Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
E. am 22. Junij 1830.
Meine ausflucht zu Inen, mein vortreflicher freund und nachbar! ward abermal verregnet und ich muss Sie leider
one múndlichen abschied nach dem castellum thermarum, wie die rómer das alte Baden
hiessen, abreisen lassen. Es ist wieder eine leise kunde von einem neuen alten in
unserer nachbarschaft befindlichen codex membranaceus zu meinen oren gekommen, welche
in solchen fallen besser zu sein pflegen als jene des lezten Samstag von hier abgereisten
H. hartmann
. „Es sei ein großes altes buch auf pergament gedrukt, mit hineingemalten bildern
von alten heiden." so áusserte sich der jezige besizer darüber. die handschrift lag
ehemal auf einer benachbarten alten burg, und jezo auf einer alten búne. Ich soll
noch in dieser woche die ansicht davon bekommen. warscheinlich hat die gebrochene
schrift des XIV. iarh. den besizer veranlasst sie fúr alten druck anzusehen. die hineingemalten
heidnischen bilder lassen auf die so viel verbreitete weltchronik des Rud. v. Ems
schliessen. vederemo! Ich habe mich schon vor iaren darúber verwundert, daß in dem
einst so gesangreichen Thurgau
so gar keine codices mer vorhanden sein sollen; jezt fangen sie an aufzutauchen.
Nil desperandum! móchte doch der neuaufgefundene den schon so lange vermissten vorhang;
oder Umbhang des Bligger von Steinach
enthalten! Wenn Sie von Zúrich
oder Baden
aus den H. Prof. Vollen
in seinem holen steine besuchen; so sagen Sie jm, daß es mich gar nicht gefreut habe
in den zeitungen meinen namen unter den ausposaunten m. arbeitern der Alpenrosen zu
lesen. ich liebe das digito monstrari nicht und das dicier heic est! eben so wenig.
Wenn Sie einmal an einem regentage v. Baden
aus mir nachricht von dem allseitigen befinden Irer badegesellschaft und was Sie
sonst in historicis und literariis úberhaupt vernommen haben, nachricht geben wollen;
so werde ich Inen
ser verbunden dafür sein. Der cod. weissenaugiae wird warend Irer abwesenheit gewiss
absolvirt; ich habe nur noch 60 blátter; aber in dem libr. censuum einige für die
urachische geschichte wichtige geograph. notizen entdeckt, die ich auch noch extrahiren
muss. Eben erscheint der holzforster, um mich auf einen marken beschau von einem feilen
stük wald zu füren ich muss also abbrechen. Móge die Nymphe des Bades Inen
und allen Iren begleitern schóne tage und heilbringendes wasser spenden, und sie
optime lætus die schattigte villa epponis wieder besuchen. Empfehlen Sie mich Iren
badefarern allen auf das freundschaftlichste. Ist denn der neue mietsmann in der villa ottonis
oder ottolonis noch nicht aufgezogen? ich werde bald suchen die bekanntschaft dieses
mineralogen zu machen, um zu sehen, ob er unsere gesellschaft vermeren kann? Sie sollen
in Baden
nachricht über ihn erhalten. ich adresse (so!) in den Báren, in den großen bádern,
nicht war? Schliesslich noch eine bitte; inliegende 14 francen dem H. buchbinder Dieppold
zu Baden
in meinem namen für geliefertes papier zu bezalen, ich schike 16. weil ich keine
münze habe. Nun leben Sie wol, ich will es auch so machen, wenn ich námlich kann;
obschon: Non qui soletur, non qui labentia tarde Tempora narrando fallat, amicus adest.
Laßbergius
.
Unser frúndlich willig dienst, und was wir Eren und guts vermógen: allzit zuvor!
