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BernWIKIDATA Icon am 2. Septber 1830. Mein teurer freund und nachbar! ich will nun mein Wort halten und InenGND Icon bericht geben von meinem tun und treiben auf meiner ganz abenteuerlosen reise. In ZúrichWIKIDATA Icon war mein erster gang zu dem biedern und guten Aurelius CiceroGND Icon, wo ich, neben herzlicher aufname, schöne, seltene und ser vortrefliche codices zu sehen bekam; darunter auch ein par merkwürdige St. Galler mit dem alten klosterbibliothekstempel, die in dem unglúksjare 1712 der dortigen bibliotheca manuscripta entfüret wurden. Dann gingen wir zusammen zu H. Pfarrer VægelinGND Icon, an dem ich einen eben so feinen und grúndlichen als gefälligen mann kennen lernte. auch HDrMeyerQuinctiliani wurde besucht, und meine ankunft schien jn zu freuen: auf den herbst will er uns in ThurgauWIKIDATA Icon besuchen. Indessen waren meine pferde gefüttert und ich fur frisch in die welt hinein, bis mein 4rädriges schif endlich zu BeromúnsterWIKIDATA Icon glüklich vor anker gieng, wo ich mich sogleich zu dem guten Stalder begab und mit altteutscher Herzlichkeit von jm aufgenommen und bewirtet wurde; denn er wollte mich durchaus nicht bei meinen pferden lassen, in seiner Bibliotheke sah ich viel neues zum sprachstudium gehöriges, auf der Probstei bei dem gutmütigen und gar nicht unwissenden Probst Meyer SchauenseeGND Icon manches merkwürdige alte, und machte da auszüge aus einigen urkunden; eine davon welche mir den M. Sänger Hesso von RinachGND Icon als chorherr zu MúnsterWIKIDATA Icon u. Probst z. SchónenwertWIKIDATA Icon bekannt machte, schrieb ich ab. Die urkunden der zweiten stiftung [:1036:] durch gr. Ulr. v. LenzburgGND Icon wurden mir nur in abschrift gezeigt, die Originalien aber versprochen; sowie noch mereres, was davon gehalten wird, muss die zeit leren. Die capsa obsoleta gieng diesmal für mich nicht auf: aber habe ich ursache zu glauben, daß sie nicht so viel merkwürdiges und altes enthalte, als Johannes MüllerGND Icon glaubte, was auch fúglistallers, der sie persönlich kennen lernte, eigene meinung hierüber ist. Der kirchenschaz enthält einige alte geschnittene Steine, búcher in zierlich geschnizten dekeln von Elfenbein, gold, Silber, mit & one edelsteine und eine theolog: Hdschrft des XI Jarh: in LuzernWIKIDATA Icon wurde mir eins meiner pferde krank; ich benuzte diese zeit um einen ausflug nach EngelbergWIKIDATA Icon an den fuß des ungeheuren Titlis zu machen und die dortigen Handschriften ein wenig zu recognosciren, welche wol gegen 200 Bde. betragen mögen. darunter einige schäzbare classiker und ein chronicon ineditum des abt frowinGND Icon aus dem XII iarh. ich glaube daß man einem, der auf dieser bibliotheke arbeiten wollte, alle mögliche freiheit und bequemlichkeit gewáren wúrde: aber mit der zu IttnersGND Icon zeiten so ser gerümten engelberg: gastfreiheit ist es am ende: mir gieng es da noch schlimmer als dem Walter von der vogelwGND Icon. im kloster TegernseeWIKIDATA Icon in BaiernWIKIDATA Icon; denn mir wurde nicht einmal ein glas wasser angeboten: aber der wirt zum Engel hat guten wein, und noch bessere forellen. beim Ingenieur MúllerGND Icon sahe ich schóne reliefs und eine scházbare, doch dem staube zu ser ausgesezte Mineraliensammlung. in StanzWIKIDATA Icon sah ich VolmarsGND Icon gemälde vom abschiede des Nikl. v. FlueGND Icon, das mir weit besser gefiel als VogelsGND Icon scheußliche