Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Hochverehrter Herr und Nachbar!
Die schlechten Witterungs-Prognostika hielten Herrn Oberamtmann und mich gestern von
der St. Galler Reise ab, oder vielmehr, es waren unsere Frauen, die uns, in der Besorgniß,
unsere Gesundheit möchte davon Schaden nehmen, davon zurück mahnten. Ich habe unterdessen
an einen Bekannten geschrieben, daß er mir Nachricht geben möge, wie es mit Herrn
von Arx stehe. Von Kupferstecher Hartmann
erhalte ich beiliegende Sendung. Was darin auf Sie Bezug hat, werden Sie aus seinem
Schreiben lieber selbst entnehmen, als daß Sie es von mir exegisiren lassen. Ihre
Recension ist im Erzähler abgedruckt. Ich bin mit Ihrem Urtheile ganz einverstanden;
doch ist Ihre Elle viel größer, als die des Erzählers, und ich glaube, mancher, der
beim Erzählen sonst ein Uebermaß heimtrug, hätte bei Ihnen noch nachliefern müssen.
Wenn nichts besonders einfällt, so gehe ich über 8 Tage, das ist künftigen Montag,
ganz bestimmt nach St. Gallen
, vielleicht auch nach Speicher
und Trogen
. Wollen Sie mitgehen, so geben Sie mir, wenn ich künftigen Freitag nicht zu Ihnen
komme, einen Wink oder ein Itinerarium, damit ich Sie zu finden wisse. Von Kortüms
Geschichte des Städtebundes, 2. Band, wünsche ich Kenntniß zu nehmen. Haben Sie die Güte, mir das ganze Werk
mit Gelegenheit zu übersenden. Um Siegellack habe ich geschrieben.
Mit herzlicher Ergebenheit Ihr Pupikofer.
Bischofzell
, 2. Mart. 1830.
N.
S. Wollen Sie das Hartmann
sche Schächtelchen zugleich mit Ihren Zeichnungen wieder nach St. Gallen
zurück gehen lassen? Ich bedarf desselben nicht mehr.
Normalisierter Text
Hochverehrter Herr und Nachbar!
Die schlechten Wetterprognosen haben gestern Herrn Oberamtmann und mich von der St.
Galler Reise abgehalten, oder besser gesagt, es waren unsere Frauen, die uns in der
Sorge um unsere Gesundheit davon abgeraten haben. Ich habe in der Zwischenzeit an
einen Bekannten geschrieben, dass er mir Auskunft geben soll, wie es Herrn von Arx geht. Von Kupferstecher Hartmann
habe ich eine beiliegende Sendung erhalten. Was darin auf Sie Bezug hat, werden Sie
aus seinem Schreiben lieber selbst entnehmen, als dass Sie es von mir erläutern lassen.
Ihre Rezension ist im Erzähler abgedruckt. Ich bin mit Ihrem Urteil ganz einverstanden;
allerdings ist Ihre Kritik viel strenger als die des Erzählers, und ich glaube, dass
mancher, der beim Erzählen sonst zu viel übertrieb, bei Ihnen noch etwas nachlegen
müsste. Falls nichts Besonderes dazwischenkommt, werde ich in 8 Tagen, also nächsten
Montag, ganz sicher nach St. Gallen
gehen, vielleicht auch nach Speicher
und Trogen
. Wenn Sie mitkommen möchten, geben Sie mir bitte, falls ich nächsten Freitag nicht
zu Ihnen komme, einen Hinweis oder ein Reiseprogramm, damit ich wüsste, wo ich Sie
finden kann. Ich möchte gerne Kenntnis von Kortüms
Geschichte des Städtebundes, Band 2, bekommen. Könnten Sie mir bitte das ganze Werk zusenden, wenn es Ihnen passt.
Ich habe bezüglich Siegellack
geschrieben.
Mit herzlicher Ergebenheit Ihr Pupikofer.
Bischofzell
, 2. März 1830.
N.
S. Wollen Sie das Hartmann
sche Schächtelchen zusammen mit Ihren Zeichnungen zurück nach St. Gallen
schicken lassen? Ich brauche es nicht mehr.