Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Mein verehrtester Herr und Gönner!
Ich war gerade mit der Abfassung einer heiligen Rede beschäftigt, mit der ich morgen
das Neue Jahr eröffnen soll, als Ihre Anfrage mich in eine ganz andere Welt, vom Himmel
auf die Erde versetzte. Wenn dies etwas böses ist, so mögen Sie es selbst verantworten;
mir thut es nur leid, daß ich Ihnen keine bestimmte Auskunft geben kann. Wir nämlich,
meine Frau und ich, haben uns immerhin vorgenommen, Sie übermorgen zu begrüßen; aber
wir wissen eben nicht, ob wir Gäste bekommen oder nicht, und ob diese Gäste am Samstag
noch bei uns verweilen oder wieder heimkehren. Ich bitte Sie daher, lassen Sie doch
nur keine Zubereitungen machen. Sind wir allein, so kommen wir mit Herrn Oberamtmanns
Schlitten, vielleicht auf den Mittag, vielleicht nach dem Essen; wollen Gäste mitkommen,
so lassen wir es Ihnen am Abend vorher wissen oder kommen ebenfalls erst nach dem
Essen. Sehen Sie, was für Sorgen die Weiber uns Männern machen! Hätte meine Frau von
dem Besuche nichts gesagt, wie ich's wollte, so wäre all' dieses nicht. Aber die Frauen
sind immer geschwätzig, und indem sie nicht belästigen wollen, belästigen sie doppelt.
O, die Evastöchter! Ich sende Ihnen hier 2 Bände der Gruberschen Encyklopädie. Nicht ich, sondern mein Vorgänger hat den Band so verderbt, nämlich Herr Dekan Däniker. Der Schelmuffski
mag auch zu seinen Brüdern zum Simplicius
und Simplicissimus
und ihren Geschlechtern zurück kehren. Ich danke Ihnen für desselben Mittheilungen.
So sinke nun in das Meer der Ewigkeiten, du altes, müdes Jahr! Es wird mir um vieler
Rücksichten willen unvergeßlich sein, und des Angenehmen viel in demselben verdankte
ich Ihnen. Möge das neue Jahrzehnt, das mit morgen anfängt, Sie sanft auf den Händen
tragen und mir Ihr Wohlwollen bewahren!
Herzlich der Ihrige Pupikofer.
den 31. Dez. 29.
Normalisierter Text
Mein verehrtester Herr und Gönner!
Ich war gerade mit der Abfassung einer heiligen Rede beschäftigt, mit der ich morgen
das Neue Jahr eröffnen soll, als Ihre Anfrage mich in eine ganz andere Welt, vom Himmel
auf die Erde versetzte. Wenn dies etwas Böses ist, so mögen Sie es selbst verantworten;
mir tut es nur leid, dass ich Ihnen keine bestimmte Auskunft geben kann. Wir nämlich,
meine Frau und ich, haben uns immerhin vorgenommen, Sie übermorgen zu begrüßen; aber
wir wissen eben nicht, ob wir Gäste bekommen oder nicht, und ob diese Gäste am Samstag
noch bei uns verweilen oder wieder heimkehren. Ich bitte Sie daher, lassen Sie doch
nur keine Zubereitungen machen. Sind wir allein, so kommen wir mit Herrn Oberamtmanns
Schlitten, vielleicht auf den Mittag, vielleicht nach dem Essen; wollen Gäste mitkommen,
so lassen wir es Ihnen am Abend vorher wissen oder kommen ebenfalls erst nach dem
Essen. Sehen Sie, was für Sorgen die Weiber uns Männern machen! Hätte meine Frau von
dem Besuche nichts gesagt, wie ich's wollte, so wäre all dieses nicht. Aber die Frauen
sind immer geschwätzig, und indem sie nicht belästigen wollen, belästigen sie doppelt.
O, die Evastöchter! Ich sende Ihnen hier 2 Bände der Gruberschen Enzyklopädie. Nicht ich, sondern mein Vorgänger hat den Band so verderbt, nämlich Herr Dekan Däniker. Der Schelmuffski
mag auch zu seinen Brüdern zum Simplicius
und Simplicissimus
und ihren Geschlechtern zurückkehren. Ich danke Ihnen für desselben Mitteilungen.
So sinke nun in das Meer der Ewigkeiten, du altes, müdes Jahr! Es wird mir um vieler
Rücksichten willen unvergesslich sein, und des Angenehmen viel in demselben verdankte
ich Ihnen. Möge das neue Jahrzehnt, das mit morgen anfängt, Sie sanft auf den Händen
tragen und mir Ihr Wohlwollen bewahren!
Herzlich der Ihrige Pupikofer.
den 31. Dez. 29.