versammlung zu StanzWIKIDATA Icon, worin NiklausGND Icon so dünn als eine häringsseele mitten unter den gesandtschaftlichen carricaturen erscheint. zurückgekommen nach LuzernWIKIDATA Icon besuchte ich fúglistaller, der fleissig an seinem glossarium carolingicum St. gallense arbeitet; BusingerGND Icon, den faulen BalthassarGND Icon; aber auch die histor: Sammlung seines fleissigern und gelertern vaters, die nun juris publici geworden ist und wo Sie mein Bester! noch viel brauchbares für Ire ThurgoviaWIKIDATA Icon finden würden. Schade, daß der davon gedrukte catalog nicht so gut wie der Sinnersche von den BernWIKIDATA Iconer handschriften ist. Nun bin ich seit mereren tagen in BernWIKIDATA Icon & arbeite auf der Bibliotheke; wo zwar noch kein bibliothecar, aber interimistisch ein ser gefälliger Prof: DrechselGND Icon angestellt ist, der mir mit aller treue an die hand gehet: allein das stadt Leben will mir so wenig gefallen, daß ich schon anfange zuweilen zwischen den zänen zu murmeln: O rus! quando ego te aspiciam quandoque licebit etc. Ende der woche kommt H. v. MúlinenGND Icon nach der stadt, dann wird mein weiterer reise plan verabredet werden. wenn ich die offnung des staatsarchives zu freiburgWIKIDATA Icon erhalte; so gehe ich nach freiburgWIKIDATA Icon um den dortigen Schwabenspiegel zu sehen. Jezt aber neme ich abschied von InenGND Icon; denn die bibliothekstunde schlägt und die darf nicht versäumt werden. viele herzliche grüße an Sie und alle die Irigen; auch bitte ich mich im Scherb: hause und zu Hauptwil nicht zu vergessen. aus der Wyssischen auction habe ich eine große kiste voll bücher erstanden. nun guten tag und baldiges wiedersehen. SeppGND Icon.

Normalisierter Text

BernWIKIDATA Icon am 2. September 1830. Mein teurer Freund und Nachbar! Ich will nun mein Wort halten und Ihnen Bericht geben von meinem Tun und Treiben auf meiner ganz abenteuerlosen Reise. In ZürichWIKIDATA Icon war mein erster Gang zu dem biederen und guten Aurelius CiceroGND Icon, wo ich, neben herzlicher Aufnahme, schöne, seltene und sehr vortreffliche Codices zu sehen bekam; darunter auch ein paar merkwürdige St. Galler mit dem alten Klosterbibliothekstempel, die in dem Unglüksjahr 1712 der dortigen bibliotheca manuscripta entführt wurden. Dann gingen wir zusammen zu Herrn Pfarrer VägelinGND Icon, an dem ich einen ebenso feinen und gründlichen als gefälligen Mann kennenlernte. Auch Herr Dr. Meyer QuinctilianiGND Icon wurde besucht, und meine Ankunft schien ihn zu freuen: Auf den Herbst will er uns in ThurgauWIKIDATA Icon besuchen. Indessen waren meine Pferde gefüttert und ich fuhr frisch in die Welt hinein, bis mein vierrädriges Schiff endlich zu BeromünsterWIKIDATA Icon glücklich vor Anker ging, wo ich mich sogleich zu dem guten Stalder begab und mit altdeutscher Herzlichkeit von ihm aufgenommen und bewirtet wurde; denn er wollte mich durchaus nicht bei meinen Pferden lassen. In seiner Bibliothek sah ich viel Neues zum Sprachstudium Gehöriges, auf der Probstei bei dem gutmütigen und gar nicht unwissenden Probst Meyer SchauenseeGND Icon manches merkwürdige Alte und machte dort Auszüge aus einigen Urkunden; eine davon, welche mir den M. Sänger Hesso von RinachGND Icon als Chorherr zu MünsterWIKIDATA Icon und Probst zu SchönenwerthWIKIDATA Icon bekannt machte, schrieb ich ab. Die Urkunden der zweiten Stiftung (1036) durch Groß Ulrich von LenzburgGND Icon wurden mir nur in Abschrift gezeigt, die