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Mein hochverehrter Herr und Nachbar! Mit vielem Dank sende ich Ihnen zwei LachmannGND Icon'sche Schriftchen zurück die Sie mir zu leihen die Güte hatten. Ich muß zwar sagen, daß ich durch die Kritik der NibelungenSage wenig erbaut worden bin und von Herrn LachmannGND Icon etwas ganz anderes oder vielmehr nichts über einen Gegenstand erwartete, der so unergründlich ist. Nicht die Urfabel des Liedes ist ja die Hauptsache, sondern was der Dichtergeist des Volks daraus gemacht hat. Haben wir in den Worten Laich, Froschlaich nicht eine Andeutung des Ursprungs der Benennung Leiche? Die Verse und Strophen hängen ja auch so zusammen, daß man nirgends an dem gewohnten Orte einen Ruhepunkt findet, sondern, wenn ein Gedanke aufhört, durch das Metrum fortzulesen gezwungen ist. Nehmen wir jene etymologische Bedeutung an, so müssen wir uns nicht wundern, wenn in die Leiche der mittelalterlichen Dichter so viel Wasser sich eingedrängt hat. Da ich mit dem ersten Band von CrusiusGND Icon fertig bin, will ich Ihnen denselben nicht länger vorenthalten. Es fällt mir auf, daß Sie, gegen Ihre Gewohnheit, so wenige Gedenkzeichen in das Buch eingelegt oder eingeschrieben haben. Ich merkte mir einiges, was auch für Sie zwar nicht an sich, aber in so fern, als es sich auch bei CrusiusGND Icon findet, fremd oder nicht ganz erinnerlich sein mag: S. 501. nennen sich die Grafen von TübingenWIKIDATA Icon auch von RugkWIKIDATA Icon und GernhausenWIKIDATA Icon; damit ist zu vergleichen, was S. 590 u. 669b von den Lehensmännern zu RuckWIKIDATA Icon steht. KonradGND Icon und HeinrichGND Icon, Schwestersöhne derer von RuckWIKIDATA Icon. S. 547a. Marg. v. HabsburgGND Icon 1131 ist sonst gar nicht bekannt. S. 546a. Poppo von KyburgGND Icon kommt ebenfalls sonst nirgends vor. S. 633b Mechthild von KemenatunGND Icon und ArbonGND Icon. S. 650a. KonradGND Icon v. Ramschwag. S. 735. HeinrichGND Icon von Meißen und sein schönes Turnier. S. 682, 820b, 825b. AnwylGND Icon. S. 850a. Der Dichter KumierGND Icon. S. 857a. Eberhard v. ToggenburgGND Icon, vgl. 852a, sonst unbekannt. S. 881b. NeithardGND Icon, der Fuchs. S. 956. Enthauptungsmaschine zu HallWIKIDATA Icon. Es ist nur zu bedauern, daß CrusiusGND Icon so oft sich selbst widerspricht und durch entgegengesetzte Angabe das Vertrauen auf seine Autorität in Angelegenheiten schwächt, die er allein erzählt und wovon er keine Nachweisungen gibt. Noch eines: Wie kommt es wohl, daß im Geschlechtsverzeichnisse KonradGND Iconins p. 831 dem KonradGND Iconin eine Nachkommenschaft gegeben wird? Ist's Übereilung des Autors oder des Setzers? Ich habe, indem ich p. 698a, 733a und besonders p. 863b über das Geschlecht SulmeisterGND Icon und ihr Wappen las, bedauert, daß ich das Wappen des Schulmeisters von EẞlingenWIKIDATA Icon nicht vergleichen konnte, und so hatte ich auch über die Angelegenheiten UlmsWIKIDATA Icon und der ReichenauWIKIDATA Icon bei p. 651 mit großem Leidwesen meine Auszüge aus Gallus ÖhmWIKIDATA Icon vermißt. Ich weiß gar nicht, wem ich dieselben geliehen haben könnte. Wohl bot ich dieselben Ihnen zu der Zeit an, als Sie Ihre Abschrift vermißten; aber ich kann mich nicht erinnern, daß ich Ihnen dieselben wirklich gab. Man sollte sich eben solche vereinzelte Bogen zusammen binden lassen mit andern; ich will es nun wirklich thun und werde Sie