Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)
E. an St. Agatha Tag 1830. "Mentem sanctam spontaneam, honorem Deo "et
patriae librationem dedit sancta Agatha
."
Kommen Sie, wir wollen mit einander den gefrorenen Bodensee
, und all
das teufelszeug, was die Schwaben
und die
Schweizer darauf treiben, anschauen und im schlitten nach Güttingen
, altnau
: oder wo sie wollen, hinfaren, wollen Sie weib und kind mit nemen;
so schike ich Inen den schlitten nach der episcopalis
cella
. Was sagen sie dazu? mir ist es ser zweifelhaft, ob wir diese
ereignisse zum zweiten male erleben werden? und so denke ich, man solle die
gelegenheit beim Schopfe ergreiffen; denn bis montag oder dienstag fürchte ich
thauwetter. Daß Sie den guten Leuten von Stekeboron
jr
recht angetan haben, bezeuge ich anmit sub fide archivali, und zwar mit dem
beisaze, daß Sie Inen eher zu wenig als zuviel getan haben. Wenn Sie damit
fertig sind, so lassen sie mich den curiösen tändelmarkt von Nürnberg
auch
lesen. Wenn Angela
die tochter Eduards
und schwester abt Gregors von
Einsiedeln
jezt über den Bodensee
reisen
wollte; so hätte sie vor windstürmen wenig zu befürchten, ich habe eine hübsche
gemalte scheibe von dieser Stiftung von Münsterlingen
;
Sie sollten dieselbe wol in eine Ballade fassen, die legende ließ manche
naturschilderung zu. Ia wol ist es eine grimme Kälte und dazu noch immer im
wachsen; mein Thermometer stehet heute einen ganzen grad tiefer als gestern.
Meine furcht vor der nachlässigkeit des Hr. Stadtschreiber Gonzenbach
, war nicht ungegründet; denn bei nur flüch tigem durchblättern
habe ich schon entdekt, daß er die zum XI. Band gehörigen Kupfer in den II.
eingebunden hat. umso ärgerlicher für mich, als ich mir vorher die mühe gegeben
hatte, Band für Band zu collationiren und zurecht zu legen maladetta bestia! Wie
ich anneme, sind auch in Schwaben
alle
See'en zugefroren und Donau
und Rhein
; wie werden die fische über nez und angel spotten! über reussen und
fischer. Nun meln Freund! wenn man, one gott zu versuchen, bei dieser kälte nach
Bürgeln
und Sulgen
faren
kann, so kann mans auch nach Eppishausen
und
die frau pfarrerin kann eben so gut hieher als dorthin kommen: freilich kann ich
armer celibataire Inen keinen kindtaufsschmaus anbieten, aber eine Flasche alten
erwärmenden Rheinwein, so gut als einer im Thurgau
liegt.
Ich schrieb in meiner angst um den guten arxius
an den H. archivar Henne
mit der Bitte um nachricht von dem befinden meines lieben freundes: statt dessen
schreibt er mir einen brief voll von lauter hors d'oevres zurük und ich weiss
bloss, daß Arx
noch
nicht begraben ist. Es giebt leute, die in einer ewigen kindheit bleiben. Mein
correspondent von frauenfeld
schreibt mir kein wort von dem kriege seiner päpstlichen heiligkeit mit dem
könige beider sicillen. Ich will doch nicht hoffen, daß die alte zeller
geschichte wieder zum vorschein kommt; das wäre ja über das troyanische roß. Stalderus Beronensis
hat mir auch einen langen brief geschrieben über eine
neue ausgabe seines Idiotikons. Sauerländer
hat noch 300 exemplare der ersten ausgabe auf dem laden
liegen; will sich aber zu einer neuen auflage in 1 quartbande verstehen. Wenn
die 12 Bouteillen vom besten Steckborer wein angekommen sind, so lassen Sie
michs doch auch wissen, damit ich der Weinprobe als alter weinschwelg beiwonen
kann. Die siegel und wappen des H. Hartmann
habe ich noch bei handen und wünschte ser in Irer Anschauung darüber mit Inen zu
sprechen. Es kommt auch die beinahe vergessene Helvetia📖
dießmal endlich zurük. Ich sende Inen auch einen Tübinger
Katalog📖 ad statum legendi: doch nur auf 8 tage, indem ich selbet einige
bestellungen zu machen denke. gefällt Inen einiges daraus, so will ich es gerne
mit dem meinigen verschreiben. Ich habe eine gute warme stube und ein noch
wärmeres herz für meine freunde. Tu autem vale et me amare perge Laßberg
.