Originale aber versprochen; sowie noch mehreres, was davon gehalten wird, muss die Zeit lehren. Die "capsa obsoleta" ging diesmal für mich nicht auf; aber habe ich Ursache zu glauben, dass sie nicht so viel Merkwürdiges und Altes enthält, wie Johannes MüllerGND IconGND Icon glaubte, was auch FüglistallerGND Icons, der sie persönlich kennenlernen, eigene Meinung hierüber ist. Der Kirchenschatz enthält einige alte geschnittene Steine, Bücher in zierlich geschnitzten Deckeln von Elfenbein, Gold, Silber, mit und ohne Edelsteine und eine theologische Handschrift des 11. Jahrhunderts. In LuzernWIKIDATA Icon wurde mir eins meiner Pferde krank; ich nutzte diese Zeit, um einen Ausflug nach EngelbergWIKIDATA Icon an den Fuß des ungeheuren Titlis zu machen und die dortigen Handschriften ein wenig zu recognoscieren, welche wohl gegen 200 Bände betragen mögen; darunter einige schätzbare Klassiker und ein chronicon ineditum des Abt FrowinGND Icon aus dem 12. Jahrhundert. Ich glaube, dass man einem, der auf dieser Bibliothek arbeiten wollte, alle mögliche Freiheit und Bequemlichkeit gewährt würde; aber mit der zu IttnersGND Icon Zeiten so sehr gerühmten EngelbergWIKIDATA Icon Gastfreundschaft ist es am Ende: Mir ging es da noch schlimmer als dem Walter von der VogelweideGND Icon im Kloster TegernseeWIKIDATA Icon in BayernWIKIDATA Icon; denn mir wurde nicht einmal ein Glas Wasser angeboten: Aber der Wirt zum Engel hat guten Wein, und noch bessere Forellen. Beim Ingenieur MüllerGND Icon sah ich schöne Reliefs und eine schätzbare, doch dem Staub zu sehr ausgesetzte Mineraliensammlung. In Stanz sah ich VolmarsGND Icon Gemälde vom Abschied des NiklausGND Icon von Flüe, das mir weit besser gefiel als VogelsGND Icon scheußliche Versammlung zu Stanz, worin NiklausGND Icon so dünn wie eine Häringsseele mitten unter den gesandtschaftlichen Karikaturen erscheint. Zurückgekommen nach LuzernWIKIDATA Icon besuchte ich FüglistallerGND Icon, der fleißig an seinem Glossarium Carolingicum St. Gallense arbeitet; BusingerGND Icon, den faulen BalthassarGND Icon; aber auch die historische Sammlung seines fleißigeren und gelehrteren Vaters, die nun juris publici geworden ist und wo Sie, mein Bester! noch viel Brauchbares für Ihre ThurgoviaWIKIDATA Icon finden würden. Schade, dass der davon gedruckte Katalog nicht so gut wie der Sinnersche von den BernWIKIDATA Iconer Handschriften ist. Nun bin ich seit mehreren Tagen in BernWIKIDATA Icon und arbeite in der Bibliothek; wo zwar noch kein Bibliothekar, aber interimistisch ein sehr gefälliger Prof. DrechselGND Icon angestellt ist, der mir mit aller Treue an die Hand geht; aber das Stadtleben will mir so wenig gefallen, dass ich schon anfange, zuweilen zwischen den Zähnen zu murmeln: O RusGND Icon! Quando ego te aspiciam quandoque licebit etc. Ende der Woche kommt Herr von MülinenGND Icon nach der Stadt, dann wird mein weiterer Reiseplan verabredet werden. Wenn ich die Öffnung des Staatsarchives zu FreiburgWIKIDATA Icon erhalte, so gehe ich nach FreiburgWIKIDATA Icon, um den dortigen Schwabenspiegel zu sehen. Jetzt aber nehme ich Abschied von Ihnen; denn die Bibliotheksstunde schlägt und die darf nicht versäumt werden. Viele herzliche Grüße an Sie und alle die Ihren; auch bitte ich, mich im Scherzhaus und zu Hauptwil nicht zu vergessen. Aus der Wyssischen Auktion habe ich eine große Kiste voll Bücher erstanden. Nun guten Tag und baldiges Wiedersehen. SeppGND Icon.