Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
E: am 15. Hornung 1831.
P: P:
Ungeachtet Sie mein vererter Herr und Freund! eben kein großes verlangen nach den
Schultheiss: collectaneen sehen liessen; sende ich sie Inen dennoch; weil ich mich
beim durchgehen derselben überzeugt habe, daß dieselben manches enthalten, was Sie
bei einer neuen bearbeitung Irer Thurgauer geschichte, zu vermissen bereuen würden.
ich habe es versucht in beiligendem muster zu zeigen, wie man ein brauchbares register
über den vorliegenden band anfertigen könnte; wollten Sie sich dieser bemühung unterziehen;
so konnte ich nach und nach alle bånde von Constanz kommen lassen, und wir hatten dann ein vollständiges repertorium über die ganze scházbare
sammlung; welche für die Thurgauische geschichte eine ergiebige fundgrube zu sein
scheint. Manche bånde, welche ziemlich aphoristisch geschrieben sind, müsste man freilich
zum großen teile ausziehen; aber das würde ja bei benuzung derselben zu irgend einer
literar: arbeit onehin der fall sein. Ich komme wieder wie der alte Kato
mit seinem Karthago
, auf die Basler grabsteine der HH und frauen von Klingen
zurük. Mein staats und kabinets Spion H Fehr
zu frauenfeld
teilt mir aus seiner hóchst wichtigen privatcorrespondenz die kunde mit, daß die
gute stadt Basel
sich wieder in vollkommenstem friedenszustande befinde, woraus ich schließe, daß
sowol der originalbesizer H antistes Falkeisen
, als auch der andere copialische geistliche H Diacon N.
nicht mer auf feld- und lager-reden zu studiren brauchen und wage daher die bitte,
wenn es one unbescheidenheit sein kann, in betreff der fraglichen copien wieder einmal
nachfrage zu halten und sollicitando meine angelegenheit und mit derselben jene des
alten Minnesängers Walter v. K.
befördern zu helfen. Heute habe ich einen brief von dem H. Hauptmann v
. Besserer
zu Ulm
erhalten, der mich einladet, dem dortigen vereine, welcher die alten Lieder und Sagen
Schwabens
sammeln will, beizutretten. Die leute meinen; weil ich einen Liedersaal herausgebe,
so kónne ich die Lieder nur aus dem Ermel schütteln. Die zeit ist vorbei, wo man solche
sammlungen machen konnte, unsere våter, zu deren zeit noch nicht alles verschollen
war, håtten es noch gekonnt: aber die hatten anderes zu tun, und de mortuis, non nisi
bene! Morgen ist mittwoche, vor zeiten erhielt ich an diesem tage besuch aus der Episcopalis
cella ach! vor zeiten, waren gute zeiten! aber alles nimmt ein ende und somit auch
die besuche! Adieu, und viele grüße an weib und kind von Irem
Laßbergius.
Dem hrn. Decan bitte ich, nebst meinem verbindichsten Dank die morgenblåtter wieder
zurückzustellen und In meinen bittlichsten wunsch wissen zu lassen: auch mit der andern
hálfte des jargangs 1830 erfreut zu werden. Noch eins soll ich Inen melden, näml:
den binnen 11 tagen erfolgten hintritt des Karl Schónhut
zu hohen Twiel an den folgen einer erkältung. R. I. P.
!
Normalisierter Text
Am 15. Februar 1831.
Sehr geehrter Herr und Freund!
Obwohl Sie kein besonderes Interesse an den Schultheiss: Collectaneen zu haben scheinen, schicke ich sie Ihnen dennoch, da ich beim Durchgehen derselben
festgestellt habe, dass sie manches enthalten, was Sie bei einer neuen Bearbeitung
Ihrer Thurgauer Geschichte vermissen würden. Ich habe versucht, in der beiliegenden
Muster zu zeigen, wie man ein brauchbares Register über den vorliegenden Band anfertigen
könnte. Wenn Sie sich dieser Mühe unterziehen würden, könnte ich nach und nach alle
Bände von Konstanz kommen lassen und wir hätten dann ein vollständiges Repertorium
über die ganze schätzbare Sammlung, die für die Thurgauische Geschichte eine ergiebige
Fundgrube zu sein scheint. Manche Bände, die ziemlich aphoristisch geschrieben sind,
müsste man allerdings größtenteils ausschließen, aber das würde ja ohnehin der Fall
sein, wenn man sie für irgendeine literarische Arbeit nutzen würde. Ich komme wieder
wie der alte Kato mit seinem Karthago
auf die Basler Grabsteine der HH und Frauen von Klingen
zurück. Mein Staats- und Kabinetsspion H. Fehr zu
Frauenfeld
teilt mir aus seiner höchst wichtigen Privatkorrespondenz mit, dass die gute Stadt
Basel
sich wieder in vollkommenstem Friedenszustand befindet, woraus ich schließe, dass
sowohl der Originalbesitzer H. Antistes Falkeisen
als auch der andere kopiische geistliche H Diacon N.
nicht mehr Feld- und Lagerreden studieren brauchen. Daher wage ich die Bitte, wenn
es nicht unbescheiden ist, bezüglich der fraglichen Kopien wieder einmal nachzufassen
und sollicitando meine Angelegenheit und mit derselben jene des alten Minnesängers
Walter v. K.
zu fördern. Heute habe ich einen Brief von dem H. Hauptmann v
. Besserer
in Ulm
erhalten, der mich einlädt, dem dortigen Verein beizutreten, der die alten Lieder
und Sagen Schwabens
sammeln will. Die Leute meinen, weil ich einen Liedersaal herausgebe, könne ich die
Lieder nur aus dem Ärmel schütteln. Die Zeit ist vorbei, wo man solche Sammlungen
machen konnte, unsere Väter, zu deren Zeit noch nicht alles verschollen war, hätten
es noch gekonnt, aber die hatten anderes zu tun, und De mortuis, non nisi bene! Morgen
ist Mittwoch, früh bekam ich früher an diesem Tage Besuch aus der Episcopalis Cella, ach! Früher waren gute Zeiten! Aber alles nimmt ein Ende und somit auch die Besuche!
Adieu, und viele Grüße an Frau und Kind von Ihrem Laßbergius
.
Dem Herrn Decan bitte ich, nebst meinem verbindlichsten Dank die Morgenblätter wieder
zurückzustellen und mir meinen bittlichsten Wunsch wissen zu lassen: auch mit der
anderen Hälfte des Jahrgangs 1830 erfreut zu werden. Noch eins soll ich Ihnen mitteilen,
nämlich den binnen 11 Tagen erfolgten Hinschied des Karl Schönthut
zu hohen Twiel an den Folgen einer Erkältung. R. I.
P.
!