Original Text Transcribed from the printed edition (OCR)
Bischofzell, 26. Sept. 1839.
Mein hochverehrtester Herr Baron!
Soeben von Frauenfeld
zurückgekehrt, vernehme ich, daß Herr von Muralt
Ihnen die 10 Fässer Kalk über Konstanz übermacht und Ihnen zugleich zu dem Dienste
sich bereit erklärt habe, Ihnen einen mit der Verfertigung der Kalkgüsse vertrauten
Mann zu senden; es liege ihm nämlich daran, daß die Arbeit gelinge, und so wäre es
ihm selbst lieb, dieselbe durch technische Kunstfertigkeit gesichert zu wissen. Sie
mögen also gefälligst disponiren, und Ihre Befehle entweder mittelbar durch mich oder
unmittelbar an Herrn von Muralt
ertheilen. Zu näherer Aufklärung über die Spedition des Kalkes muß ich indessen nachtragen,
daß ich zwar mit den Utwyler Fuhrleuten unterhandelte, aber von einem Tage zum andern
aufgezögert wurde, und daher zuletzt nichts besseres zu thun wußte, als Herrn v. M.
selbst die Spedition zu übertragen, in der Meinung, daß, wenn Sie vielleicht auch
15 xr mehr Gebühr für das Faß zahlen, dies weniger wichtig sei als eine Verzögerung
bis zum Frühjahre. Auch glaubt Herr v. M.
, da der Kalkguß überdeckt werde mit Erde, so sei keine Bedenklichkeit, denselben
diesen Herbst noch zu fertigen. Etwas anderes wäre, wenn er der freien Luft über den
Winter ausgesetzt wäre. Dies wissen Sie freilich schon längst; allein als gewissenhafter
Diener berichte ich alles, was zur Sache gehört. General Imhof
ist seit 10 Tagen in Hauptwyl
, und unser lieber Imhof
hat seine letzte Willenserklärung nach seinem Beirathe unterzeichnen lassen. Es war
mir bei dem Akte ganz wehmüthig; aber Imhof
selbst blieb so ruhig, wie er immer ist, im Gegentheile, er schien freudig in dem
Bewußtsein, einmal mit der Welt abgeschlossen zu haben. Das wird ihn aber nicht hindern,
seinen Bruder über den See zu Ihnen zu geleiten. Noch weiß ich indessen den Tag nicht.
Da wir aber auf morgen Abend zu einem Abendessen mit Herrn Scherbs
nach Hauptwyl
eingeladen sind, so schließe ich daraus, daß die Abreise nahe sei, und daß Sie der
Ankunft der lieben Gäste im Anfange der künftigen Woche entgegensehen dürfen. Ich
würde sie gerne begleiten; aber Amtsgeschäfte machen Dienstag bis Freitag meine Anwesenheit
in hier unerläßlich, und ob ich bei Gelegenheit des Seminar Examens in Kreuzlingen
am 14. oder 21. Oct. und den darauf folgenden Tagen zu Ihnen hinüberschwimmen könne,
ist sehr zweifelhaft. Gebundene schwimmen schlecht, selbst wenn sie die Hexerei verstehen.
Soll ich Ihnen noch etwas von der Politik schreiben und von der Regierungs Liederlichkeit
und dem heiligen Eifer des Unverstandes der Volks Souveränität? O nein! Taciti deploremus vanitatem. Gott befohlen seien Sie mit Ihrer Frau Gemahlin und Ihren lieblichen
Kindern; das ungesehene mit eingeschlossen! Mit der innigsten Verehrung bleiben Ihre
Bischofzell
ischen Freunde Ihnen zugethan, besonders
Ihr Pupikofer.
Normalisierter Text
Bischofzell, 26. September 1839.
Mein hochverehrtester Herr Baron!
Soeben von Frauenfeld
zurückgekehrt, vernehme ich, dass Herr von Muralt
Ihnen die 10 Fässer Kalk über Konstanz übermacht und Ihnen zugleich zu dem Dienste
sich bereit erklärt habe, Ihnen einen mit der Verfertigung der Kalkgüsse vertrauten
Mann zu senden; es liege ihm nämlich daran, dass die Arbeit gelinge, und so wäre es
ihm selbst lieb, dieselbe durch technische Kunstfertigkeit gesichert zu wissen. Sie
mögen also gefälligst disponieren, und Ihre Befehle entweder mittelbar durch mich
oder unmittelbar an Herrn von Muralt
erteilen. Zu näherer Aufklärung über die Spedition des Kalkes muss ich indessen nachtragen,
dass ich zwar mit den Utwyler Fuhrleuten unterhandelte, aber von einem Tage zum anderen
aufgezögert wurde, und daher zuletzt nichts Besseres zu tun wusste, als Herrn v. M.
selbst die Spedition zu übertragen, in der Meinung, dass, wenn Sie vielleicht auch
15 xr mehr Gebühr für das Fass zahlen, dies weniger wichtig sei als eine Verzögerung
bis zum Frühjahr. Auch glaubt Herr v. M.
, da der Kalkguss überdeckt werde mit Erde, so sei keine Bedenklichkeit, denselben
diesen Herbst noch zu fertigen. Etwas anderes wäre, wenn er der freien Luft über den
Winter ausgesetzt wäre. Dies wissen Sie freilich schon längst; allein als gewissenhafter
Diener berichte ich alles, was zur Sache gehört. General Imhof
ist seit 10 Tagen in Hauptwyl
, und unser lieber Imhof
hat seine letzte Willenserklärung nach seinem Beirat unterzeichnen lassen. Es war
mir bei dem Akt ganz wehmütig; aber Imhof
selbst blieb so ruhig, wie er immer ist, im Gegenteil, er schien freudig in dem Bewusstsein,
einmal mit der Welt abgeschlossen zu haben. Das wird ihn aber nicht hindern, seinen
Bruder über den See zu Ihnen zu begleiten. Noch weiß ich indessen den Tag nicht. Da
wir aber auf morgen Abend zu einem Abendessen mit Herrn Scherbs
nach Hauptwyl
eingeladen sind, so schließe ich daraus, dass die Abreise nahe sei, und dass Sie
der Ankunft der lieben Gäste im Anfange der künftigen Woche entgegensehen dürfen.
Ich würde sie gerne begleiten; aber Amtsgeschäfte machen Dienstag bis Freitag meine
Anwesenheit hier unerlässlich, und ob ich bei Gelegenheit des Seminar Examens in Kreuzlingen
am 14. oder 21. Oktober und den darauf folgenden Tagen zu Ihnen hinüberschwimmen
könnte, ist sehr zweifelhaft. Gebundene schwimmen schlecht, selbst wenn sie die Hexerei
verstehen. Soll ich Ihnen noch etwas von der Politik schreiben und von der Regierungsliederlichkeit
und dem heiligen Eifer des Unverstandes der Volkssouveränität? O nein! Taciti deploremus vanitatem. Gott befohlen seien Sie mit Ihrer Frau Gemahlin
und Ihren lieblichen Kindern; das Ungesehene mit eingeschlossen! Mit der innigsten
Verehrung bleiben Ihre Bischofzell
ischen Freunde Ihnen zugetan, besonders
Ihr Pupikofer.