Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Mein hochverehrter Herr und Nachbar!
Indem ich heute nach Hause kam, lag schon ein Paket für Sie bereit, in welchem wahrscheinlich
Morgenblätter enthalten sind. Die Gelegenheit benutzend, schließe ich Ludens Geschichte des deutschen Volkes bei und füge die Bemerkung bei, daß der Eigenthümer
derselben, Herr Provisor Mörikofer
, nur bis zu den einliegenden Zeichen gelesen und daher zur Befriedigung seiner Neugierde
den Wunsch geäußert habe, das Werk bald wieder zu erhalten. Vierzehn Tage Zeit dürfen
Sie sich indessen, wie ich denke, doch wohl nehmen. Ungeachtet mit dem zweiten Bande
der Subscriptions - Preis geschlossen wurde, ist doch noch bei Trachsler
in Zürich
ein Exemplar um den Subscriptions - Preis erhältlich, wenn nicht seit dem Julius
verkauft wurde. Der letzthin erschienene fünfte Band geht bis auf Karl den Großen
. Das freundschaftliche Schreiben, mit welchem Sie gestern den übersandten Band Schulth
eß Kollektaneen begleiteten, hat mir, nachdem Sie mich bereits mündlich von desselben
Inhalt benachrichtigt hatten, einen angenehmen Nachgenuß gewährt, mich aber auch zugleich
etwas scharf berührt. Sie scheinen mir vorzuwerfen, daß ich wenig Interesse für eine
Schrift gezeigt habe, von der Sie doch voraussetzen zu dürfen glaubten, sie werde
mich sehr ansprechen. Sie scheinen mir abermals vorzuwerfen, daß ich nicht wie früher
in meinen Besuchen zu Eppishausen
fleißig sei. Der letztere Vorwurf ist insofern sehr schmeichelhaft für mich, als
er mir ein Beweis ist, daß Ihnen meine Besuche angenehm seien; aber wenn derselbe
aus der Meinung hervorgegangen wäre, daß ich an Interesse für historische Gegenstände
und somit wohl auch an Interesse für die villa Epponis
abgenommen habe, so würden Sie mir zum Theil Unrecht thun -; ich sage zum Theil,
wie fern nämlich allerdings körperliche Leiden, denen ich seit mehreren Monaten anheim
gegeben war, meine wissenschaftliche Thätigkeit etwas gelähmt haben und selbst meine
Besuche bei Ihnen seltener machten. Dagen kann ich Sie versichern, daß mir diese an
mir von mir selbst wahrgenommene Erscheinung schon schmerzhaft genug war, und ich
wohl eher des Trostes, als eines Vorwurfes bedurft hätte. Doch auch dieser Vorwurf
ist zu spät gekommen, da ich wieder neue Lust und Kraft fühle und selbst meine Besuche
bei Ihnen wieder fleißiger zu wiederholen angefangen habe. Wenn es mit meiner Gesundheit
nun so fort geht, so sollen Sie keine Ursache haben, weiter über mich und mein Wegbleiben
zu klagen; denn jedermann weiß ja, daß ich meine Freistunden nirgends lieber zubringe,
als bei Ihnen, und was in Bischofzell
selbst die Kinder wissen, das werden Sie doch wohl selbt auch glauben! Das Register
über Schulth
. Kollektaneen will ich schon machen, und ich hoffe, es werde ganz nach Ihrem Sinne
ausfallen. Allerdings wird der Gewinn für die Thurgovia
nicht unbedeutend sein, wenn auch die übrigen Bände von mir benutzt werden können,
und damit Herr Rosenlächer
nicht in Verlegenheit komme, will ich eilen, so viel Zeit und Arbeit gestattet. Meine
Frau trägt mir ihre Empfehlungen an Sie auf. Sie behauptet, letzte Nacht gar nicht
wohl geschlafen zu haben; so ungewohnt ist ihr meine Abwesenheit. Dagegen wünscht
sie, daß Sie ihr einen Platz in Ihrem Wagen gestatten, wenn wir einmal nach Blumenegg
wallfahren. Der Bote wartet, und so schließe ich mit der Versicherung, daß ich mit
herzlicher Ergebenheit bin
Ihr Pupikofer.
Bischofzell
, 17. Feb. 1831.
