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Hochverehrtester Herr Baron!
Vor allem meinen aufrichtigen Dank für die Mittheilung der Preisnote der Tscheppischen
Bücher. Ich finde die Preise so billig angesetzt, daß ich kein Bedenken trage, alle
meine bezeichneten Nummern zu übernehmen; denn nicht so bald dürfte eine Gelegenheit
sich darbieten, zu diesen Werken zu gelangen. Und wenn ich auch jetzt im Augenblicke
nicht Gebrauch davon machen kann, so hoffe ich auf eine Zeit, die mir mehr Muße geben
wird, und in welcher ich, durch administrative Geschäfte mit Erfahrungen bereichert,
auch im Felde der Geschichte mit schärferem Sinne und beßerem Takte arbeiten könne.
Bei einem Besuche werde ich also die Bücher zusammen packen und zugleich den Geldwerth
zu Ihren Handen stellen. Einzig in Beziehung auf Bucelin behalte ich mir noch eine
Vergleichung vor. Ich besitze nämlich die 3 ersten Bände, von denen der dritte als
partis secundae pars tertia bezeichnet ist, in der ersten Hälfte die genealogia der
comm. Barbiens. Zollicofer
, in der zweiten paginirten Hälfte die Ahnen des Ern. Bogislaus dux de Croy
et Arschott
. comes de Turri
abhandelt. Sollte diese zweite Hälfte etwa als vierter Theil bezeichnet werden? Doch
kaum. Der zweite Band meiner Ausgabe trägt die Jahrzahl 1662, der dritte keine Jahrzahl.
v. H. Daß es in Ihrem Gemüthe immer noch dunkel sei, das begreife ich. Ach, der Schmerz
über Ihren großen Verlust wird noch lange in Ihrer Seele haften! Denn Ihr Herr Sohn
war Ihnen ja nicht blos Sohn, sondern Freund, Mitarbeiter in der Wissenschaft; er
war ein edler Mensch, ein thätiger, umsichtiger Staatsmann. Welche Freude für einen
Vater, ein solcher Sohn! Und welch' ein Schmerz, ihn zu verlieren! Centnerschweren
Sinn legt eine solche Erfahrung in die Worte: Cum semel occideris et de te splendida
Minos Fecerit arbitria Non Torquate genus, non te facundia, non te Restituet pietas. Und doch schätze ich den Mann glücklich,
der im kräftigen Mannesalter sterben und vor dem Siechthum langer Krankheit aus der
Welt gehen kann. Wenn ich an meinen hochverehrten Freund Kesselring
denke, an seine Wissenschaft, an seine Rechtlichkeit, an seinen Feuereifer, in unserm
an Intelligenzen so armen Kantone Gutes zu wirken, und an seine nun zwei Jahre schon
andauernde schmerzhafte Ohn macht, die ihn verurtheilt, mitten in den äußerlich günstigsten
Verhältnissen gleichsam bei lebendigem Leibe zu verwesen, so traure ich mehr, daß
er noch lebt, als daß er voraussichtlich bald sterben muß. Aber was läßt sich den
Fügungen des Himmels entgegen setzen als Ergebung und Beharrlichkeit und die gläubige
Zuversicht, daß dieser Zeit Leiden nicht werth seien der Herrlichkeit, die an uns
geoffenbaret werden soll? Durate et vosmet rebus servate secundis. Auch Ihnen werden
in diesem Leben noch manche Lebensfreuden erblühen. Ihre Zwillingsmädchen sind so
liebliche Röschen, ein Geschenk der Vorsehung, Ihnen die Dornen vergessen zu machen,
die Ihren Pfad umlagern und Ihren Fuß zerreißen. Gott erhalte die guten Kinder ferner
gesund, daß ihre harmlose Fröhlichkeit täglich einem neuen Jugendgarten um Sie hervorzaubern,
in dessen farbigem Glanze selbst die Herbst- und Wintersonne sich frisch verkläre!
Gott mit Ihnen, mein hochverehrter, väterlicher Freund! Das Gefühl der Liebe und Dankbarkeit
gegen Sie wird nie erlöschen in dem Herzen Ihres treu ergebenen Diac. Pupikofer.
Bischofzell
, 21. Juli 1838.