Hochgelarter wyser und sunders lieber Frúnt: Uns zwifelt nit Ir haben etlicher maßen
vernommen, wie wir vor kurzen tagen unversehenlich mit einem uslándischen Kriegsvolk
sind überzogen worden, davon ligen all húser und schúren voll, und fúerend ein grúlich
wesen mit trummen, blasen, schüssen und handtiren; so daß wenn unsere muren nit besser
wárend, denn die von Jericho
, so lág bald alles am boden. Was volk und nazion dies fremd grúlich und kriegerisch
volk eigentlich sige, kúnnen wir úch fúr gewiss nit melden; etlich fúerend ein uslendische
sproch, als ob sie von Winfelden
; oder gar ennet der Thur her warend; anderü sprechend in einer mundart als obs vom
see her kámind, den armen geken glich; oder den seehasen; etlich hand gar ein fraislich
ussehen und wachsend jnen federn us den haupten, die haissend ofenzierer, deren han
ich drü in mim hus, die sind allwil ainer grósser oder klainer als der ander, aber
all drú gsund u. áserig lút als man wo finden mag. Ainer haisst Peter
, der ist siner muetter gar klain entrunnen, sust aber ein werhaft mandli, wie der
heilig Peter
ouch soll gewesen sin, als er des hohenpriesters knecht ein or abhieb, des úbrigen
aber ain frummer kriegsmann, wan er uns befrogt ob man uf den sunntig och ain hailig
meß haben móg? der ander haisst Gul
und kunnt us dem Niederlant, ains múllers sun, als ich vernam, ducht mich doch als
ob er mit dem wasser nit viel zu schaffen hab; der dritte haisst Häberli
und sie sagen er sig ein major, hat aber kain roß mit brocht. Nu mögt Ir wol denken,
daß wir by tag und nacht in nit klainer sorg und angst leben sitmals die wilden kriegslút
sich für Eppishusen
geschlahen habend. Item am gestrigen tag ist ain her aus Frawfeld
kommen der sollt den befel über das volk übernemen; da sind sie mit dem banner uszogen
uf unser frauenwies, und hand da den ganzen tag ein erschreckenlich und ungestümm
wesen verfúrt, mit trometten, trummen und pfiffen desglichen mit schússen und hauen,
und hand im sturmlauf alles gras in grund und boden vertretten, daß kain halm mer
ufrecht stot: doch durch gottes wundersam hilf und fürsehen niemen da by wund oder
blutrunstig ward. Die wil wir nun unz her in steter angst und furcht vor dem schúligen
kriegswesen leben müssend; so gaht unser ernstlich bitt und flissig anhalten an úch:
Ir wóllet úch unsern úbelstand alles ernstes zů gemüt ziehen und úch in unsern nóten
also bewisen, als úch als unsern lieben nachbaren und eidgenossen des falls geziemen
will, mit dem verstand, das Ir jlig mit so viel mannschaft als Ir uffbringen múget
uns zůziehet, uns ze schirmen und von dem frembden volk zu erlösen, als wir úch des
und aller eren und gåts genzlichen vertruwen, und mit gůtem willen umb úch ze verdienen
haben wollen. geben am 6. sunntag nach pfingsten, uf unserer burg ze Eppishusen
, als die berennt ward. Sust nút mer. Josef von Laßberg Ritter
. Sendent uns och herzog Ernsten
mit dem roßbanner und eiweri Kammerbúchser Minna
und Julianen
; wan der find daran vast mangel hat, und wir damit wol guetes zu schaffen vermainend
und verhoffend by unserem louffer úwer verschriben antwurt.
Normalisierter Text
E. am 22. Juni 1830.
Meine Entschuldigung an Sie, mein vortrefflicher Freund und Nachbar! Wir wurden leider
erneut vom Regen überrascht und ich muss Sie leider ohne mündlichen Abschied nach
dem Castellum Thermarum, wie die Römer das alte Baden
nannten, abreisen lassen. Es ist wieder eine leise Kunde von einem neuen alten Codex
membranaceus in unserer Nachbarschaft zu meinen Ohren gekommen, welche in solchen
Fällen besser zu sein pflegen als jene des letzten Samstag von hier abgereisten H. Hartmann
. "Es sei ein großes altes Buch auf Pergament gedruckt, mit hineingemalten Bildern
von alten Heiden", so äußerte sich der jetzige Besitzer darüber. Die Handschrift lag
früher auf einer benachbarten alten Burg und liegt jetzt auf einer alten Bühne. Ich
soll noch in dieser Woche die Ansicht davon bekommen. Wahrscheinlich hat die gebrochene
Schrift des 14. Jahrhunderts den Besitzer veranlasst, sie für alten Druck anzusehen.
Die hineingemalten heidnischen Bilder lassen auf die so viel verbreitete Weltchronik
des Rud. v. Ems
schließen. Vederemo! Ich habe mich schon vor Jahren darüber gewundert, dass in dem
einst so gesangreichen Thur
gau so gar keine Codices mehr vorhanden sein sollen; jetzt fangen sie an aufzutauchen.
Nil desperandum! Möchte doch der neuaufgefundene den schon so lange vermissten Vorhang
oder Umhang des Bligger von Steinach
enthalten! Wenn Sie von Zürich
oder Baden
aus den H. Prof. Vollen
in seinem holen Steine besuchen, so sagen Sie ihm, dass es mich gar nicht gefreut
habe, in den Zeitungen meinen Namen unter den ausposaunten M. Arbeitern der Alpenrosen
zu lesen. Ich liebe das Digito monstrari nicht und das Dicier heic est! Ebenso wenig. Wenn Sie einmal an einem Regentag von Baden
aus mir Nachricht über das allseitige Befinden Ihrer Badegesellschaft und was Sie
sonst in historicis und literariis überhaupt vernommen haben, geben wollen, so werde
ich Ihnen sehr verbunden dafür sein. Der Codex Weissenaugiae wird während Ihrer Abwesenheit gewiss absolvirt; ich habe nur noch 60 Blätter, aber
in dem Libr. Censuum einige für die Urachische Geschichte wichtige geographische Notizen
entdeckt, die ich auch noch extrahieren muss. Eben erscheint der Holzforster, um mich
auf einen Markenbeschau von einem feilen Stück Wald zu führen, ich muss also abbrechen.
