mir ser merkwürdig war, besonders auch die von 1175 des bischofes
berthold
, den einige für einen herren von Bußnang
, andere
für einen von Küsnacht
halten;
der diaconus de
annwilare
war doch wol von unserm Annwil
? - an der
urk. des abtes Albr. v.
Ramstein
, war mir das Siegel der Vögte von Stekeboron
ser
lieb zu sehen; aber, welches war denn der eigentliche geschlechtsname dieser
vögte? - das wappen ist dem der von Heydek
ganz änlich;
es möchten also diese vögte wol aus (lezterem) hause gewesen sein, auffallend
war mir daß heinr. v.
Klingenberg
ao. 1295 sich nicht verweser der Reichenau
nennet,
wie er doch sonst tut, der Ulr. de
Bodemen
in dieser charte ist wol derselbe der Arbon
verkauffen
half, der Berth. de
castello
irret mich ser; aber ich glaube doch nicht, daß die jezigen schenken von Castell
von jm abstammen, Den abbas
Crivcelinensis
heisse ich in unserer nähe willkommen, der gute Ulr. v. Richenbach
in seiner conciliums
gesch:📖 hatte mich irre gefürt und glauben gemacht, daß erst ano: 1414 pabst Joh XXII
. dem abt Joh.
wild zu Kreuzlingen
die infel aufgesezt und dies kloster zuvor nur eine probstei
war; ich konnte also auf keinen abt von Kreuzlingen
verfallen; doch hatte ich in meinem exemp. der
Thurgauer gesch:📖 mit bleistift geschrieben crucelin? Mit eben so viel
begirde als freude sehe ich einer weiter ausbeute entgegen, welche ich mir dann
auch mitzutheilen bitte; da nun ein mal der schacht dieser reichen fundgrube
geöffnet ist, darf man sich noch manches intereßante erwarten. Aus dem geschlechte v. Schönenberg
kenne ich keinen sänger, aber ser lieb wäre mir
gewesen das siegel dieses Friedrichs v.
S.
an der urkunde um zu wissen, ob Stumpf
inen das rechte wappen gab, das sich so ser von allen mir vorgekommenen schweiz.
wappen unterscheidet. Ob Lütelahusen
= Luterahusen
seie? ist mir zwar ganz warscheinlich; aber noch nicht
erwiesen; denn ich kenne ein gleichnamiges nicht weit von Markdorf
in pago
Linzgowe
; auch ist zwischen lütel- und luter ein wesentlicher unterschied.
Die drei zierraten im abschnitte des siegels heinr. v.
Klingenberg
, haben offenbar keine beziehung auf irgend ein wappen. In dem
Zürcher
archive müßen sich noch genug urkunden mit seinem wappen finden,
da er von 1262 bis zu seinem tode 1286 probst daselbst war. wir sehen nun daß
unser Regierungsarchiv doch nicht so arm an urkunden ist, um so mer lonet es
sich einer durchforschung mit musse und in guter jareszeit. hoffentlich lassen
Sie die 3 neu aufgefundenen urkunden jrem cod. diplom.
der Thurgauer gesch.📖 beidruken; es sollte mich freuen, wenn Sie auch
einiges aus meinem chartulario hiezu brauchen könnten.
Ich finde das stille kalte wetter recht ser geeignet zum stubensizzen und
arbeiten und habe wie ich glaube, schon vollkommen den winterbalg angezogen wie
die füchse und werde auch so in meinem baue liegen bleiben. Von grimms rechts
altertümern sende ich Inen den I. bd. für H.
Mörikofer
; den zweiten, zu welchem ich wirklich anmerkungen mache, die ich
Jacob
Grimm
noch vor neujar senden möchte, bekommt H.
Mörikofer
, wann er mir den I. zurücktschikt. Und nun? kommen sie auch
wieder in die Villa, ich hoffe doch noch vor ende des monates einen besuch. Das
lezte mal waren sie auch gar so brav und sind beinahe einen ganzen tag bei mir
geblieben, ungerechnet die nacht. Viele grüße an Sie und die Irigen von mir und
meinen gästen. Dem herzog
Ariouestus
empfehle ich mich in sein frommes gebet. Tu autem vale et fave
Laßbergio
.
