Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Mein verehrtester Herr und Gönner!
Sie sind am Sonntage wieder nicht nach Hauptwyl gekommen; gestern auch nicht, und
heute darf man Sieben so wenig erwarten. Also muß ich ohne einen eigentlichen Abschied
von Ihnen genommen zu haben, vereisen? Wie Gott will, und Ihr codex Weissenaugiensis
gebietet! Ich nehme doch die Überzeugung mit mir, daß Sie auch über den alten pagus
Tigurinus hinaus an mich denken. Ich habe in meinen Auszügen nachgeschaut, ob ich
einen Ulrich von
Klingen
in einer Kreuzlinger Urkunde finde, aber habe keinen getroffen. Ich muß mich meines
noch so jungen und doch so schlechten Gedächtnisses schämen! Die ältesten Spuren des
Geschlechtes von
Klingen
möchten indess in der Tradition liegen, daß Wiborad
, die Heilige, demselben entsprossen sei. In ihrer Biographie wird bemerkt, daß die
Burg ihrer Eltern Konstanz
nahe (also nicht an der Aare) lag. Das klingende Klingen
des Herrn von
Arx
(Monumenta II, p. 162) und Lirers
Schlacht an der Schwarzach
, wo ein Klingen
Feldhauptmann war, gibt wohl zu Andeutungen und Muthmaßungen Stoff. Der älteste Klingen
, der mir urkundlich vorgekommen, ist Audalricus, bei Gerbert Hist
. Nigr
. Silvae
cod. prob. p. 109. (Ist da nicht zu finden. (Note von
Laßberg
.) Sollten Sie Öhms
Chronik noch nicht gefunden haben, so mögen Ihnen meine Auszüge, die ich hier beilege,
ein Nothbehelf sein. Thurg
auische Sachen habe ich sorgfältig angemerkt. - In Rügers
Chronik von
Schaffhausen
kommt kein Klingen
zum Vorschein, was um so auffallender ist, da viele thurgauische Edelleute an Aller
Heiligen Vergabungen machten. In Werdmüllers
(Bluntschlis
umgearbeiteten) Memorabilia Tigur. werden I, S. 85, die Herren von
Klingen
, ohne weitere Angabe, als Mitstifter von
Bubikon genannt; daselbst heißt es II, p. 130: „Die Freiherren von
Hohen-Klingen
oder Alten-Klingen
, so hernach das Schloß Hohen-Klingen
erbaut, waren schon zu Anfang des XII. seculi Kastvögte des Stiftes" zu Stein
nämlich. Laut I. p. 267 war Fides von
Hohen-Klingen
als Äbtissin von
Zürich
gestorben 1358. Freiherr Walter
von
der Alten-Klingen
ward 1375 von
allen Ansprachen an die Äbtissin und das Stift zum Frauen - Münster durch den Ausspruch dreier erbetener Richter abgewiesen. Ob diese Ansprüche auf die
verstorbene Äbtissin sich bezogen haben, wird nicht gesagt. Als Korrektur zu I, p.
125 der Thurg
. Geschichte muß ich bemerken, daß Altenburg
zwischen Hugoldshofen
und Altenklingen
laut des Memoranden-Buches im Schlosse Altenklingen
, kaum zu Altenklingen
gehörte; denn es heißt daselbst: „Die Herrschaft Märstetten
hatte auch eine Burg zu Altenburg
, die Klingen
berg einverleibt wurde." Überdies steht jene Altenburg
auf der rechten Seite des Kämmenbachs
, der die Kirchspiele Wigoltingen
und Märstetten
scheidet. Adelgund
, Freiin von
Klingen
, war Verlobte des Freiherrn Georg von
Zimmern
: er starb aber noch vor dem Beilager; sie ehlichte nach desselben Tod Eberhard von
Rosenegg
(Hist Nig. Silvae
I, p. 212). Wie verhält sich die Burg Klingen
, die dem Markgraven von
Hochberg
gehörte, zu unserm Klingen
? (Lazius
p. 507; Ochs
I, p. 411). (Die angeführten Orte sagen das nicht oder nur unbestimmt. (Note von
Laßberg
.)) Aus vorstehenden Bemerkungen sehen Sie, wie gerne ich Ihnen zu Ihrem Walter
Beiträge geben möchte, und ich würde noch mehr beifügen, wenn ich nicht wüßte, daß
Sie vor mir schon alles ausgebeutet hätten. Nur ein Blättchen mit der Inschrift zu
Altenklingen
und Auszüge aus den dortigen Memorandenbuch sammt einem Bande Leus lege ich noch
bei, damit Sie von
meinem guten Willen vollends überzeugt werden. Und nun leben Sie wohl, und folgen
Sie bald nach an den Strand der schäumenden Limmat
, wo Ihnen mit Vergnügen entgegen sieht
Ihr Ergebenster Pupikofer.
Bischofzell
, 22. Jun. 1830.
