Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
E am 17 Hornung 1832.
als ich heute in meinem nebenzimmer nach den im vorigen herbste verraumten analectis
Fischingensibus suchte, fand ich statt derselben, einen schon am St. Silvester tage
ein gepakten und für Sie pro strôna bestimmten kupferstich; den ich auch wirklich
abgesandt glaubte. So gehet es den alten und vergesslichen leuten! mit denen man am
ende am besten tun würde, sie wie unsere heidnischen vorfaren, hinunter zu schaufeln,
damit sie keine dumme streiche mer machen können. Nemen Sie mein lieber nachbar! die
kleine gabe auch jezt noch an, als wenn sie zu rechter zeit gekommen wåre und wenn
Sie das Bild in Irer stube aufhángen und manchmal ansehen; so denken Sie dabei auch
ein oder das andere mal an den alten einsiedler in der waldklause, der Inen
und den Irigen nicht nur am neuen jare, sondern alle wochen und tage darin gutes
wünscht. Die Fischingischen excerpte habe ich noch nicht gefunden, bin aber gewiss,
daß sie nur untergeschoben und nicht verloren sind: der gute H Zellweger
wurde doch in seinem gegenwärtigen zustande keinen gebrauch davon machen kónnen,
und in einigen tagen bin ich versichert sie wieder aufzuspüren. Über eine andere und
neuere vergesslichkeit muß ich mich vor Inen
anklagen. H. Tobler
in Frauenfeld
sandte mir 3 sogenannte hetrurische gefasse, welche zu Baiae bei Neapel
durch schweizer soldaten ausgegraben wurden, zum ansehen. ich wollte sie nicht zurüksenden,
one sie Inen
gezeigt zu haben; allein, Ir kurzer aufenthalt am mittwoche, ließ mich nicht daran
denken. ich sende sie Inen
also jezt zu, damit sie dieselben betrachten können, und bitte Sie nachste woche,
wenn Sie nach frauenfeld
gehen, dieselben dem H. Tobler
wieder zuzustellen. der kopf auf der lampe schien mir anfangs ein Frosch zu sein,
weil ich das gefáß verkert in die hand nam, ich hielt es für das zeichen des tópfers
der Bárpayos geheissen habe; allein da ich es umkerte, fand ich einen Perseuskopf, den wol manche
andere für einen Mercur, was er nicht ist, halten werden. Das ware so ein kleiner
anfang; oder besser beitrag zu einem künftigen Thurgauischen Museum. adde parvum parvo,
magnus acervus erit. Der artikel in der Hallischen L. zeitung úber Grimms
rechts altertúmer hat mich nicht befriedigt; es ist doch mer inhalts anzeige, als
wirkliche recension. Ich sende Inen
auch die 2 hefte morgenblåtter mit, und bitte mich bei H Decan
zu entschuldigen, daß ich sie so lange behalten habe. Wenn Sie wieder von Frauenfeld
zurükkommen; so hoffe ich auf einen besuch von Inen
und freue mich zu vernemen was die våter des vaterlandes gutes machen. H H Anderwert
und Mórikofer
bitte ich freundlich von mir zu grússen.
Indessen Gott
befolen! von Irem ergebensten J. Laßberg
.
Erratum. pag. 271 linea 21. lege Vogler statt Tobler.
Normalisierter Text
E am 17. Februar 1832.
Als ich heute in meinem Nebenzimmer nach den im vorigen Herbst verräumten Analectis
Fischingensibus suchte, fand ich statt derselben einen schon am Silvestertag eingepackten
und für Sie pro Strona bestimmten Kupferstich, den ich auch wirklich abgesandt glaubte.
So geht es den alten und vergesslichen Leuten! Mit denen man am Ende am besten tun
würde, sie wie unsere heidnischen Vorfahren hinunter zu schaufeln, damit sie keine
dummen Streiche mehr machen können. Nehmen Sie, mein lieber Nachbar, die kleine Gabe
auch jetzt noch an, als wenn sie zu rechter Zeit gekommen wäre, und wenn Sie das Bild
in Ihrer Stube aufhängen und manchmal ansehen, so denken Sie dabei auch ein oder das
andere Mal an den alten Einsiedler in der Waldklause, der Ihnen und den Ihren nicht nur am neuen Jahr, sondern alle Wochen und Tage darin
Gutes wünscht. Die Fischingischen Exzerpte habe ich noch nicht gefunden, bin aber
gewiss, dass sie nur untergeschoben und nicht verloren sind: Der gute H. Zellweger
konnte doch in seinem gegenwärtigen Zustand keinen Gebrauch davon machen, und in
einigen Tagen bin ich versichert, sie wieder aufzuspüren. Über eine andere und neuere
Vergesslichkeit muss ich mich bei Ihnen anklagen. H. Tobler
in Frauenfeld
sandte mir 3 sogenannte etruskische Gefäße, welche zu Baiae
bei Neapel
durch Schweizer Soldaten ausgegraben wurden, zum Ansehen. Ich wollte sie nicht zurückschicken,
ohne sie Ihnen gezeigt zu haben; allein, Ihr kurzer Aufenthalt am Mittwoch ließ mich
nicht daran denken. Ich sende sie Ihnen also jetzt zu, damit Sie dieselben betrachten
können, und bitte Sie nächste Woche, wenn Sie nach Frauenfeld
gehen, dieselben dem H. Tobler
wieder zuzustellen. Der Kopf auf der Lampe schien mir anfangs ein Frosch zu sein,
weil ich das Gefäß verkehrt in die Hand nahm, ich hielt es für das Zeichen des Töpfers,
den ich Bárpayos
geheißen habe; allein da ich es umkehrte, fand ich einen Perseuskopf, den wohl manche
andere für einen Merkur, was er nicht ist, halten werden. Das wäre so ein kleiner Anfang oder besser Beitrag
zu einem künftigen Thurgauischen Museum. Adde parvum parvo, magnus acervus erit. Der
Artikel in der Hallischen L. Zeitung über Grimms
Rechtsaltertümer hat mich nicht befriedigt; es ist doch mehr Inhaltsanzeige als wirkliche
Rezension. Ich sende Ihnen auch die 2 Hefte Morgenblätter mit und bitte mich bei H. Decan
zu entschuldigen, dass ich sie so lange behalten habe. Wenn Sie wieder von Frauenfeld
zurückkommen, so hoffe ich auf einen Besuch von Ihnen und freue mich zu erfahren,
was die Väter des Vaterlandes Gutes machen. H. H. Anderwert
und Mórikofer
bitte ich freundlich von mir zu grüßen.
Indessen Gott befohlen! Von Ihrem ergebensten J. Laßberg
.
Erratum. S. 271, Zeile 21. Lese Vogler
statt Tobler
.