Möge die Nymphe des Bades Ihnen und allen Ihren Begleitern schöne Tage und heilbringendes
Wasser spenden und Sie optime laetus die schattige Villa Epponis
wieder besuchen. Empfehlen Sie mich Ihren Badefahren allen auf das freundschaftlichste.
Ist denn der neue Mietsmann in der Villa Ottonis
oder Ottolonis
noch nicht aufgezogen? Ich werde bald suchen, die Bekanntschaft dieses Mineralogen
zu machen, um zu sehen, ob er unsere Gesellschaft bereichern kann. Sie sollen in Baden
Nachricht über ihn erhalten. Ich adressiere (so!) in den Bären, in den großen Bädern,
nicht wahr? Schließlich noch eine Bitte: Die beiliegenden 14 Franken dem H. Buchbinder Dieppold
zu Baden
in meinem Namen für geliefertes Papier zu bezahlen, ich schicke 16, weil ich keine
Münze habe. Nun leben Sie wohl, ich werde es auch so machen, wenn ich nämlich kann;
obschon: Non qui soletur, non qui labentia tarde Tempora narrando fallat, amicus adest.
Laßbergius
.
Unser freundlich willig Dienst und was wir Ehren und Gut Vermögen: allzeit zuvor!
Hochgelehrter, weiser und besonders lieber Freund: Uns zweifelt nicht, dass Ihr auf
eine gewisse Weise vernommen habt, wie wir vor kurzem unversehens mit einem ausländischen
Kriegsvolk überzogen wurden, davon liegen alle Häuser und Scheunen voll und führen
ein gräuliches Wesen mit Trommeln, Blasen, Schießen und Hantieren; so dass, wenn unsere
Mauern nicht besser wären als die von Jericho
, bald alles am Boden läge. Welches Volk und welche Nation dieses fremde, gräuliche
und kriegerische Volk eigentlich sei, können wir euch nicht mitteilen; einige sprechen
eine ausländische Sprache, als ob sie von Winfelden
oder sogar jenseits der Thur
kämen; andere sprechen in einer Mundart, als ob es vom See her käme, den armen Gegendlichen
gleich; oder den Seehasen. Einige sehen sogar furchterregend aus und wachsen Federn
aus den Köpfen, die heißen Offiziere, von denen ich drei in meinem Haus habe, die
sind alle größer oder kleiner als der andere, aber alle durchaus gesund und lebhaft
wie man wo finden mag. Einer heißt Peter
, der ist seiner Mutter knapp entkommen, ansonsten aber ein tapferer Mann, wie der
heilige Peter
auch gewesen sein soll, als er dem Hohenpriester einen Ohr abhieb; der Rest ist ein frommer Kriegsmann, wenn er uns fragt, ob man am Sonntag auch eine heilige
Messe haben darf. Der andere heißt Gul
und kommt aus den Niederlanden
, ein Müllers Sohn, wie ich gehört habe, doch scheint es, als ob er wenig mit dem
Wasser zu tun hat; der Dritte heißt Häberli
und sie sagen, er sei ein Major, aber er hat kein Pferd mitgebracht. Nun mögt ihr
wohl denken, dass wir bei Tag und Nacht in nicht kleiner Sorge und Angst leben müssen,
seitdem die wilden Kriegsleute sich für Eppishusen
geschlagen haben. Item, am gestrigen Tag ist ein Herr aus Frauenfeld
gekommen, der den Befehl über das Volk übernehmen sollte, da sind sie mit dem Banner
ausgezogen auf unsere Frauenwiese und haben den ganzen Tag ein erschreckliches und
ungestümes Wesen verführt, mit Trommeten, Trommeln und Pfeifen, ebenso mit Schüssen und
Hauen, und haben im Sturmlauf alles Gras in Grund und Boden getreten, dass kein Halm
mehr aufrecht stand: doch durch Gottes wundersames Hilf und Vorsehen wurde niemand
dabei verletzt oder blutig. Da wir nun bis hierher in steter Angst und Furcht vor
dem schuldigen Kriegswesen leben müssen, so geht unsere ernsthafte Bitte und fleißige
Anhaltung an euch: Ihr wollt euch unseres Unglücks ernsthaft annehmen und euch in
unseren Nöten so zeigen, wie es euch als unsere lieben Nachbarn und Eidgenossen gebührt,
mit dem Verstand, dass ihr sofort mit so vielen Mannschaft wie ihr aufbringen könnt
uns zu Hilfe kommt, uns zu schützen und von dem fremden Volk zu befreien, denn wir
haben euch und eure Ehre und Güte voll und ganz vertraut und haben uns entschlossen,
euch um eure Unterstützung zu bitten, in der Hoffnung, dass ihr unserem Schreiben
folgt. Gegeben am 6. Sonntag nach Pfingsten, auf unserer Burg zu Eppishusen
, die angegriffen wurde. Sonst nichts mehr. Josef von Laßberg Ritter
. Sendet uns auch Herzog Ernst
mit dem Rossbanner und euren Kammerbüchsenschützen Minna
und Julianen
; da der hier festen Mangel hat und wir damit etwas Gutes zu schaffen vermeinen und erhoffen bei unserem
Läufer eure versprochene Antwort.