Normalisierter Text
E. an St. Agatha Tag 1830. "Mentem sanctam spontaneam, honorem Deo et patriae librationem dedit sancta Agatha." Kommen Sie, wir wollen miteinander den gefrorenen Bodensee und all das Teufelszeug, was die Schwaben und die Schweizer darauf treiben, anschauen und im Schlitten nach Güttingen, Altnau: oder wo sie wollen, hinfahren. Wollen Sie Frau und Kind mitnehmen, so schicke ich Ihnen den Schlitten nach der episcopalis cella. Was sagen sie dazu? Mir ist es sehr zweifelhaft, ob wir diese Ereignisse zum zweiten Male erleben werden, und so denke ich, man solle die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen; denn bis Montag oder Dienstag fürchte ich Tauwetter. Dass Sie den guten Leuten von Steckborn Ihr Recht angetan haben, bezeuge ich anmit sub fide archivali, und zwar mit dem Beisatz, dass Sie Ihnen eher zu wenig als zu viel getan haben. Wenn Sie damit fertig sind, so lassen Sie mich den kuriosen Tändelmarkt von Nürnberg auch lesen. Wenn Angela, die Tochter Eduards und Schwester Abt Gregors von Einsiedeln, jetzt über den Bodensee reisen wollte, so hatte sie vor Windstürmen wenig zu befürchten. Ich habe eine hübsche gemalte Scheibe von dieser Stiftung von Münsterlingen; Sie sollten dieselbe wohl in eine Ballade fassen, die Legende ließ manche Naturschilderung zu. Ja wohl, ist es eine grimme Kälte und dazu noch immer im Wachsen; mein Thermometer steht heute einen ganzen Grad tiefer als gestern. Meine Furcht vor der Nachlässigkeit des Herrn Stadtschreiber Gonzenbach war nicht ungegründet; denn bei nur flüchtigem Durchblättern habe ich schon entdeckt, dass er die zum 11. Band gehörigen Kupfer in den 2. eingebunden hat. Umso ärgerlicher für mich, als ich mir vorher die Mühe gegeben hatte, Band für Band zu kollationieren und zurecht zu legen. Maladetta bestia! Wie ich annehme, sind auch in Schwaben alle Seen zugefroren und Donau und Rhein; wie werden die Fische über Nase und Angel spotten! Über Reussen und Fischer. Nun mein Freund! Wenn man, ohne Gott zu versuchen, bei dieser Kälte nach Bürglen und Sulgen fahren kann, so kann man es auch nach Eppishausen und die Frau Pfarrerin kann ebenso gut hierher als dorthin kommen. Freilich kann ich, armer Celibataire, Ihnen keinen Kindtaufschmaus anbieten, aber eine Flasche alten erwärmenden Rheinwein, so gut wie einer im Thurgau liegt. Ich schrieb in meiner Angst um den guten Arxius an den Herrn Archivar Henne mit der Bitte um Nachricht vom Befinden meines lieben Freundes; statt dessen schreibt er mir einen Brief voll von lauter hors d'œuvres zurück und ich weiß bloß, dass Arx noch nicht begraben ist. Es gibt Leute, die in einer ewigen Kindheit bleiben. Mein Korrespondent von Frauenfeld schreibt mir kein Wort von dem Kriege seiner päpstlichen Heiligkeit mit dem König beider Sizilien. Ich will doch nicht hoffen, dass die alte Zeller Geschichte wieder zum Vorschein kommt; das wäre ja über das trojanische Roß. Stalderus Beronensis hat mir auch einen langen Brief geschrieben über eine neue Ausgabe seines Idiotikons. Sauerländer hat noch 300 Exemplare der ersten Ausgabe auf dem Laden liegen; will sich aber zu einer neuen Auflage in 1 Quartbande verstehen. Wenn die 12 Flaschen vom besten Steckborer Wein angekommen sind, so lassen Sie mich es doch auch wissen, damit ich der Weinprobe als alter Weinschwelg beiwohnen kann. Die Siegel und Wappen des Herrn Hartmann habe ich noch bei Handen und wünschte sehr, in Ihrer Anschauung darüber mit Ihnen zu sprechen. Es kommt auch die beinahe vergessene Helvetia diesmal endlich zurück. Ich sende Ihnen auch einen Tübinger Katalog ad statum legendi: doch nur auf 8 Tage, indem ich selbst einige Bestellungen zu machen denke. Gefällt Ihnen etwas davon, so will ich es gerne mit dem Meinigen versprechen. Ich habe eine gute warme Stube und ein noch wärmeres Herz für meine Freunde. Tu autem vale et me amare perge Laßberg.