Normalisierter Text
Eppish, am 24. Nov. 1829. Mit viel herzlichem Dank senden ich Ihnen verehrter Freund die Urkunden wieder zurück, deren Inhalt mir sehr merkwürdig war, besonders auch die von 1175 des Bischofes Berthold, den einige für einen Herrn von Bußnang, andere für einen von Küsnacht halten; der Diakonus de Annwilare war doch wohl von unserem Annwil? An der Urkunde des Abtes Albr. v. Ramstein war mir das Siegel der Vögte von Steckborn sehr lieb zu sehen; aber, welches war denn der eigentliche Geschlechtsname dieser Vögte? Das Wappen ist dem der von Heydek ganz ähnlich; es möchten also diese Vögte wohl aus (letzterem) Hause gewesen sein. Auffallend war mir, dass Heinr. v. Klingenberg ao. 1295 sich nicht Verweser der Reichenau nennt, wie er doch sonst tut. Der Ulr. de Bodemen in dieser Charte ist wohl derselbe, der Arbon verkauft hat. Der Berth. de Castello irret mich sehr; aber ich glaube doch nicht, dass die jetzigen Schenken von Castell von ihm abstammen. Den Abt Crivcelinenfis heiße ich in unserer Nähe willkommen. Der gute Ulr. v. Richenbach in seiner Conciliums-Geschichte hatte mich irre geführt und glauben gemacht, dass erst anno 1414 Papst Joh XXII. dem Abt Joh. Wild zu Kreuzlingen die Insel aufgesetzt hat und dieses Kloster zuvor nur eine Propstei war; ich konnte also auf keinen Abt von Kreuzlingen verfallen; doch hatte ich in meinem Exemplar der Thurgauer Geschichte mit Bleistift geschrieben crvcelin? Mit ebenso viel Begierde wie Freude sehe ich einer weiteren Ausbeute entgegen, welche ich mir dann auch mitzuteilen bitte; denn nun einmal ist der Schacht dieser reichen Fundgrube geöffnet, man darf sich noch manches Interessante erwarten. Aus dem Geschlechte v. Schönberg kenne ich keinen Sänger, aber sehr lieb wäre mir gewesen, das Siegel dieses Friedrichs v. S. an der Urkunde zu sehen, um zu wissen, ob Stumpf ihm das richtige Wappen gab, das sich so sehr von allen mir vorgekommenen Schweizer Wappen unterscheidet. Ob Lýtelahusen Luterahusen sei? ist mir zwar ganz wahrscheinlich, aber noch nicht erwiesen; denn ich kenne ein gleichnamiges nicht weit von Markdorf in pago Linzgowe; auch ist zwischen lútel- und luter ein wesentlicher Unterschied. Die drei Zieraten im Abschnitt des Siegels Heinr. v. Klingenberg haben offenbar keine Beziehung auf irgendein Wappen. In dem Zürcher Archiv müssen sich noch genug Urkunden mit seinem Wappen finden, da er von 1262 bis zu seinem Tode 1286 Propst dortselbst war. Wir sehen nun, dass unser Regierungsarchiv doch nicht so arm an Urkunden ist, umso mehr lohnt es sich einer Durchforschung mit Muße und in guter Jahreszeit. Hoffentlich lassen Sie die 3 neu aufgefundenen Urkunden ihrem Codex Diplomaticus der Thurgauer Geschichte beidrucken; es würde mich freuen, wenn Sie auch etwas aus meinem Chartularium hierzu verwenden könnten. Ich finde das stille kalte Wetter recht sehr geeignet zum Stubbensitzen und Arbeiten und habe, wie ich glaube, schon vollkommen den Winterbalg angezogen wie die Füchse und werde auch so in meinem Bau liegen bleiben. Von Grimms Rechtsaltertümern sende ich Ihnen den I. Band für H. Mörikofer; den zweiten, zu welchem ich wirklich Anmerkungen mache, die ich Jacob Grimm noch vor Neujahr senden möchte, bekommt H. Mörikofer, wenn er mir den I. zurückschickt. Und nun? Kommen Sie auch wieder in die Villa, ich hoffe doch noch vor Ende des Monats einen Besuch. Das letzte Mal waren Sie auch ganz so brav und sind beinahe einen ganzen Tag bei mir geblieben, ungerechnet die Nacht. Viele Grüße an Sie und die Ihren von mir und meinen Gästen. Dem Herzog Ariouestus empfehle ich mich in sein frommes Gebet. Tu autem vale et fave Laßbergio.