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Eppishausen am 13. Octobers 1831. Ich habe, mein teurer Uhlandus! Iren Brief vom 5. dieses aus Stuttgart, und die Bücher aus Tübingen lezten Dienstag mit einander erhalten: allein, Grimm ist schon am 7. abgereiset und wird warscheinlich die Freude gehabt haben Sie noch in Stuttgart anzutreffen; er war aber entschlossen Sie in Tübingen aufzusuchen und Sie haben also auf alle Fälle die persönliche Bekanntschaft dieses eben so liebenswürdigen als gelerten Mannes zu machen: ich habe in nur 8 Tage bei mir gehabt und diese sind entflohen wie wenn es nur so viel Stunden gewesen wären; so daß ich am Ende mich und in fragte; ist es der Mühe wert beinahe 100 Meilen zu reisen um einer Woche willen? aber, der Mensch ist nie ganz zufrieden, auch wenn er alt ist. Daß der gute Vater der lieben Mutter nachgezogen ist, habe ich wol erwartet! Wenn man lange beisammen in einem Nest gesessen ist, und das eine fliegt fort; so mags das Andere auch nimmer lange allein erleiden. Gegen die Ordnung der Natur wollen wir uns nicht vergeblich auflenen und die woltätige Hand der Zeit wirken lassen, Gott wird uns auch weiter forthelfen! Zwei Tage nach Grimms Abreise kam mein ältester Freund Hug aus Freiburg an er und ich sind allein noch aus dem sodalitium von 1787 übrig! Aber mein armer Freund Leonhard ist lebensmüde, und auch sein Körper scheint es zu sein; die injuriae temporum haben zu gewaltig auf in eingewirkt; er hat mich gestern Abends verlassen und ich zweifle, ob ich in diesseits der Asphodeluswiese wiedersehen werde! Der Gedanke von meinen Zeitgenossen bald nur noch allein da zu stehen, hat zwar für mich nichts Schrekliches; aber einer innigen Wehemut kann ich mich dabei doch nicht erweren danach folgt dann die Sensucht nach dem Lande wo die Vorangegangenen wonen, und zulezt kömint der lange Schlaf, in dem wir allerlei sehen werden. Genug von diesem! Hier folgt der König Oswa l d, die Schrift ist schlecht aber getreu, ich habe sie in einer traurigen Gemütsstimmung gemacht, wo es mir Woltat war meine ganze Aufmerksamkeit auf einen fremden Gegenstand zu richten. Meusebach hat, nach 3jährigem Stillschweigen, sich auch wieder vernemen lassen, er arbeitet noch fleißig an seinem Fischart; allein, er ist so voll aber, und wenn? als Hans Benedix der Schäfer des Abts von St. Gallen und so mache ich keine große Hofnungen auf die Herausgabe seiner Arbeit. Lachmann hat mir auch geschrieben, und seine beiden Abhandlungen: über die Nibelungen und über die alten Leiche geschikt, welche Sie vermutlich auch schon haben werden. Aus der ersten habe ich die Warheit zu gestehen nicht viel neues gelernt, auch scheint sie mir für den großen Gegenstand unzulänglich; der lezten aber muß ich allen meinen Beifall geben. Haben Sie auf den: Anzeiger des Herrn von Aufseß, für Kunde des deutschen Mittelalters noch nicht subscribirt, so bitte ich um die Erlaubniß Fren Namen auf meine Liste sezen zu dürfen. Der Constanzer Bote ist im Hause, ich muß schließen. Leben Sie wol und grüßen Sie herzlich Frau Emma von Frem Laßberg.