Normalisierter Text
Mein verehrtester Herr und Gönner!
Sie sind am Sonntag wieder nicht nach Hauptwyl gekommen; gestern auch nicht, und heute
darf man Sieben so wenig erwarten. Also muss ich ohne einen eigentlichen Abschied
von Ihnen genommen zu haben, vereisen? Wie Gott will, und Ihr Codex Weissenaugiensis gebietet! Ich nehme doch die Überzeugung mit mir, dass Sie auch über den alten pagus
Tigurinus
hinaus an mich denken. Ich habe in meinen Auszügen nachgeschaut, ob ich einen Ulrich
von
Klingen
in einer Kreuzlinger Urkunde finde, aber habe keinen getroffen. Ich muss mich meines
noch so jungen und doch so schlechten Gedächtnisses schämen! Die ältesten Spuren des
Geschlechtes von
Klingen
möchten indes in der Tradition liegen, dass Wiborad
, die Heilige, demselben entsprossen sei. In ihrer Biographie wird bemerkt, dass die
Burg ihrer Eltern Konstanz
nahe (also nicht an der Aare) lag. Das klingende Klingen
des Herrn von
Arx
(Monumenta II, S. 162) und Lirers
Schlacht an der Schwarzach
, wo ein Klingen
Feldhauptmann war, gibt wohl zu Andeutungen und Mutmaßungen Stoff. Der älteste Klingen
, der mir urkundlich vorgekommen, ist Audalricus, bei Gerbert Hist
. Nigr
. Silvae cod. prob. S. 109. (Ist da nicht zu finden. (Note von
Laßberg
). Sollten Sie Öhms
Chronik noch nicht gefunden haben, so mögen Ihnen meine Auszüge, die ich hier beilege,
ein Nothbehelf sein. Thurg
auische Sachen habe ich sorgfältig angemerkt. - In Rügers
Chronik von
Schaffhausen
kommt kein Klingen
zum Vorschein, was umso auffallender ist, da viele thurgauische Edelleute an Allerheiligen
Vergabungen machten. In Werdmüllers
(Bluntschlis
umgearbeiteten) Memorabilia Tigur. werden I, S. 85, die Herren von
Klingen
, ohne weitere Angabe, als Mitstifter von
Bubikon genannt; daselbst heißt es II, S. 130: „Die Freiherren von
Hohen-Klingen
oder Alten-Klingen
, so herna das Schloss Hohen-Klingen
erbaut, waren schon zu Anfang des XII. Seculi Kastvögte des Stiftes" zu Stein
nämlich. Laut I. S. 267 war Fides von
Hohen-Klingen
als Äbtissin von
Zürich
gestorben 1358. Freiherr Walter
von
der Alten-Klingen
wurde 1375 von
allen Ansprachen an die Äbtissin und das Stift zum Frauen - Münster durch den Ausspruch dreier erbetener Richter abgewiesen. Ob diese Ansprüche auf die
verstorbene Äbtissin sich bezogen haben, wird nicht gesagt. Als Korrektur zu I, S.
125 der Thurg
. Geschichte muss ich bemerken, dass Altenburg
zwischen Hugoldshofen
und Altenklingen
laut des Memoranden-Buches im Schlosse Altenklingen
, kaum zu Altenklingen
gehörte; denn es heißt daselbst: „Die Herrschaft Märstetten
hatte auch eine Burg zu Altenburg
, die Klingen
berg einverleibt wurde." Überdies steht jene Altenburg
auf der rechten Seite des Kämmenbachs
, der die Kirchspiele Wigoltingen
und Märstetten
scheidet. Adelgund
, Freiin von
Klingen
, war Verlobte des Freiherrn Georg von
Zimmern
: er starb aber noch vor dem Beilager; sie ehelichte nach desselben Tod Eberhard von
Rosenegg
(Hist. Nig. Silvae I, S. 212). Wie verhält sich die Burg Klingen
, die dem Markgrafen von
Hochberg
gehörte, zu unserem Klingen
? (Lazius
S. 507; Ochs
I, S. 411). (Die angeführten Orte sagen das nicht oder nur unbestimmt. (Note von
Laßberg
.)) Aus vorstehenden Bemerkungen sehen Sie, wie gerne ich Ihnen zu Ihrem Walter
Beiträge geben möchte, und ich würde noch mehr beifügen, wenn ich nicht wüsste, dass
Sie vor mir schon alles ausgebeutet hätten. Nur ein Blättchen mit der Inschrift zu
Altenklingen
und Auszüge aus den dortigen Memorandenbuch samt einem Bande Leus lege ich noch bei,
damit Sie von
meinem guten Willen vollends überzeugt werden. Und nun leben Sie wohl, und folgen
Sie bald nach an den Strand der schäumenden Limmat
, wo Ihnen mit Vergnügen entgegen sieht
Ihr Ergebenster Pupikofer.
Bischofzell
, 22. Jun. 1830.