daher, wenn ich wieder zu Ihnen komme, um die Fischinger Archiv-Auszüge bitten, so fern Sie bis dann Zeit haben, dieselben zu durchsehen. Auch um den Thomas MorusGND Icon muß ich Sie alsdann ersuchen, da er nicht mir, sondern dem Leseverein angehört und von mir weiter spedirt werden soll. FarelGND Icons Leben habe ich, Ihre Erlaubniß voraussetzend, Herrn von ImhofGND Icon geliehen, der von dem Besuche bei Ihnen glücklich und ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen, nach Hause zurückgekehrt ist und nun an FarelGND Icon und seinem Verfasser manche beifällige und kritische Freude findet; denn durch seine Selbstbildung hat er sich von manchem Vorurtheile frei gemacht, das selbst Männer, die Anderer Lehrer sind, nicht haben loswerden können. Von dem Ur-Parzifal und andern Französisch-Gallischen Epopöen habe auch ich nun im Morgenblatte gelesen. Wenn alles, was dort gesagt ist, aus der Wahrheit fliesst, so muss auch ich noch das Altfranzösische lernen; denn weder Griechen noch RömerWIKIDATA Icon können alsdann einem Deutschen Entschädigung für das gewähren, was jene erst jetzt aus dem Staube hervorkriechende Litteratur gewähren wird. Bis aber diese Versprechungen durch die Presse in Erfüllung gebracht sind, gebe ich mich unterdessen mit Thurg. Urkunden, die wieder durch die Tobler Offnung, von der Sie auch eine Abschrift haben sollen, vermehrt worden sind, zufrieden und mit den Schätzen, die Ihr Tusculum so zuvorkommend darbietet. In der Hoffnung, Sie bald wieder zu sehen, und zwar wieder gesund und fieberfrei, bin ich Ihr Ergebenster Diakon Pupikofer. BischofzellWIKIDATA Icon, 10. Dez. 1831. Erhalten am 13. Christmonat 1831. (Note v. LaßbergGND Icon.)

Normalisierter Text

Mein hochverehrter Herr und Nachbar! Mit vielem Dank sende ich Ihnen zwei LachmannGND Iconsche Schriftchen zurück, die Sie mir zu leihen die Güte hatten. Ich muss zwar sagen, dass ich durch die Kritik der Nibelungen-Sage wenig erbaut worden bin und von Herrn LachmannGND Icon etwas ganz anderes, oder vielmehr nichts über einen Gegenstand erwartete, der so unergründlich ist. Nicht die Urfabel des Liedes ist ja die Hauptsache, sondern was der Dichtergeist des Volks daraus gemacht hat. Haben wir in den Worten Laich, Froschlaich nicht eine Andeutung des Ursprungs der Benennung Leiche? Die Verse und Strophen hängen ja auch so zusammen, dass man nirgends an dem gewohnten Ort einen Ruhepunkt findet, sondern, wenn ein Gedanke aufhört, durch das Metrum fortzulesen gezwungen ist. Nehmen wir jene etymologische Bedeutung an, so müssen wir uns nicht wundern, wenn in die Leiche der mittelalterlichen Dichter so viel Wasser sich eingedrängt hat. Da ich mit dem ersten Band von CrusiusGND Icon fertig bin, will ich Ihnen denselben nicht länger vorenthalten. Es fällt mir auf, dass Sie, gegen Ihre Gewohnheit, so wenige Gedenkzeichen in das Buch eingelegt oder eingeschrieben haben. Ich merkte mir einiges, was auch für Sie, zwar nicht an sich, aber insofern es sich auch bei CrusiusGND Icon findet, fremd oder nicht ganz erinnerlich sein mag: S. 501. nennen sich die Grafen von TübingenWIKIDATA Icon auch von RugkWIKIDATA Icon und GernhausenWIKIDATA Icon; damit ist zu vergleichen, was S. 590 u. 669b von den Lehensmännern zu RuckWIKIDATA Icon steht. KonradGND Icon und HeinrichGND Icon, Schwestersöhne derer von RuckWIKIDATA Icon. S. 547a. Marg. v. HabsburgGND