Normalisierter Text
Hochverehrtester Herr Baron!
Vor allem meinen aufrichtigen Dank für die Mitteilung der Preisnote der Tscheppischen
Bücher. Ich finde die Preise so billig angesetzt, dass ich kein Bedenken trage, alle
meine bezeichneten Nummern zu übernehmen; denn nicht so bald dürfte eine Gelegenheit
sich darbieten, zu diesen Werken zu gelangen. Und wenn ich auch jetzt im Augenblick
nicht Gebrauch davon machen kann, so hoffe ich auf eine Zeit, die mir mehr Muße geben
wird, und in welcher ich, durch administrative Geschäfte mit Erfahrungen bereichert,
auch im Felde der Geschichte mit schärferem Sinne und besserem Takte arbeiten kann.
Bei einem Besuche werde ich also die Bücher zusammen packen und zugleich den Geldwert
zu Ihren Händen stellen. Einzig in Beziehung auf Bucelin behalte ich mir noch eine Vergleichung vor. Ich besitze nämlich die 3 ersten Bände,
von denen der dritte als partis secundae pars tertia bezeichnet ist, in der ersten
Hälfte die Genealogia der comm. Barbiens. Zollicofer
, in der zweiten paginierten Hälfte die Ahnen des Ern. Bogislaus dux de Croy
et Arschott
. comes de Turri
abhandelt. Sollte diese zweite Hälfte etwa als vierter Teil bezeichnet werden? Doch
kaum. Der zweite Band meiner Ausgabe trägt die Jahreszahl 1662, der dritte keine Jahreszahl.
v.
H.
Dass es in Ihrem Gemüte immer noch dunkel sei, das begreife ich. Ach, der Schmerz
über Ihren großen Verlust wird noch lange in Ihrer Seele haften! Denn Ihr Herr Sohn
war Ihnen ja nicht bloß Sohn, sondern Freund, Mitarbeiter in der Wissenschaft; er
war ein edler Mensch, ein tätiger, umsichtiger Staatsmann. Welche Freude für einen
Vater, ein solcher Sohn! Und welch ein Schmerz, ihn zu verlieren! Centnerschweren
Sinn legt eine solche Erfahrung in die Worte: Cum semel occideris et de te splendida
Minos Fecerit arbitria Non Torquate genus, non te facundia, non te Restituet pietas. Und doch schätze ich den Mann glücklich,
der im kräftigen Mannesalter sterben und vor dem Siechtum langer Krankheit aus der
Welt gehen kann. Wenn ich an meinen hochverehrten Freund Kesselring
denke, an seine Wissenschaft, an seine Rechtlichkeit, an seinen Feuereifer, in unserem
an Intelligenzen so armen Kanton Gutes zu wirken, und an seine nun zwei Jahre schon
andauernde schmerzhafte Ohnmacht, die ihn verurteilt, mitten in den äußerlich günstigsten
Verhältnissen gleichsam bei lebendigem Leibe zu verwesen, so traure ich mehr, dass
er noch lebt, als dass er voraussichtlich bald sterben muss. Aber was lässt sich den
Fügungen des Himmels entgegensetzen als Ergebung und Beharrlichkeit und die gläubige
Zuversicht, dass dieser Zeit Leiden nicht wert seien der Herrlichkeit, die an uns
geoffenbart werden soll? Durate et vosmet rebus servate secundis. Auch Ihnen werden
in diesem Leben noch manche Lebensfreuden erblühen. Ihre Zwillingsmädchen sind so
liebliche Röschen, ein Geschenk der Vorsehung, Ihnen die Dornen vergessen zu machen,
die Ihren Pfad umlagern und Ihren Fuß zerreißen. Gott erhalte die guten Kinder weiterhin
gesund, dass ihre harmlose Fröhlichkeit täglich einem neuen Jugendgarten um Sie hervorzaubern,
in dessen farbigem Glanze selbst die Herbst- und Wintersonne sich frisch verkläre!
Gott mit Ihnen, mein hochverehrter, väterlicher Freund! Das Gefühl der Liebe und Dankbarkeit
gegen Sie wird nie erlöschen in dem Herzen Ihres treu ergebenen Diac. Pupikofer
.
Bischofzell
, 21. Juli 1838.