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Mein hochverehrter Herr und Gönner!
Wer sich entschuldigt, eh' man klagt, der zeigt, daß er gefehlet hat." Diese alte
Gnome ist mir so frühe und so nachdrücklich eingeprägt worder, daß ich, indem ich
dieses Blättchen zur Hand nehme, in Besorgniß gerathe, Sie möchten von jener Regel
Anwendung auf mich machen, und es als Beweis. meiner Nachlässigkeit ansehen, daß Dr.
Kern, gegen meine Zusicherung, nicht bei Ihnen erschienen ist. Es würde mich sehr schmerzen,
wenn sie so von mir dächten; darum wollte ich nicht säumen, Ihnen zu berichten, daß
Dr. Kern
Ihnen morgen seines Ausbleibens halb seine Entschuldigung senden wird. Er war nur
am Freitag bei uns in Weinfelden
. Die Siebener Kommission des Großen Rath
es hielt ihn stets in Frauenfeld
fest. So viel er mir sagte, will er den Tag des Gerichtes, das Ihre Sache beurtheilen
soll, zuerst erfragen und dann, wenn anders dieser Tag sich in seine Geschäftsordnung
einreihen läßt, bei Ihnen Instruktion hohlen. Einstweilen versprach ich, den Präsidenten
über den Gerichtstag anzufragen, um alsdann möglichst schnell Herrn Kern
in Kentniß zu setzen. Nachdem ein langer Gesetzesentwurf wird ins Reine geschrieben
und dem Kleinen und Großen Rath
ausgehändigt sein, genieße ich eine Geschäftsferie von drei Wochen, in welcher Zeit
ich wieder ein wenig in die alte Welt mich versenken zu können hoffe. Bei solcher
Muße, wissen Sie wohl, bin ich nirgends lieber als bei Ihnen, und darum werde ich
auf Ihre gewohnte Gastfreundschaft wieder Anspruch machen. Ihnen und Herrn von Liebenau
mich und die Meinigen zu freundschaftlicher Gewogenheit empfehlend, bin ich
Ihr Ergebenster Diak. Pupikofer.
Bischofzell
, 17. Nov. 32.
Normalisierter Text
Mein hochverehrter Herr und Gönner!
Wer sich entschuldigt, eh' man klagt, der zeigt, dass er gefehlet hat." Diese alte
Weisheit ist mir so früh und so nachdrücklich eingeprent worden, dass ich, indem ich
dieses Blättchen zur Hand nehme, in Besorgnis gerate, Sie könnten diese Regel auf
mich anwenden und es als Beweis meiner Nachlässigkeit ansehen, dass Dr. Kern, entgegen meiner Zusicherung, nicht bei Ihnen erschienen ist. Es würde mich sehr
schmerzen, wenn Sie so von mir denken würden, darum wollte ich nicht säumen, Ihnen
zu berichten, dass Dr. Kern
Ihnen morgen halbweise seine Entschuldigung senden wird. Er war nur am Freitag bei
uns in Weinfelden
. Die Siebener Kommission des Großen Rates hielt ihn stets in Frauenfeld
fest. So viel er mir sagte, will er den Tag des Gerichtes, das Ihre Sache beurteilen
soll, zuerst erfragen und dann, wenn dieser Tag in seine Geschäftsordnung passt, bei
Ihnen Instruktion holen. In der Zwischenzeit versprach ich, den Präsidenten über den
Gerichtstag zu befragen, um dann möglichst schnell Herrn Kern
informieren zu können. Nachdem ein langer Gesetzesentwurf ins Reine geschrieben und
dem Kleinen und Großen Rat übergeben sein wird, genieße ich eine Geschäftsferie von
drei Wochen, in welcher Zeit ich wieder ein wenig in die alte Welt mich versenken
zu können hoffe. Bei solcher Muße, wissen Sie wohl, bin ich nirgends lieber als bei
Ihnen, und darum werde ich auf Ihre gewohnte Gastfreundschaft wieder Anspruch machen.
Ihnen und Herrn von Liebenau
mich und die Meinigen zu freundschaftlicher Gewogenheit empfehlend, bin ich
Ihr Ergebenster Diak. Pupikofer.
Bischofzell
, 17. Nov. 32.