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BischofzellWIKIDATA Icon, 25. Nov. 1830. Mein hochverehrter Herr und Meister! Ist es nicht, als wenn zwischen EppishausenWIKIDATA Icon und BischofzellWIKIDATA Icon die Erde einen Riß bekommen hätte, so daß wegen der Kluft niemand hinüber und herüber gelangen könne! Schon mehrere Wochen weiß ich gar nicht, wie es bei Ihnen und um Sie steht. Sie meinen wohl, ich sei selbst daran Schuld, hätte selbst bei Ihnen nachsehen können; allein die feuchte Witterung hat mir wieder schmerzhafte Nägel in die Zähne und Schläfe gebohrt, so daß ich nur, wenn die Noth gebeut, nicht zu Lust und Scherz mein Zimmer zu verlassen wage, und da Ihnen Ihre blaue Stube lieber ist, als der finstere Nebel, und die weiche Ottomane angenehmer als der Straßenkoth, können und wollen Sie freilich auch nicht zu mir kommen, und so bleiben wir einander so fremd, als wenn wir auf zwei verschiedenen Hemisphären wohnten. Sed quoniam senescentem mundum tanquam ad finem tendentem praeceps concludit brevitas, res gestas litteris mandari provida maiorum sanxit autoritas. Diesem guten Beispiele folge ich nach und bemerke Ihnen aber vor allem aus, daß die Leute in unserer alternden Welt, und besonders heute, sehr jugendlich und trotzig aussehen und wirklich im Begriffe sind, den Grund zu einem Staatsbaue zu legen, der der Ewigkeit trotzen soll. Ungeachtet nur die Bürger durch das Gesetz berufen waren, drängten sich doch auch die Nichtbürger in die Versammlung, in der Meinung, sie gehörten wohl noch sie mit mehr Recht als die Berufenen zu den Auserwählten. Was Sie jetzt mit einander in den heiligen Hallen über die Politik verhandeln, möchte ich wohl wissen; allein ich will mich nicht selbst einmischen, wenn ich schon so gut Recht oder Unrecht dazu hätte, als andere, sondern halte mich einstweilen am Buchstaben des Gesetzes und tröste mich meiner Mäßigung dadurch, daß ich meine Legitimität vor Ihnen rühme. FollenGND Icon hat mir gestern die Alpenrosen gesandt, und, wie er schreibt, auch Ihnen dieselben zugeschickt. Wenn Sie die AngelaGND Icon lesen, so werden Sie sich über ihre jetzige Gestalt wundern; allein sie ist eigentlich gar nicht mehr mein Geschöpf, da FollenGND Icon derselben ein anderes Kleid übergeworfen hat. Weil er es mir nicht nachlassen wollte, meine entworfene Arbeit der Vergessenheit zu übergeben, so sandte ich ihm dieselbe mit der Bedingung, daß er selbst den Stoff, wenn er etwas tauge, umforme und gestalte, was er nun auch gethan. Nur der dritte Theil der Romanze ist größten Theils unverändert geblieben. Den übrigen Text habe ich noch nicht gelesen, wohl aber die künstlerische Ausstattung besehen, und da scheint mir Ihre MadonnaGND Icon wirklich die Hauptzierde, der Gärtner StaxGND Icon aber die Hauptschwäche. Ich glaube überdies, der Satyriker sollte sich Leute seiner Zeit wählen, und halte daher die zu ihrer Zeit vielleicht ganz passende Zeichnung für veraltet. Mehr oder weniger läßt sich dies auf alle drei Stücke des Usterischen Nachlasses anwenden. "Drei Grafen, wahrscheinlich MontforteGND Icon, thun in KreuzlingenWIKIDATA Icon Profeß. Der erste, FriederichGND