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Mein hochverehrter Herr und Nachbar!
Weil ich Herrn Mörikofer, der seine Reise bis nach Waldburg
ausdehnen wollte, obgleich er mich bis Mittwoch Abend späte warten ließ, wegen des
bevorstehenden Sonntags nicht folgen konnte, und mir überdies der kleine Doctor medicinae
Köchlin
von Zürich
, der ein Sprößling der Herren von Singenberg
sei und ihre Stammburg besuchen will, seine Herkunft auf heute angezeigt hat, obgleich
ihm bis jetzt beliebt hat, nicht zu kommen, kann ich weder mit Herrn Mörikofer
, noch allein, den Abschiedstrunk in Eppishausen
holen, sage Ihnen dagegen nochmals und zwar durch Herrn Wegelin
, der mich um Ihre Bücher sollicitirt hat, und den ich am besten zur Hauptquelle zu
weisen glaubte, auf Ihre bevorstehende Reise meine herzlichen Glückwünsche und füge
die Bitte bei, den von mir bereits bezeichneten Büchern gütigst noch Uhlands
Gedichte beilegen, mich für meine Unbescheidenheit entschuldigen und bald wieder
in Ihren Büchersaal zurückkehren zu wollen, und eben so mir den Ort zu bezeichnen,
wohin ich die Grabsteinzeichnungen, wenn sie einmal von Basel
ankommen sollten, zusenden müsse, ob etwa zu Herrn Follen
, der im Nothfall selbst die Vergleichung mit der von mir gegebenen Beschreibung machen
könnte, wenn Ihre Entfernung dies für Sie selbst unmöglich machte, oder nach Bern
, Luzern
, Zürich
, Uri
, Schwyz
, Unterwalden
, Zug
u. s. w., von woher oder vielleicht auch anderswoher ich zwar kein schriftliches
Andenken von Ihnen erbitten oder erwarten darf, wenn es schon mich außerordentlich
freuen würde, zu wissen, wie Sie über Meer und Land, über unförmliche Flöße und Dampfboote
die Erinnerung an mich mittrugen, und Sie mir überdies für mein aus Baden
geschriebenes Billet eine Erwiderung aus der Ferne schuldig sind, ein Recht, das
ich nur dann nicht geltend machen darf, wenn, was freilich nicht ausbleiben wird,
die ungestalten Fratzen der Zauberwelt Ihnen wieder Sibyllenblätter aus der Ritterzeit
zuführen, und Ihre Aufmerksamkeit so ganz beschäftigen würden, daß die Gegenwart für
Sie verschwände und Sie nicht nur Ihre Klienten, sondern selbst Essen und Trinken
darüber vergäßen, in welchem Falle ich ehrfurchtsvoll zurücktrete und zuwarte, bis
der Priester der Eleusischen Geheimnisse wieder seinen geheiligten Mund öffnen und
sich mittheilen will
Ihrem beeilten und unwürdigen Schüler Pupikofer.
d. 30. Jul. 1830.
Normalisierter Text
Mein hochverehrter Herr und Nachbar!
Weil ich Herrn Mörikofer, der seine Reise bis nach Waldburg
ausdehnen wollte, obgleich er mich bis Mittwoch Abend spät warten ließ, wegen des
bevorstehenden Sonntags nicht folgen konnte, und mir außerdem der kleine Doctor medicinae
Köchlin
von Zürich
, der ein Sprössling der Herren von Singenberg
ist und ihre Stammburg besuchen will, seine Herkunft auf heute angezeigt hat, obgleich
er bis jetzt beliebt hat, nicht zu kommen, kann ich weder mit Herrn Mörikofer
, noch allein, den Abschiedstrunk in Eppishausen
holen, sage Ihnen stattdessen nochmals und zwar durch Herrn Wegelin
, der mich um Ihre Bücher solicitiert hat, und den ich am besten zur Hauptquelle zu
weisen glaubte, auf Ihre bevorstehende Reise meine herzlichen Glückwünsche und füge
die Bitte bei, den von mir bereits bezeichneten Büchern freundlicherweise noch Uhlands
Gedichte beizulegen, mich für meine Unbescheidenheit zu entschuldigen und bald wieder
in Ihren Büchersaal zurückkehren zu wollen, und ebenso mir den Ort zu bezeichnen,
wohin ich die Grabsteinzeichnungen, wenn sie einmal von Basel
ankommen sollten, zusenden müsste, ob etwa zu Herrn Follen
, der im Notfall selbst die Vergleichung mit der von mir gegebenen Beschreibung machen
könnte, wenn Ihre Entfernung dies für Sie selbst unmöglich machte, oder nach Bern
, Luzern
, Zürich
, Uri
, Schwyz
, Unterwalden
, Zug
usw., von woher oder vielleicht auch anderswoher ich zwar kein schriftliches Andenken
von Ihnen erbitten oder erwarten darf, wenn es schon mich außerordentlich freuen würde,
zu wissen, wie Sie über Meer und Land, über unförmliche Flöße und Dampfboote die Erinnerung
an mich mittrugen, und Sie außerdem für mein aus Baden
geschriebenes Billet eine Erwiderung aus der Ferne schuldig sind, ein Recht, das
ich nur dann nicht geltend machen darf, wenn, was freilich nicht ausbleiben wird,
die ungestalten Fratzen der Zauberwelt Ihnen wieder Sibyllenblätter aus der Ritterzeit
zuführen, und Ihre Aufmerksamkeit so ganz beschäftigen würden, dass die Gegenwart
für Sie verschwände und Sie nicht nur Ihre Klienten, sondern selbst Essen und Trinken
darüber vergäßen, in welchem Falle ich ehrfurchtsvoll zurücktrete und abwarte, bis
der Priester der Eleusischen Geheimnisse wieder seinen geheiligten Mund öffnen und
sich mitteilen will.
Ihrem beeilten und unwürdigen Schüler Pupikofer
.
d. 30. Juli 1830.