Icon 1131 ist sonst gar nicht bekannt. S. 546a. Poppo von KyburgGND Icon kommt ebenfalls sonst nirgends vor. S. 633b Mechthild von KemenatunGND Icon und ArbonGND Icon. S. 650a. KonradGND Icon v. Ramschwag. S. 735. HeinrichGND Icon von Meißen und sein schönes Turnier. S. 682, 820b, 825b. AnwylGND Icon. S. 850a. Der Dichter KumierGND Icon. S. 857a. Eberhard v. ToggenburgGND Icon, vgl. 852a, sonst unbekannt. S. 881b. NeithardGND Icon, der Fuchs. S. 956. Enthauptungsmaschine zu HallWIKIDATA Icon. Es ist nur zu bedauern, dass CrusiusGND Icon so oft sich selbst widerspricht und durch entgegengesetzte Angabe das Vertrauen auf seine Autorität in Angelegenheiten schwächt, die er allein erzählt und wovon er keine Nachweise gibt. Noch eines: Wie kommt es wohl, dass im Geschlechtsverzeichnis KonradGND Iconins p. 831 dem KonradGND Iconin eine Nachkommenschaft gegeben wird? Ist es Übereilung des Autors oder des Setzers? Ich habe, indem ich p. 698a, 733a und besonders p. 863b über das Geschlecht SulmeisterGND Icon und ihr Wappen las, bedauert, dass ich das Wappen des Schulmeisters von EsslingenWIKIDATA Icon nicht vergleichen konnte, und so hatte ich auch über die Angelegenheiten UlmsWIKIDATA Icon und der ReichenauWIKIDATA Icon bei p. 651 mit großem Leidwesen meine Auszüge aus Gallus ÖhmWIKIDATA Icon vermisst. Ich weiß gar nicht, wem ich dieselben geliehen haben könnte. Wohl bot ich dieselben Ihnen zu der Zeit an, als Sie Ihre Abschrift vermissten; aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich Ihnen dieselben wirklich gab. Man sollte sich eben solche vereinzelte Bogen zusammenbinden lassen mit anderen; ich will es nun wirklich tun und werde Sie daher, wenn ich wieder zu Ihnen komme, um die Fischinger Archiv-Auszüge bitten, sofern Sie bis dann Zeit haben, dieselben zu durchsehen. Auch um den Thomas MorusGND Icon muss ich Sie dann ersuchen, da er nicht mir, sondern dem Leseverein angehört und von mir weiter spediert werden soll. FarelGND Icons Leben habe ich, Ihre Erlaubnis vorausgesetzt, Herrn von ImhofGND Icon geliehen, der von dem Besuch bei Ihnen glücklich und ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen, nach Hause zurückgekehrt ist und nun an FarelGND Icon und seinem Verfasser manche beifällige und kritische Freude findet; denn durch seine Selbstbildung hat er sich von manchem Vorurteil frei gemacht, das selbst Männer, die anderer Lehrer sind, nicht haben loswerden können. Von dem Ur-Parzifal und anderen Französisch-Gallischen Epopöen habe auch ich nun im Morgenblatt gelesen. Wenn alles, was dort gesagt ist, aus der Wahrheit fließt, so muss auch ich noch das Altfranzösische lernen; denn weder Griechen noch RömerWIKIDATA Icon können alsdann einem Deutschen Entschädigung für das gewähren, was jene erst jetzt aus dem Staub hervorkriechende Literatur gewähren wird. Bis aber diese Versprechungen durch die Presse in Erfüllung gebracht sind, gebe ich mich unterdessen mit Thurgauer Urkunden, die wieder durch die Tobler Öffnung, von der Sie auch eine Abschrift haben sollen, vermehrt worden sind, zufrieden und mit den Schätzen, die Ihr Tusculum so zuvorkommend darbietet. In der Hoffnung, Sie bald wieder zu sehen, und zwar wieder gesund und fieberfrei, bin ich Ihr Ergebenster Diakon Pupikofer. BischofzellWIKIDATA Icon, 10. Dezember 1831. Erhalten am 13. Christmonat 1831. (Note von LaßbergGND Icon.)