Icon, ein Schwager WelfGND Icons, Herzogs in SchwabenWIKIDATA Icon, schenkt HorgenzellGND Icon; die zwei andern, Enkel FriedrichsGND Icon und WelfGND Icons, waren Brüder, und zwar wurde der eine, Namens MangoldGND Icon, Herr zu Buchhorn, nach Propst HeinrichGND Icons Tode zum Abte gewählt; der andere, Namens RudolfGND Icon, begnügte sich mit den vier niedern Weihen und begabte das Stift mit der Pfarre ChelunWIKIDATA Icon an der SchussenWIKIDATA Icon und mit den Dörfern OwangenWIKIDATA Icon, MözebrunWIKIDATA Icon und HugenwylerWIKIDATA Icon [im ThurgauWIKIDATA Icon]. Als Bischoff HermannGND Icon die Kirche ChelunWIKIDATA Icon weihte, machte ein Ritter Rüdiger von HagenbachGND Icon dem Grafen RudolfGND Icon den Besitz der Kirche streitig, wurde aber vom Bischoff rechtlich zurückgewiesen, und WelfGND Icon zum Schutze des Klosters aufgerufen. Graf Konrad von HeiligenbergGND Icon als aduocatus des KelnhofsWIKIDATA Icon, unterstützte RudolfGND Icon. 1150. (Original Hirschlatter Lade 1, Nro. 24.)" So lautete eine Notiz des Klosters KreuzlingenWIKIDATA Icon, über die urkundliche Auskunft sehr wünschbar wäre, die aber das Archiv des Klosters nicht mehr geben kann, weil die Urkunden entweder verloren oder extradirt worden seien. Ich untersuchte die angegebene Lade und ihre Nachbarn sorgfältig; aber keine Spur fand ich ich von den angeführten Urkunden. Könnten Sie in StuttgartWIKIDATA Icon etwas darüber erfragen, so würden Sie dadurch dem episcopatus Constantiensis nicht weniger als der ThurgoviaWIKIDATA Icon und SueviaWIKIDATA Icon einen Dienst leisten. Auch in KreuzlingenWIKIDATA Icon hat man mir weitere Nachsuchungen versprochen; aber Sie wissen wohl, wie langsam solche im Winter von Statten gehen, besonders wo sie nicht aus Wissenschaft betrieben werden, sondern nur erbeten sind. Für Herrn GrimmGND Icon habe ich einige Copien besorgen lassen, die ich hier beilege; es sind die Offnungen von HefenhofenWIKIDATA Icon, EngwylenWIKIDATA Icon und WeinfeldenWIKIDATA Icon und die Fischerordnung, zusammen 11% Bogen. Sie haben die Fischerordnung ausdrücklich verlangt, sonst hätte ich dieselbe nicht copiern lassen; denn für Alterthumskunde und Dialektologie scheint daraus wenig zu gewinnen. Dagegen ist die Fischerordnung allerdings eine Haupturkunde für die Geschichte des Sees und seine Umgebung. Eine Fischerordnung vom obern See ist mir noch nie in die Hände gekommen. Noch eins: Als ich bei Herrn RosenlecherGND Icon in Schultheiß Kollektaneen blätterte, las ich im ersten Band p. 66. Bischof HeinrichGND Icon von Klingenberg, seine Mutter was edler als sein Vetter, was eine von CastellGND Icon, eine Burgerin von ConstanzWIKIDATA Icon. Daß es dort so heißt, das schwöre ich, die Hand auf die Reliquien der alten Sänger legend. Und was macht Ihre Gesundheit, was Ihre Gäste? Ich denke mir alles Gute davon. Den Kaiser HeinrichGND Icon sendet Herr von ImhofGND Icon, und einen Gruß dazu, den ich persönlich hätte abgeben sollen. Leben Sie wohl und vergessen Sie nicht ganz Ihren Pupikofer. N. S. Unser bibliopega GonzenbachGND Icon ist Kantonsrath geworden; ihm wird wahrscheinlich der jüngere AllispachGND Icon beigesellt!

