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Auf der alten Meersburg am 13. Weinmonats 1843. Mein ser teurer Freund Uhlandus! Unsere Gastfreundin, die Gemalin des k. preuß. Oberregierungsrates Rüdiger ( nicht des Markgraven von Pechelaren ), geborene von Hohenhausen, und Tochter der Inen gewiß besser als mir bekannten Elise von Hohenhausen, gibt mir, bei iver Heimreise nach Westphalen, über Tübingen, die erwünschte Gelegenheit Inen die verlangten Bücher sogleich zu übermachen. Ich neme hievon Anlaß Inen, lieber Freund! und Irer lieben Emma, diese Frau, als eine gebildete, bescheidene und verständige Dame zu empfelen, welche ein senliches Verlangen hat, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ire Zeilen vom 8. dieses haben wie eine woltätige Arznei auf mich gewirkt! Ich hatte so lange diese mir so teuren Schrift züge nicht gesehen, und seit 4 Wochen lag ich an einem tiefen Kummer frank. Ich rang einige Zeit mit dem Schmerz; aber zulezt wurde er meiner Meister und warf mich aufs Bette. Als Stälin zu mir kam, lag ich noch danieder. Den andern Morgen bekam ich Iren Brief: die Freude darüber gab mir Kraft, ich stand auf und seit deme gehet es besser, nur die Eßlust will sich noch nicht einstellen. Ich bin abgemagert wie ein Karthausser nach der 40 tägigen Fasten und lebe bloß von Wasser, Wein und Brod. Haben Sie tausend Dank, lieber Freund! für Tren freundlichen und woltätigen Brief! Die meinigen sind gottlob! alle wol. Die Kinder wachsen zum Erstaunen, singen und springen den ganzen Tag, lernen fleißig und gerne, und sind folgsam den ganzen Tag frölich. Vorige Woche kam meine Schwiegermutter Droste mit irer Tochter Nette, der Inen bekannten Dichterin und Sängerin zu uns, und kommende Woche erwarten wir meinen noch einzigen biederen Son Karl aus Prag; es ist also warscheinlich, daß Ir und Irer lieben Frau Emma Wunsch: „ daß wir auf der weitausschauenden Meersburg einen heiteren Winter zubringen möchten, " in Erfüllung gehen werde, wenn der liebe Gott mich anders wieder gesunden läßt. Tausend herzliche Grüße von uns allen an Sie und Ire liebe eheliche Wirtinne! Auch Tafel und Reyscher bitte ich von mir zu grüßen und dem letztern zu sagen, daß ich heute seine mir zurükgeschikten Bücher erhalten habe. Und nun Gott befolen! von Frem treuen Freunde Joseph v. Laßberg.