Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Eppishausen 18 Mai 1838.
Mein lieber Freund und Nachbar!
Was mir schon lange im Kopf herumgieng und mir auch nicht leicht auf dem Herzen lag,
muß ich denn nun schriftlich sagen, weil ich unterließ es Ihnen auf unsrer kleinen
Reise anzuvertrauen. Sie werden über das Dalpische Werk die Ritterburgen der Schweiz
eine Beschreibung von Eppishausen
liefern und nicht nur meine Person soll darinnen in einer biographischen Scizze auftretten,
sondern auch meine Handschriften in einem vollständigen Verzeichniße. Sie wißen nicht,
welch ein homo inglorius ich bin und wie wenig das digito monstrari von jeher mich
angefochten hat, Sie glauben vielleicht nicht, wie herzlich ich es Hrn Brokhaus
Dank weiß, daß er nicht wie er anfangs wollte meine Individualität in sein Conversationslexikon
aufgenommen hat, und doch ist es so, und so wünsche ich nun auch, daß in Dalps
Werke so wenig als möglich über meine Wenigkeit gesagt werde. Ich höre ja nun bald
auf der Schweiz
anzugehören. Was die Handschriften betrift, so habe ich schon oft mich gefragt: ob
es auch so ganz fadenredlich sei, den Leuten zu sagen: in Eppishausen
findet man diese und diese Handschriften, die dann wann sie hinkommeu hören múßen:
ja sie waren einmal da, jetzt aber muß du sie jenseits des Wassers suchen. Ich traue
es Ihrem eigenen Zartgefühl zu, daß Sie nicht gerne für irgend jemanden die Veranlassung
zu einem solchen mezasritte werden möchten. Was ist also zu thun? ich denke, den artikel
Eppishausen
blos historisch zu bearbeiten und die neueste Zeit entweder ganz zu umgehen oder
blos zu sagen: es war einmal ein Mann da, der hieß so und so und hatte gute Bücher
u. Handschriften und andere antiquitäten u. theilte sie gerne andern mit, jetzt aber
wohnt er auf der schwäbischen Erde und ist und bleibt da derselbe der er durch 26
Jahre in dem schönen Thurgau
war. Ich weiß es daß ich in der Schweiz
einige wenige Männer zurüklasse, deren freundschaftliches Wohlwollen mir auch über
die blauen Fluten des Bodensee
's folgen wird, und dieses Bewahrtsein genügt meiner ganzen Ruhmbegierde. Also zum
Schlusse! Wenn Sie werthester Freund es verlangen, so muss ich das Handschriften Verzeichnifs
allerdings vollenden, weil ich es versprochen habe, wenn Sie mich aber dessen erlassen,
so werde ich es Inen herzlieh danken. Wir grüfsen Sie und die Ihrigen.
Lafsbergius
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Normalisierter Text
Eppishausen, 18. Mai 1838.
Mein lieber Freund und Nachbar!
Was mir schon lange im Kopf herumging und mir auch nicht leicht auf dem Herzen lag,
muss ich denn nun schriftlich sagen, weil ich unterlassen habe, es Ihnen auf unserer
kleinen Reise anzuvertrauen. Sie werden über das Dalps
che Werk "Die Ritterburgen der Schweiz
" eine Beschreibung von Eppishausen
liefern und nicht nur meine Person soll darin in einer biographischen Skizze auftreten,
sondern auch meine Handschriften in einem vollständigen Verzeichnis. Sie wissen nicht,
welch ein homo inglorius ich bin und wie wenig das "digito monstrari" von jeher mich
angefochten hat, Sie glauben vielleicht nicht, wie herzlich ich es Herrn Brokhaus
danke, dass er nicht, wie er anfangs wollte, meine Individualität in sein "Conversationslexikon"
aufgenommen hat, und doch ist es so, und so wünsche ich nun auch, dass in Dalps
Werk so wenig wie möglich über meine Wenigkeit gesagt werde. Ich höre ja nun bald
auf der Schweiz
anzugehören. Was die Handschriften betrifft, so habe ich schon oft mich gefragt:
ob es auch so ganz fadenredlich sei, den Leuten zu sagen: in Eppishausen
findet man diese und diese Handschriften, die dann, wenn sie hinkommen, hören müssen:
ja, sie waren einmal da, jetzt aber muss du sie jenseits des Wassers suchen. Ich traue
es Ihrem eigenen Zartgefühl zu, dass Sie nicht gerne für irgendjemanden die Veranlassung
zu einem solchen Mezzesitze werden möchten. Was ist also zu tun? Ich denke, den Artikel
Eppishausen
bloß historisch zu bearbeiten und die neueste Zeit entweder ganz zu umgehen oder
bloß zu sagen: es war einmal ein Mann da, der hieß so und so und hatte gute Bücher
und Handschriften und andere Antiquitäten und teilte sie gerne anderen mit, jetzt
aber wohnt er auf der schwäbischen Erde und ist und bleibt der gleiche, der er durch
26 Jahre in dem schönen Thurgau
war. Ich weiß, dass ich in der Schweiz
einige wenige Männer zurücklasse, deren freundschaftliches Wohlwollen mir auch über
die blauen Fluten des Bodensees folgen wird, und dieses Bewahrtsein genügt meiner
ganzen Ruhmbegierde. Also zum Schluss! Wenn Sie, werter Freund, es verlangen, so muss
ich das Handschriften-Verzeichnis allerdings vollenden, weil ich es versprochen habe,
wenn Sie mich aber dessen erlassen, so werde ich es Ihnen herzlich danken. Wir grüßen
Sie und die Ihrigen.
Lafsbergius
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