Original Text Transcribed from the manuscript (Transkribus)
Lostorf zwischen
Arau u. Olten
21/7/38.
Hochverehrter Herr Baron!
Mit aufrichtig herzlicher Theilnahme habe ich den Trauer
fall vernommen der Sie
und Ihr Haus betroffen hat; die Wissenschaft wird ihn auch zu beklagen haben.
Möge der Herr Sie stärken, und Ihnen zum Trost und Ersatz
Ihre lieblichen Zwillinge
desto kräftiger gedeihen lassen.
ich habe Ihren
Brief hieher gesendet erhalten, nach Lostorf, einem
freundlichen
Badeorte, den ich meiner Gesundheit wegen für einige Ferienwochen habe
beziehen
müssen. Diess der Grund weshalb ich Ihrem Befehle die geliehenen Bücher zurück
zusenden unmöglich sogleich Folge leisten kann; es
soll aber geschehen so wie ich
wieder in Basel bin, damit
Sie nicht in dem Verdachte bestärkt werden, ich
wollte Ihre Güte
missbrauchen. Denn zu meiner Betrübniss hegen Sie, glaube
ich, diesen
Verdacht. ich hatte Sie auf Ihre frühere Anmahnung ergebenst
gebeten mir jene
Bücher noch einige Zeit lassen zu wollen, damit ich dieselben wirklich
auch brauchen
könnte. Recht geschehen ist das noch nicht, da die Stücke vom Gr. v.
Montfort
und von Niclas v.
Wyle
noch nicht gedruckt und noch nicht nach Ihren
Originalexemplaren corrigiert sind. Indessen will ich diesen kleineren Verlust
gern
verschmerzen um einem grössern zu entgehn, dem Verlust Ihres Wohlwollens.
Unter
gehorsamsten Empfehlungen an Ihre gnaedige Frau Gemahlinn habe ich die Ehre zu seyn
Eu. Hochwohlgeboren
ergebenster
Diener
gez.
Wilh. Wackernagel Dr. Prof.
Normalisierter Text
Lostorf zwischen Aarau u. Olten 21/7/38. Hochverehrter Herr Baron! Mit aufrichtig herzlicher Teilnahme habe ich den Trauerfall vernommen, der Sie und Ihr Haus betroffen hat; die Wissenschaft wird ihn auch zu beklagen haben. Möge der Herr Sie stärken und Ihnen zum Trost und Ersatz Ihre lieblichen Zwillinge desto kräftiger gedeihen lassen. Ich habe Ihren Brief hierher gesendet erhalten, nach Lostorf, einem freundlichen Badeort, den ich meiner Gesundheit wegen für einige Ferienwochen habe beziehen müssen. Dies der Grund, weshalb ich Ihrem Befehl, die geliehenen Bücher zurückzusenden, unmöglich sogleich Folge leisten kann; es soll aber geschehen, so wie ich wieder in Basel bin, damit Sie nicht in dem Verdacht bestärkt werden, ich wollte Ihre Güte missbrauchen. Denn zu meiner Betrübnis hegen Sie, glaube ich, diesen Verdacht. Ich hatte Sie auf Ihre frühere Anmahnung ergebenst gebeten, mir jene Bücher noch einige Zeit lassen zu wollen, damit ich dieselben wirklich auch brauchen könnte. Recht geschehen ist das noch nicht, da die Stücke vom Gr. v. Montfort und von Niclas v. Wyle noch nicht gedruckt und noch nicht nach Ihren Originalexemplaren korrigiert sind. Indessen will ich diesen kleineren Verlust gern verschmerzen, um einem größeren zu entgehen, dem Verlust Ihres Wohlwollens. Unter gehorsamsten Empfehlungen an Ihre gnädige Frau Gemahlin habe ich die Ehre, zu sein Eu. Hochwohlgeboren ergebenster Diener gez. Wilh. Wackernagel Dr. Prof.
Translation
Lostorf between Arau and Olten 21/7/38. Most esteemed Baron, With sincere heartfelt sympathy, I have learned of the bereavement that has affected you and your household; science will also have cause to mourn. May the Lord strengthen you and allow your lovely twins to thrive all the more robustly as a comfort and substitution for you. I have received your letter here, in Lostorf, a pleasant spa town which I had to take up due to my health for a few weeks of vacation. This is the reason why I cannot immediately comply with your command to return the borrowed books; however, this will happen as soon as I am back in Basel, so that you will not be reinforced in the suspicion that I might want to abuse your kindness. For to my distress, you, I believe, harbor this suspicion. I had earnestly requested you, upon your earlier prompting, to allow me to keep those books for a little longer so that I could actually make use of them. This has not yet been done because the pieces from Gr. v. Montfort and Niclas v. Wyle have not yet been printed, and your original copies have not yet been corrected. However, I am willing to gladly forgo this minor loss to avoid a greater one, the loss of your goodwill. With the most obedient compliments to your gracious wife, I have the honor to be Your Excellency's most devoted servant signed Wilh. Wackernagel Dr. Prof.