Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
E. am 16. Hornung 1830.
Wie herzlich beklage ich Sie, mein lieber Freund! daß der unermüdliche schlachthaufe
von Stekeboron
, abermal einen so ganz grimmigen Anfall auf Sie getan hat! jezt gebe ich Inen
keinen bazen mer für Ir teures Leben! am besten gefiel mir die anfúrung der stelle
Pauli
ad Korinth
. I cap. 8. vers 1; hätte der vortreffliche schriftsteller, doch auch den gleich darauf
folgenden 2ten vers gelesen und fúr sich benuzt: Εἰ δέ τις δοκεῖ εἰδέναι τι, οὐδέπω
οὐδὲν ἔγνωκε καλῶς δεῖ γνώναι. Ich hoffe, damit hat nun die Kazbalgerei um den verplezten
umhang ein ende! ein weiteres wort wäre missbrauch; denn wo selbst der begriff mangelt
ist: ignoti nulla cupido, lassen Sie also den toren das lezte wort; oder ich fange
an: Sing o muse den zorn der góttergleichen von Stekborn
, Und den schreklichen Krieg um den durchlöcherten umhang, etc. Das morgenblatt hat
mir viel vergnügen gemacht, und ich bitte dem H
. Decan
dafür meinen verbindl. dank abzustatten. Ich habe darin einen gewissen H
. D. Puppicofer kennen gelernt, der der naturhistor. gesellschaft in St. gallen
abhandlungen úber den weinbau, seinen ertrag und auf- oder abnahme vorliest, und
obschon er meine Bazenchronik dabei benuzt hat, mir nichts davon mitteilet. Ey! Ey!
Ich habe, nicht für H
. v. Múlinen, welcher nie eine verlangt hat, sondern fúr H
. v. Múller Friedberg eine anzeige Ires historischen werkes gemacht, welche ich morgen
absende; eine fórmliche recension wollte ich nicht machen; vermutlich haben mich die
von Stekboren abgeschrekt. H
. Zellweger hat mir über ein Dutzend offnungen geschikt. Die urkunden zu seiner geschichte
werden zuerst gedrukt, zum ersten teile allein sollen etwa 300 geliefert werden. Sie
kostet in wie er sagt, 4-5000 fl. bares geld, man sollte also nicht glauben, daß er das msscpt. verkauft hat. H
ier schike ich Inen
E. Münchs geschichte von Fürstenberg
, die ich in 36 Stunden durchlesen habe wenn ich sie wieder lese, verde ich warscheinlich
erst das beste darin entdecken. auch die Schw. Monats Chronik hat mich unterhalten
und ich danke Inen
dafúr. Wenn wieder morgenblátter zu haben sind; so will ich mich empfolen haben.
Es folgt auch ein Sigenot, den ich samt meiner empfelung dem H
. Dekan Dänniker
zuzustellen bitte. Der winter scheint noch immer nicht genug zu haben, doch schenkt
er uns allgemach schóne nachmittage; bald wird es wol auch an die vormittage kommen;
doch hoffe ich vor montag kein frúlingswetter. Wie ich hóre stehet das eis noch vest
auf dem rúken des alten Podamicus
und man gehet und färt hinúber. Wollen wir nicht auch wieder eine eisfart wagen?
Etwa úber mittag nach Rorschach
? oder wohin Sie wollen. Zu hause viele grúße, auch dem tapfern H
. oberamtmann und seiner Frau; der wie ich hoffe, die angst úber das wagstúk des teuren
gemals doch nichts geschadet hat. Νονὶ δὲ μένει πίστις, ἐλπὶς, ἀγάπη τὰ τρία ταῦτα.
μείζων δὲ τούτων η ἀγάπη λασπεργίαδες.
Normalisierter Text
E. am 16. Februar 1830.
Wie herzlich beklage ich Sie, mein lieber Freund! dass der unermüdliche Schlachtenhaufen
von Stekeboron, abermal einen so ganz grimmigen Anfall auf Sie getan hat! Jetzt gebe ich Ihnen keinen
Bazen mehr für Ihr teures Leben! Am besten gefiel mir die Anführung der Stelle Pauli ad Korinth
, I Kapitel 8, Vers 1; hätte der vortreffliche Schriftsteller doch auch den gleich
darauf folgenden 2. Vers gelesen und für sich benutzt: "Ei de tis dokei eidenai ti,
oudepo oudẽn egnóke kalōs dei gnōnai." Ich hoffe, damit hat nun die Kazbalgerei um
den verplezten Umhang ein Ende! Ein weiteres Wort wäre Missbrauch; denn wo selbst
der Begriff mangelt ist: "ignoti nulla cupido", lassen Sie also den Toren das letzte
Wort; oder ich fange an: "Sing o Muse den Zorn der göttergleichen von Stekborn
, Und den schreklichen Krieg um den durchlöcherten Umhang," etc. Das Morgenblatt hat
mir viel Vergnügen gemacht, und ich bitte dem Herrn Decan dafür meinen verbindlichen
Dank abzustatten. Ich habe darin einen gewissen Herrn D. Puppicofer
kennen gelernt, der der Naturhistorischen Gesellschaft in St. Gallen
Abhandlungen über den Weinbau, seinen Ertrag und Auf- oder Abnahme vorliest, und
obschon er meine Bazenchronik dabei benutzt hat, mir nichts davon mitteilt. Ey! Ey!
Ich habe, nicht für Herrn v. Mulinen
, welcher nie eine verlangt hat, sondern für Herrn v. Müller Friedberg
eine Anzeige Ihres historischen Werkes gemacht, welche ich morgen absende; eine förmliche
Rezension wollte ich nicht machen; vermutlich haben mich die von Stekboren abgeschreckt.
Herr Zellweger
hat mir über ein Dutzend Öffnungen geschickt. Die Urkunden zu seiner Geschichte werden
zuerst gedruckt, zum ersten Teil allein sollen etwa 300 geliefert werden. Sie kostet,
wie er sagt, 4-5000 fl. bares Geld, man sollte also nicht glauben, dass er das Manuskript verkauft hat. Hier
schicke ich Ihnen E. Münchs
Geschichte von Fürstenberg
, die ich in 36 Stunden durchgelesen habe. Wenn ich sie wieder lese, werde ich wahrscheinlich
erst das Beste darin entdecken. Auch die Schweizer Monats-Chronik hat mich unterhalten
und ich danke Ihnen dafür. Wenn wieder Morgenblätter zu haben sind, so will ich mich
empfohlen haben. Es folgt auch ein Sigenot, den ich samt meiner Empfehlung dem Herrn
Dekan Dänniker
zuzustellen bitte. Der Winter scheint noch immer nicht genug zu haben, doch schenkt
er uns allmählich schöne Nachmittage; bald wird es wohl auch an die Vormittage kommen;
doch hoffe ich vor Montag kein Frühlingswetter. Wie ich höre, steht das Eis noch fest
auf dem Rücken des alten Podamicus und man geht und fährt hinauf. Wollen wir nicht
auch wieder eine Eisfahrt wagen? Etwa über Mittag nach Rorschach
? Oder wohin Sie wollen. Zu Hause viele Grüße, auch dem tapferen Herrn Oberamtmann
und seiner Frau; der, wie ich hoffe, die Angst über das Wagnis des teuren Gemahls
doch nichts geschadet hat. "Nonde menei pistis, elpis, agape ta tria tauta. Meizon
de touton he agape laspergíades."