Normalisierter Text

BischofzellWIKIDATA Icon, 25. Nov. 1830. Mein hochverehrter Herr und Meister! Ist es nicht, als wenn zwischen EppishausenWIKIDATA Icon und BischofzellWIKIDATA Icon die Erde einen Riss bekommen hätte, so dass wegen der Kluft niemand hinüber und herüber gelangen könnte! Schon mehrere Wochen weiß ich gar nicht, wie es bei Ihnen und um Sie steht. Sie meinen wohl, ich sei selbst daran schuld, hätte selbst bei Ihnen nachsehen können; allein die feuchte Witterung hat mir wieder schmerzhafte Nägel in die Zähne und Schläfe gebohrt, so dass ich nur, wenn die Not gebeut, nicht zu Lust und Scherz mein Zimmer zu verlassen wage, und da Ihnen Ihre blaue Stube lieber ist, als der finstere Nebel, und die weiche Ottomane angenehmer als der Straßenkoth, können und wollen Sie freilich auch nicht zu mir kommen, und so bleiben wir einander so fremd, als wenn wir auf zwei verschiedenen Hemisphären wohnten. Sed quoniam senescentem mundum tanquam ad finem tendentem praeceps concludit brevitas, res gestas litteris mandari provida maiorum sanxit autoritas. Diesem guten Beispiel folge ich nach und bemerke Ihnen aber vor allem aus, dass die Leute in unserer alternden Welt, und besonders heute, sehr jugendlich und trotzig aussehen und wirklich im Begriff sind, den Grund zu einem Staatsbau zu legen, der der Ewigkeit trotzen soll. Ungeachtet nur die Bürger durch das Gesetz berufen waren, drängten sich doch auch die Nichtbürger in die Versammlung, in der Meinung, sie gehörten wohl noch sie mit mehr Recht als die Berufenen zu den Auserwählten. Was Sie jetzt miteinander in den heiligen Hallen über die Politik verhandeln, möchte ich wohl wissen; allein ich will mich nicht selbst einmischen, wenn ich schon so gut Recht oder Unrecht dazu hätte, als andere, sondern halte mich einstweilen am Buchstaben des Gesetzes und tröste mich meiner Mäßigung dadurch, dass ich meine Legitimität vor Ihnen rühme. FollenGND Icon hat mir gestern die Alpenrosen gesandt, und, wie er schreibt, auch Ihnen dieselben zugeschickt. Wenn Sie die Angela lesen, so werden Sie sich über ihre jetzige Gestalt wundern; allein sie ist eigentlich gar nicht mehr mein Geschöpf, da FollenGND Icon derselben ein anderes Kleid übergeworfen hat. Weil er es mir nicht nachlassen wollte, meine entworfene Arbeit der Vergessenheit zu übergeben, so sandte ich ihm dieselbe mit der Bedingung, dass er selbst den Stoff, wenn er etwas tauge, umforme und gestalte, was er nun auch getan. Nur der dritte Teil der Romanze ist größtenteils unverändert geblieben. Den übrigen Text habe ich noch nicht gelesen, wohl aber die künstlerische Ausstattung besichtigt, und da scheint mir Ihre MadonnaGND Icon wirklich die Hauptzierde, der Gärtner StaxGND Icon aber die Hauptschwäche. Ich glaube überdies, der Satyriker sollte sich Leute seiner Zeit wählen, und halte daher die zu ihrer Zeit vielleicht ganz passende Zeichnung für veraltet. Mehr oder weniger lässt sich dies auf alle drei Stücke des Usterischen Nachlasses anwenden. "Drei Grafen, wahrscheinlich MontforteGND Icon, tun in KreuzlingenWIKIDATA Icon Profeß. Der erste, FriedrichGND Icon, ein Schwager WelfGND