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Hochwohlgeborener, Hochverehrtester Herr und Nachbar!
Sie und Ihre Frau Gemahlin im Laufe dieser Woche, nach Ihrer endlich erfolgten, so
lange ersehnten Heimkunft, mit dem Ausdrucke meiner herzlichen Freude zu bewillkommnen
und Sie um Fortsetzung Ihres mir seit einer langen Reihe von Jahren erwiesenen Wohlwollens
zu bitten, war im Anfange dieser Woche mein fester Entschluß. Ich wollte auf dem Heimwege
von Kreuzlingen am Dienstag Abend oder Mittwoch bei Ihnen einsprechen, um mit Augen zu sehen, wie
glücklich Sie in Ihrem neuen Verhältnisse seien. Allein die feuchten Nebel, die sich
mir auf die Brust warfen, zwangen mich, möglichst schnell heim zu kehren und meiner
Gesundheit auf das anrückende Weihnachtfest zu pflegen, und so um Gotteswillen einen
so lieben Wunsch, den Wunsch, Sie in dieser Woche noch zu sehen, obschon mit widerstrebendem
Herzen, abuzugeben. Damit mein Wegbleiben Ihnen nicht als Zeichen des Mangels an Theilnahme
erscheine, mochte ich gleichwohl diese Woche nicht vorbei lassen, ohne Ihnen einen
Beweis zu geben, daß ich sehr oft an Eppishausen
denke, und daß ich, wenn ich Fausts
Künste verstände, über den Berg und Wald mich hinübergeschwungen hätte. Ihre Theorie
ist zur Praxis, die Minnesängerei zur Minnefängerei geworden. Wir haben uns oft über
alte Rechtsbestimmungen beschäftigt. Vielleicht gibt beiliegendes Copialbuch Ihnen
Gelegenheit, auch hier die Theorie zur Praxis zu verwandeln und alte Herrschaftsrechte
oder Besitzungen, die ehemals mit Eppishausen
verbunden waren, wieder zu gewinnen. Kann und soll das nicht sein, nun, so machen
Sie mir die Freude, Ihnen wenigstens die Rechtstittel zugestellt und so von meiner
Seite gethan zu haben, was ich konnte; sie mögen immerhin zur Vervollständigung Ihres
Eppishausen
schen Archivs dienen. Herr von Liebenau
sagt mir, daß Sie manche schöne Sachen, für die Theotisca mit heimgebracht hätten.
Leider kann ich nicht sagen, daß ich in diesem Fache seit Ihrer Abreise einen Fund
oder Fortschritt gemacht habe. Ich bin der schlechteste, nachläßigste Schüler des
trefflichsten und glücklichsten Meisters! Doch ich hoffe immer, es könne werden, was
noch nicht ist. Indem ich Sie bitte, den armen Diaconus in des Bischofs alter Zelle
nicht ganz zu vergessen und meiner herzlichen Ergebenheit versichert zu bleiben, habe
ich die Ehre, Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin mich und die Meinigen zu gütigem Wohlwollen
zu empfehlen.
Ihr Diac. Pupikofer.
Bischofzell
, den 20. Dez. 1834.
Normalisierter Text
Hochwohlgeborener, Hochverehrtester Herr und Nachbar!
Sie und Ihre Frau Gemahlin im Laufe dieser Woche, nach Ihrer endlich erfolgten, so lange ersehnten Heimkunft,
mit dem Ausdruck meiner herzlichen Freude zu begrüßen und Sie um Fortsetzung Ihres
mir seit einer langen Reihe von Jahren erwiesenen Wohlwollens zu bitten, war am Anfang
dieser Woche mein fester Entschluss. Ich wollte auf dem Heimweg von Kreuzlingen
am Dienstag Abend oder Mittwoch bei Ihnen vorbeischauen, um mit eigenen Augen zu
sehen, wie glücklich Sie in Ihrem neuen Verhältnis sind. Doch die feuchten Nebel,
die mich belästigten, zwangen mich dazu, möglichst schnell zurückzukehren und auf
meine Gesundheit für das baldige Weihnachtsfest zu achten - und so leider einen so
lieben Wunsch, Sie diese Woche noch zu sehen, wenn auch widerwillig, aufzugeben. Damit
mein Fernbleiben nicht als Zeichen von fehlendem Interesse erscheint, wollte ich dennoch
diese Woche nicht verstreichen lassen, ohne Ihnen einen Beweis zu geben, dass ich
oft an Eppishausen
denke, und dass ich, wenn ich Fausts
Künste beherrschen würde, über den Berg und durch den Wald zu Ihnen geschwebt wäre.
Ihre Theorie ist zur Praxis geworden, die Minnesängerei zur Minnefängerei. Wir haben
uns oft mit alten Rechtsbestimmungen beschäftigt. Vielleicht gibt Ihnen das beiliegende
Kopialbuch die Möglichkeit, auch hier Theorie und Praxis zu vereinen und alte Herrschaftsrechte
oder Besitzungen, die einst mit Eppishausen
verbunden waren, wiederzuerlangen. Falls das nicht möglich oder gewollt ist, so machen
Sie mir bitte die Freude, Ihnen zumindest die Rechtstitel zuzusenden und somit von
meiner Seite aus getan zu haben, was ich konnte; sie können in jedem Fall zur Ergänzung
Ihres Eppishausen
schen Archivs dienen. Herr von Liebenau
hat mir mitgeteilt, dass Sie einige schöne Dinge mit nach Hause gebracht haben, die
Theotisca
gehört hatten. Leider kann ich nicht sagen, dass ich in dieser Angelegenheit seit
Ihrer Abreise einen Fund oder Fortschritt gemacht habe. Ich bin der schlechteste,
nachlässigste Schüler des ausgezeichnetsten und erfolgreichsten Meisters! Doch ich
hoffe immer noch, dass es werden kann, was noch nicht ist. Während ich Sie bitte,
den armen Diaconus in der alten Zelle des Bischofs nicht ganz zu vergessen und Ihnen
meine herzliche Ergebenheit versichere, habe ich die Ehre, Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin
mich und meine Familie freundlich zu empfehlen.
Ihr Diac. Pupikofer
.
Bischofzell
, den 20. Dezember 1834.