Normalisierter Text
Mein hochverehrter Herr und Nachbar!
Indem ich heute nach Hause kam, lag schon ein Paket für Sie bereit, in welchem wahrscheinlich
Morgenblätter enthalten sind. Die Gelegenheit benutzend, schließe ich Ludens Geschichte des deutschen Volkes bei und füge die Bemerkung bei, dass der Eigentümer
derselben, Herr Provisor Mörikofer
, nur bis zu den einliegenden Zeichen gelesen und daher zur Befriedigung seiner Neugierde
den Wunsch geäußert habe, das Werk bald wieder zu erhalten. Vierzehn Tage Zeit dürfen
Sie sich indessen, wie ich denke, doch wohl nehmen. Ungeachtet mit dem zweiten Bande
der Subscriptions - Preis geschlossen wurde, ist doch noch bei Trachsler
in Zürich
ein Exemplar um den Subscriptions - Preis erhältlich, wenn nicht seit dem Juli verkauft
wurde. Der letzthin erschienene fünfte Band geht bis auf Karl den Großen
. Das freundschaftliche Schreiben, mit welchem Sie gestern den übersandten Band Schulth
eß 'Kollektaneen' begleiteten, hat mir, nachdem Sie mich bereits mündlich von desselben Inhalt benachrichtigt
hatten, einen angenehmen Nachgenuß gewährt, mich aber auch zugleich etwas scharf berührt.
Sie scheinen mir vorzuwerfen, dass ich wenig Interesse für eine Schrift gezeigt habe,
von der Sie doch voraussetzen zu dürfen glaubten, sie werde mich sehr ansprechen.
Sie scheinen mir abermals vorzuwerfen, dass ich nicht wie früher in meinen Besuchen
zu Eppishausen
fleißig sei. Der letztere Vorwurf ist insofern sehr schmeichelhaft für mich, als
er mir ein Beweis ist, dass Ihnen meine Besuche angenehm seien; aber wenn derselbe
aus der Meinung hervorgegangen wäre, dass ich an Interesse für historische Gegenstände
und somit auch an Interesse für die Villa Epponis
abgenommen habe, so würden Sie mir zum Teil Unrecht tun -; ich sage zum Teil, weil
nämlich allerdings körperliche Leiden, denen ich seit mehreren Monaten anheim gegeben
war, meine wissenschaftliche Tätigkeit etwas gelähmt haben und selbst meine Besuche
bei Ihnen seltener machten. Dagegen kann ich Sie versichern, dass mir diese an mir
von mir selbst wahrgenommene Erscheinung schon schmerzhaft genug war, und ich wohl
eher des Trostes, als eines Vorwurfes bedurft hätte. Doch auch dieser Vorwurf ist
zu spät gekommen, da ich wieder neue Lust und Kraft fühle und selbst meine Besuche
bei Ihnen wieder fleißiger zu wiederholen angefangen habe. Wenn es mit meiner Gesundheit
nun so weitergeht, so sollen Sie keine Ursache haben, weiter über mich und mein Wegbleiben
zu klagen; denn jedermann weiß ja, dass ich meine Freistunden nirgends lieber zubringe,
als bei Ihnen, und was in Bischofzell
selbst die Kinder wissen, das werden Sie doch wohl selbst auch glauben! Das Register
über Schulth
. Kollektaneen will ich schon machen, und ich hoffe, es werde ganz nach Ihrem Sinn ausfallen. Allerdings
wird der Gewinn für die Thurgovia nicht unbedeutend sein, wenn auch die übrigen Bände von mir benutzt werden können,
und damit Herr Rosenlächer
nicht in Verlegenheit komme, will ich eilen, so viel Zeit und Arbeit gestattet. Meine
Frau trägt mir ihre Empfehlungen an Sie auf. Sie behauptet, letzte Nacht gar nicht
wohl geschlafen zu haben; so ungewohnt ist ihr meine Abwesenheit. Dagegen wünscht
sie, dass Sie ihr einen Platz in Ihrem Wagen gestatten, wenn wir einmal nach Blumenegg
wallfahren. Der Bote wartet, und so schließe ich mit der Versicherung, dass ich mit
herzlicher Ergebenheit bin
Ihr Pupikofer.
Bischofzell
, 17. Feb. 1831.