Icons, Herzogs in SchwabenWIKIDATA Icon, schenkt HorgenzellGND Icon; die zwei anderen, Enkel FriedrichGND Icons und WelfGND Icons, waren Brüder, und zwar wurde der eine, Namens MangoldGND Icon, Herr zu BuchhornWIKIDATA Icon, nach Propst HeinrichGND Icons Tode zum Abt gewählt; der andere, Namens RudolfGND Icon, begnügte sich mit den vier niederen Weihen und begabte das Stift mit der Pfarre ChelunWIKIDATA Icon an der SchussenWIKIDATA Icon und mit den Dörfern OwangenWIKIDATA Icon, MözebrunWIKIDATA Icon und HugenwylerWIKIDATA Icon [im ThurgauWIKIDATA Icon]. Als Bischoff HermannGND Icon die Kirche ChelunWIKIDATA Icon weihte, machte ein Ritter Rüdiger von HagenbachGND Icon dem Grafen RudolfGND Icon den Besitz der Kirche streitig, wurde aber vom Bischoff rechtlich zurückgewiesen, und WelfGND Icon zum Schutze des Klosters aufgerufen. Graf Konrad von HeiligenbergGND Icon als advocatus des KelnhofsWIKIDATA Icon, unterstützte RudolfGND Icon. 1150. (Original Hirschlatter Lade 1, Nro. 24.)" So lautete eine Notiz des Klosters KreuzlingenWIKIDATA Icon, über die urkundliche Auskunft sehr wünschbar wäre, die aber das Archiv des Klosters nicht mehr geben kann, weil die Urkunden entweder verloren oder extraditiert worden seien. Ich untersuchte die angegebene Lade und ihre Nachbarn sorgfältig; aber keine Spur fand ich von den angeführten Urkunden. Könnten Sie in StuttgartWIKIDATA Icon etwas darüber erfragen, so würden Sie dadurch dem episcopatus Constantiensis nicht weniger als der ThurgoviaWIKIDATA Icon und SueviaWIKIDATA Icon einen Dienst leisten. Auch in KreuzlingenWIKIDATA Icon hat man mir weitere Nachsuchungen versprochen; aber Sie wissen wohl, wie langsam solche im Winter vonstatten gehen, besonders wo sie nicht aus Wissenschaft betrieben werden, sondern nur erbeten sind. Für Herrn GrimmGND Icon habe ich einige Kopien besorgen lassen, die ich hier beilege; es sind die Offnungen von HefenhofenWIKIDATA Icon, EngwylenWIKIDATA Icon und WeinfeldenWIKIDATA Icon und die Fischerordnung, zusammen 11% Bogen. Sie haben die Fischerordnung ausdrücklich verlangt, sonst hätte ich dieselbe nicht kopieren lassen; denn für Altertumskunde und Dialektologie scheint daraus wenig zu gewinnen. Dagegen ist die Fischerordnung allerdings eine Haupturkunde für die Geschichte des Sees und seine Umgebung. Eine Fischerordnung vom oberen See ist mir noch nie in die Hände gekommen. Noch eins: Als ich bei Herrn RosenlecherGND Icon in Schultheiß Kollektaneen blätterte, las ich im ersten Band auf Seite 66. Bischof HeinrichGND Icon von Klingenberg, seine Mutter war edler als sein Vetter, was eine von CastellWIKIDATA Icon, eine Bürgerin von KonstanzWIKIDATA Icon. Dass es dort so heißt, das schwöre ich, die Hand auf die Reliquien der alten Sänger legend. Und was macht Ihre Gesundheit, was Ihre Gäste? Ich denke mir alles Gute davon. Den Kaiser HeinrichGND Icon sendet Herr von ImhofGND Icon, und einen Gruß dazu, den ich persönlich hätte abgeben sollen. Leben Sie wohl und vergessen Sie nicht ganz Ihren Pupikofer. N. S. Unser Buchbinder GonzenbachGND Icon ist Kantonsrat geworden; ihm wird wahrscheinlich der jüngere AllispachGND Icon beigesellt!